23.03.12 Dekanatssynode bezieht Stellung zu Sonntagsschutz und Pfarrstellenbemessung


Mit großer Geschlossenheit  hat sich die Synode des Evangelischen Dekanats Bergstraße in die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Gemeindepfarrstellen sowie die Aushöhlung des Sonntagsschutzes eingeschaltet.

Synode und Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sollen die hessische Landesregierung auffordern, die Bedarfsgewerbeverordnung zurückzunehmen. Eine entsprechende Resolution haben die Delegierten aus den Gemeinden des Evangelischen Dekanats Bergstraße auf ihrer Tagung in Gadernheim einstimmig verabschiedet.

Die Bedarfsgewerbeverordnung gestatte die Ausführung von Arbeiten an Sonn- und Feiertagen, die auch an anderen Wochentagen ausgeführt werden könnten. Dies führe dazu, dass Sonn- und Feiertage für immer mehr Menschen zu zusätzlichen Arbeitstagen werden, sagte Dekanin Ulrike Scherf zur Begründung.  Zugleich erinnerte sie daran,  dass der arbeitsfreie Sonntag die Würde des Menschen unabhängig von seinen Leistungen unterstreiche und in Deutschland Verfassungsrang habe. Die Dekanatssynode sprach sich deshalb für einen jährlichen Sonntagsschutzbericht  aus. Darin solle die Landesregierung darlegen, in welchen Betrieben und Gewerben sonntags gearbeitet wird und wie viele Arbeitnehmer/innen davon betroffen sind.

Das von der Kirchenleitung der EKHN vorgelegte neue Modell für die so genannte Pfarrstellenbemessung lehnte die Dekanatssynode geschlossen ab. Dieses Modell hätte wegen veränderter Bemessungskriterien einen deutlichen Rückgang der Pfarrstellen im Dekanat Bergstraße zur Folge. Die Bergsträßer Synodalen verständigten sich auf einen gemeinsamen Antrag, in dem sie sich dafür aussprechen, die Pfarrstellenkürzung nur im Einklang mit den zurückgehenden Mitgliederzahlen zu vollziehen. Pro Jahr wäre dies nicht mehr als ein Prozent. Darüber hinaus gehende Stellenkürzungen lehnt die Dekanatssynode ab.

Die bisherigen Kriterien für die Pfarrstellenbemessung, zu denen auch die Anzahl der evangelischen Kindertagesstätten gehört, sollen aufrechterhalten bleiben. „Mit dem einstimmig getragenen Antrag geben wir ein deutliches Signal, dass die verlässliche Präsens von Pfarrerinnen und Pfarrern bei den Menschen vor Ort und in der Region für unsere Kirche wesentlich ist“, betonte Präses Axel Rothermel.  Angesichts des prognostizierten Mangels an Pfarrerinnen und Pfarrern spricht sich die Dekanatssynode zudem dafür aus, die Attraktivität des Pfarrberufs zu steigern, den Gemeindepfarrdienst zu entlasten und auf seine Kernaufgaben zu konzentrieren. Im Zuge der anstehenden Entscheidungen gelte es die Gemeinden zu stärken und kreativ ein Zeichen der Hoffnung zu geben.

Die Dekanatssynode ist das regionale Kirchenparlament, das rund 75.000 evangelische Gemeindemitglieder in 34 Kirchengemeinden im Dekanat Bergstraße vertritt.

 

Text u. Foto: cr