22.03.12 Zwischen Kripo und Kirchenmusik - Porträt eines Polizisten und Organisten


Hauptberuflich sucht und sichert er Spuren an den Tatorten. Nebenberuflich hinterlässt er Spuren in der Kirche. Björn Rothmüller aus Zotzenbach im Dekanat Bergstraße ist einer von 3.300 nebenberuflichen Organisten in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Hauptberuflich ist der 33jährige Kriminaloberkommissar und Leiter der Spurensicherung bei der Polizeidirektion Odenwald.

Das vereinbarte Treffen in der evangelischen Kirche von Zotzenbach stand auf des Messers Schneider. Denn Björn Rothmüller war am Vorabend zu einem Raubüberfall im Odenwaldkreis gerufen worden. Der Einsatz war erst kurz vor dem geplanten Fototermin an seiner Orgel zu Ende. In den zwölf Jahren, die er als Organist und Kantor in der Gemeinde tätig ist, hat er erst zweimal seine Mitwirkung im Gottesdienst kurzfristig abgesagt. Während er zum Tatort eilte, musste die Gemeinde auf die Schnelle Ersatz besorgen oder improvisieren.

Orgelspiel ist Björn Rothmüller ein wichtiger Ausgleich zu seiner Kripo-Tätigkeit. „Mitunter sind die Einsätze belastend. Vieles wirkt nach und lässt einen nicht los. Aber wenn ich Orgel spiele, dann bekomme ich den Kopf frei. Ich bin dann in der Musik und ganz bei mir“, betont der Zotzenbacher, der besonders Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn-Bartholdy und von den neueren Komponisten Marcel Dupré schätzt.  Mit Musik ist er aufgewachsen. Sie hat in seiner Familie eine lange Tradition. Noch heute singt er gemeinsam mit seinem Vater im Chor wie auch im Duo.

Es war lange nicht ausgemacht, dass Björn Rothmüller eine berufliche Karriere bei der Polizei macht. Neben der Musik hatte er zeitweise auch mit Orgelbau geliebäugelt. Auf den Geschmack gekommen war er durch ein Praktikum bei einem Orgelbauer, wo er später immer mal wieder in den Ferien jobbte. Orgelunterricht erteilte ihm der Dekanatskirchenmusiker Klaus Thielitz im benachbarten Rimbach, Mit 21 Jahren wurde er dann nebenberuflicher Organist in der evangelischen Gemeinde Zotzenbach.

Von der Zotzenbacher Orgel ist der Kripo-Beamte besonders angetan: „Sie ist solide gebaut und hat einen außergewöhnlichen Klang mit einer großen Tonfülle auch bei leiseren Tönen“. Das denkmalgeschützte  Gehäuse stammt aus dem Jahr 1877. Es ist zugleich das Jahr, in dem der Bau der Zotzenbacher Kirche vollendet wurde. Die alte Orgel wurde 1978 durch eine neue ersetzt. Sie ist Björn Rothmüller vielleicht auch deshalb besonders ans Herz gewachsen, weil es sein Geburtsjahr ist. Auf diesem Instrument hinterlässt er musikalische Spuren und schafft sich einen Ausgleich zur Spurensicherung. Doch eines ist für Björn Rothmüller unzweifelhaft: „Orgel würde ich auch spielen, wenn ich einen anderen Beruf hätte.“

 

Text u. Foto: bet