15.03.12 Lesezirkel "Literatur und Religion" feiert Jubiläum - 222 Bücher, die das Leben spiegeln


Heute vor zwanzig Jahren, am 15. März 1992, las der damals 70jährige thüringische Schriftsteller Walter Werner aus seinem Gedichtband „Tautreten unterm Regenbogen“ im Oberlin-Haus der Heppenheimer Heilig-Geist-Gemeinde.  Werner, der 1995 verstarb, motivierte mit seinen Gedichten zur Gründung des Lesezirkels „Literatur und Religion“. Sein 20. Geburtstag wird natürlich gefeiert.

Im ersten Treffen in der damaligen Bibliothek diskutierten am 13. April 1992 die „Bücherwürmer“ das Grimm‘sche Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Bereits für das zweite Zusammenkommen, es war der 11. Mai, einigte sich der Lesezirkel auf Josef Roths Roman „Hiob“. Seitdem treffen sich elf Mal im Jahr lesebegeisterte Frauen und Männer im Oberlin-Haus, um nach vorheriger Auswahl durch die Gruppe zeitgenössische Literatur aus allen Erdteilen zu besprechen. Ein Kriterium ist, die Bücher sollen preisgünstig sein oder in einer Bibliothek ausleihbar.

Da einzelne Teilnehmer von Anfang an nicht nur  mitlasen, sondern sich die Werke auch kauften, sind in verschiedenen Häusern Heppenheims kleine Bibliotheken der Weltliteratur von insgesamt mehr als 222 Büchern entstanden.

Gefeiert werden soll  das 20jährige Jubiläum am Sonntag, den 25. März um 10.00 Uhr als Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche (Darmstädter Straße),  sowie am Freitag, den 27. April in einer musikalischen Lesung des Sachbuchautors Alois Prinz (Feldkirchen-Westerham) und des österreichischen Gitarristen Johannes Öllinger (Zeillern) um 19.00 Uhr an gleichem Ort.  Der Gottesdienst wird gestaltet durch den Lesezirkel, indem einzelne Bücher, die im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre eine Rolle spielten, zur Sprache kommen, so etwa Marlen Haushofers „Die Wand“ aus dem Jahr 1968 (als Film bei Berlinale 2012 geehrt, Regisseur Julian Roman Rösler). „Schlafes Bruder“, der Erstlingsroman von Robert Schneider (1992) wird von Wolfgang Kopf an der Orgel begleitet. Der Flötenkreis der Musikschule Heppenheim unter Leitung von Judith Portugall umrahmt musikalisch die Lesungen.

Im Anschluss an den Gottesdienst wird in das benachbarte „Haus der Begegnung“ eingeladen, wo die gelesenen und besprochenen Bücher von A (wie Leila Aboulela – Der Seele Raum geben) über M (wie Herta Müller – Atemschaukel) bis Z (wie Zoe Jenny – Das Blütenstaubzimmer) ausgestellt sind.

 

Text: Dirk Römer
Foto: bet