+

24.02.12 ZEIT-Konferenz der Allianz für den freien Sonntag - Mit Liegestühlen auf die Straßenkreuzung


Immer mehr Menschen arbeiten am Sonntag sowie an Feiertagen. Waren es noch vor 15 Jahren rund acht Millionen Erwerbstätige, so sind es laut Gewerkschaft ver.di heute über elf Millionen Menschen. Daher fordert die bundesweite „Allianz für den freien Sonntag“, der beide Großkirchen, Gewerkschaften sowie Sport- und Einzelhandelsverbände angehören, die verantwortlichen Politiker in Bund und Ländern auf, sich für einen konsequenten Sonntagsschutz einzusetzen.

Auf der ZEIT-Konferenz in Fulda verabschiedeten über 130 Delegierte, darunter einige aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), eine Resolution. Darin fordern die Teilnehmer eine bundesweit einheitliche Regelung für den Sonntag. Diese soll den Ladenschluss als auch die umstrittene Bedarfsgewerbeverordnung klarer im Sinne eines umfassenden Sonntagsschutzes regeln.

Nach der seit November vergangenen Jahres geltenden Bedarfsgewerbeverordnung ist in Hessen Sonntagsarbeit zur Herstellung von Speiseeis, Bier, Schaumwein sowie alkoholfreien Getränken erlaubt. Ebenso dürfen Gewerbezweige wie Videotheken oder Wettbüros öffnen. Früher war dazu jeweils eine Sondergenehmigung erforderlich. Jetzt ist die Sonntagsarbeit in den genannten Gewerbezweigen generell erlaubt. Dagegen will ver.di in Hessen nun vorgehen. Mit einer Musterklage will die Gewerkschaft nach eigenen Angaben den Gesetzgeber zwingen, die Bedarfsgewerbeverordnung neu zu regeln.

Außerdem fordert die Allianz einen Stopp des Rund-um-die-Uhr-Shoppings sowie die Einführung eines Sonntagsschutzberichtes, der den tatsächlichen Anstieg der Sonntagsarbeit analysiert und geeignete Gegenmaßnahmen aufzeigt. Auf der ZEIT-Konferenz forderten Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, von ver.di, der Gewerkschaft der Polizei in Hessen und der Handwerks- und Handelskammer in Oberfanken das Recht auf Sonntagsruhe. „Der freie Sonntag ist eine Staatsgarantie, die endlich wieder eingelöst werden muss."  Erst im vergangenen Jahr hat der Hessische Landtag das Ladenschlussgesetz verabschiedet, das weiterhin vier verkaufsoffene Sonntage vorsieht.

Höhepunkt der Tagung war eine Straßendemo (Foto), bei der die Teilnehmer eine der meistbefahrenen Kreuzungen in Fulda für eine halbe Stunde blockierten. Hierzu ließen sich viele Teilnehmer auf Liegestühlen nieder, auf denen der Slogan stand: „Gott sei Dank, es ist wieder Sonntag.“


Text u. Foto: Reinhard Völker