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30.01.12 Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus - Kundgebung in Bensheim


Mit einer Kranzniederlegung und einer Schweigeminute am Stolperstein-Mahnmal in der Bensheimer Innenstadt wurde am vergangenen Freitag, den 27. Januar, der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

An der von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisierten Kundgebung beteiligten sich die Initiative gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger sowie das Evangelische Dekanat Bergstraße.

Tony Schwarz von der GEW Bergstraße betonte, dass der Rechtsextremismus  verharmlost und unterschätzt werde. Während die offizielle Kriminalstatistik 47 Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit 1990 zähle, gingen unabhängige Medien wie „Die Zeit“ oder „Der Spiegel“ von 140 Morden aus.

Dr. Peter Kalb von der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger warnte vor einer Geschichtsvergessenheit. Nach der jüngsten Forsa-Studie, aus der er zitierte, könnten  21 Prozent der 18- bis 20jährigen mit "Auschwitz" nichts mehr in Verbindung bringen.

Die Initiative gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit forderte Wachsamkeit gegenüber rechtsextremen Einstellungen. Rassismus, so meinte der Sprecher der Initiative Manfred Forell, sei mitten in der Gesellschaft angekommen.

Für das Evangelische Dekanat erinnerte Berndt Biewendt an die Erklärung der Kirchensynode der EKHN zum Rechtsextremismus. Darin heißt es: „Wir sagen Ja zur Vielfalt unserer Gesellschaft. Wir wollen ohne Angst verschieden sein und sehen daher in den Anderen keine Bedrohung. Diese Vielfalt hat ihren Grund in Gottes Schöpfung und in der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen.“  Wohin eine Ideologie der Ungleichheit und der Ungleichwertigkeit von Menschen führe, auch daran solle der Gedenktag erinnern“, hieß es im Redebeitrag des Evangelischen Dekanats.

Der Gedenktag war 1996 durch Proklamation des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt worden. Am 27. Januar 1945 hatte die Rote Armee die Überlebenden des KZ-Ausschwitz befreit.

 

Text u. Foto: bet