+

26.01.12 Gabriele Wohmann und die Wunschkirche - Schriftstellerin hat "eine gewisse Zuversicht"


Gabriele Wohmann hat im Heppenheimer Haus der Kirche für großen Besucherandrang gesorgt. Unter dem Motto „Was heißt es für mich, evangelisch zu sein?“ las die Schriftstellerin erstmals aus ihrem im Januar erschienenen Buch „Eine gewisse Zuversicht“, in dem sie sich – wie es im Untertitel heißt – „Gedanken zum Diesseits, Jenseits und dem lieben Gott“ macht.

Selbst wer mit ihrem Werk gut vertraut ist, erlebte an diesem Abend Gabriele Wohmann von einer neuen, unerwarteten Seite. Ihr neues Buch besteht aus religiösen und sehr persönlichen Essays mit familiengeschichtlichen Bezügen. Die 79jährige stammt aus einer Pfarrersfamilie. Im Eingangskapitel porträtiert sie den  „Vater meines Vaters“. Gemeint ist ihr Großvater Johannes Guyot, der erste Pfarrer der Heppenheimer Heilig-Geist-Gemeinde und Gründer des Hessischen Diakonievereins.

„Seine Schwestern tragen nicht wie die Diakonissen knöchellange Röcke und beinahe nonnenähnliche Hauben, ihre Schwesterntracht ist viel moderner, ihre Röcke sind kürzer, und sie dürfen heiraten, Familie haben,“ berichtet Gabriele Wohmann. Nach dem Tod ihres Großvaters stand ihr Vater, Pfarrer Paul Daniel Guyot,  über 40 Jahre an der Spitze des Hessischen Diakonievereins. Über diese beiden Männer, heißt es in dem Buch, aus dem Gabriele Wohmann mit fester, etwas rauchiger Stimme vorträgt: „Sie waren Pioniere, mein Großvater und mein Vater, erste Feministen!“

Die Lesung war der Abschluss der Ausstellung „Was heißt es für mich evangelisch zu sein?“, die zum letzten Mal im Haus der Kirche zu sehen war. „Wir hatten im vergangenen Jahr ganz unterschiedliche Menschen aus allen Gemeinden im Dekanat Bergstraße gefragt – Alte und Junge, Männer und Frauen, Überzeugte ebenso wie Fragende und Zweifelnde: Was prägt meinen Glauben? Worauf baue ich? Was ist mir wichtig? Warum bin ich Mitglied der evangelischen Kirche? Ganz ähnlichen Fragen geht Gabriele Wohmann in ihrem neuen Buch nach“, betonte Dekanin Ulrike Scherf.

Etwa wenn die Schriftstellerin über ihre persönliche Wunschkirche nachdenkt und für eine „trendresistente“ evangelische Kirche plädiert: „Mein Wunschpfarrer lässt sich vom Massenandrang bei Kirchentagen nicht täuschen, überfüllte Kirchen bei Motorrad-, Rave- und Techno-Gottesdiensten reizen ihn nicht zur Nachahmung, er gründet keine Deeskalationswiderstandsgruppe – er gibt die frohe Botschaft weiter“.

Gabriele Wohmann, die nach der Lesung zahlreiche Signierwünsche erfüllte, sagt von sich selbst, sie habe eine kindliche, irdische Vorstellung vom Himmelreich mit ganz alltäglichen und konkreten Genüssen. Dazu gehöre unter anderem der Geschmack von Vanille-Eis. Zum Abschluss lud das Evangelische Dekanat die Schriftstellerin und alle Gäste der Lesung zu einem himmlischen Vergnügen ein – zu Vanille-Eis mit selbst gemachter Himbeersauce.


Text u. Foto: bet