09.01.12 "Gemeinschaft statt Isolation" - Eine Gruppe für Blinde und Sehende


Die Regionalgruppe der Evangelischen Sehbehinderten-und Blindenseelsorge im Dekanat Bergstraße dient blinden oder sehbehinderten Menschen als Kontakt- und Anlaufstelle. Doch die Gruppe ist inzwischen auch für Ehepaare immer wichtiger geworden, bei denen der eine Partner blind, der andere sehend ist.

Heidi Baumeister aus Birkenau begleitet ihren Mann, der vor sieben Jahren erblindete, zu den Gruppentreffen. Die sind für sie, die Sehende, inzwischen genauso wichtig, wie für ihren blinden Mann „Sonst käme ich ja gar nicht mehr raus und unter die Leute“, sagt die 69jährige. Sie nimmt mit ihrem Mann auch an Ausflügen und Freizeiten teil, die die Evangelische Blindenseelsorge organisiert. Beide müssen aber stets jemanden finden, der sich mit dem Auto zu den Treffen bringt. „Selbst schuld sagt Heinz Baumeister zu seiner Frau: ‚Du hattest Dich ja geweigert, einen Führerschein zu machen und mir nutzt er jetzt nichts mehr‘“, sagt der 74jährige, der seinen Humor nicht verloren hat.

Auch bei dem Ehepaar Kellner aus Absteinach, das seit mehr als zehn Jahren zu den Gruppentreffen kommt,  ist der Mann erblindet. Doch auch für die Ehefrau ist die Gruppe von großer Bedeutung. „Gemeinschaft haben und vor allem sich mit anderen Betroffenen austauschen zu können, das schätze ich am meisten“ betont Lina Kellner. Das ist bei dem Ehepaar Frei aus Nieder-Liebersbach ganz ähnlich. „Es gibt so viel Traurigkeit im Leben“, sagte Helmut Frei „Da muss man jeden Moment schätzen, in dem man lachen kann. Das ist in der lockeren Gemeinschaft der Blindengruppe möglich.“

Die Gruppe trifft sich immer am dritten Mittwoch des Monats. Darüber hinaus gibt es gemeinsame Ausflüge und mehrtägige Freizeiten, die für einige die Höhepunkte des Jahres bedeuten. „Das Schöne ist, dass man dabei die Menschen näher kennen lernt“, sagen Franz und Irene Wiemann aus Birkenau.

Geleitet wird die Gruppe von Herbert Willausch. Der erblindete 82jährige ist stolz darauf, dass die Gemeinschaft nicht nur über die Jahre stabil geblieben sei, sondern weiteren Zulauf bekommen habe. „Mein Hauptanliegen ist es, blinde Menschen vor der Isolation zu bewahren. Wer Gruppenerfahrung macht, vereinsamt nicht so schnell“. Das bestätigt seine Ehefrau Ute Willausch: „Die Mitglieder der Gruppe bleiben auch außerhalb der Treffen in Kontakt. Sie telefonieren miteinander, verabreden sich, besuchen sich gegenseitig etwa zu Geburtstagen oder gehen gemeinsam einkaufen.“

„Gemeinschaft ermöglichen – das ist das Ziel“, sagt Gerhard Christ, der hauptamtlich für die Evangelische Sehbehinderten- und Blindenseelsorge tätig ist. Doch immer wieder machen die Aktiven die Erfahrung, dass andere Blinde oder Sehbehinderte nichts von der Existenz der Gruppe wissen und auch längst nicht jeder Augenarzt darauf aufmerksam macht. Laut Statistik kommen auf 1.000 Einwohner  durchschnittlich 15 Menschen, die blind oder sehbehindert sind.

Kontakt:
Ehepaar Willausch
Rimbach
Tel.: 06253 / 84216.

 


Foto: die Regionalgruppe in Rimbach
Text u. Foto: bet