16.12.11 Weihnachten im Krankenhaus - Klinikseelsorge an den Festtagen


Wer kann, der geht, heißt es überall in den Krankenhäusern. Etliche Patienten werden über die Weihnachtstage beurlaubt, damit sie das Fest zu Hause im Kreis ihrer Familie feiern können. Doch was bedeutet Weihnachten im Krankenhaus für diejenigen, die bleiben müssen? Wir haben nachgefragt bei der Klinikseelsorge im Kreiskrankenhaus Bergstraße.

Nach den Erfahrungen von Pfarrerin Silke Bienhaus sind Patienten, die Weihnachten im Krankenhaus verbringen, nicht vorrangig traurig oder gar depressiv gestimmt. Im Gegenteil: „Es gibt wunderbare Momente auf den Stationen, aber auch bei den Gottesdiensten. Viele Patienten werden Heilig-Abend von Familienangehörigen zum ökumenischen Gottesdienst begleitet. Es sind aber auch Gottesdienstbesucher dabei, die aus Verbundenheit mit dem Krankenhaus kommen“, betont Pfarrerin Bienhaus.

Von einer besonderen Atmosphäre berichtet auch ihre Kollegin von der evangelischen Krankenhausseelsorge, Pfarrerin Steffi Beckmann: „Alle, die über Weihnachten im Krankenhaus tätig sind, versuchen es den Patienten besonders schön zu machen. Das reicht von den Ärzten über die Pflegekräfte bis hin zur Küche, die über die Weihnachtstage für ein besonderes Festessen sorgt.“

Dem pflichtet auch Dr. Bernhard Deister von der katholischen Klinikseelsorge bei. Weihnachten seien viele Patienten innerlich berührt. “Das liegt zum einen daran, dass sie mehr Besuch bekommen als sonst und zum anderen schafft vielleicht auch die sonst nicht übliche Stille im Krankenhaus einer besondere Atmosphäre“. Ostern seien dagegen viele Patienten allein deshalb trauriger gestimmt,  weil ihre Angehörigen oft im Urlaub sind und sie deshalb keinen Besuch bekommen.

Derzeit plant das Kreiskrankenhaus eine Station über die Weihnachtstage komplett zu schließen.  Doch mit der Stille kann es abrupt wieder vorbei sein. Die Klinik ist für die Notaufnahme im Landkreis Bergstraße zuständig, so dass es auf den Stationen schnell wieder deutlich lebhafter zugehen kann.

Auf Patienten, die traurig gestimmt sind, treffen die Klinikseelsorger weniger über die Weihnachtstage als vielmehr in der Vorweihnachtszeit. „Einige malen sich dann aus, wie schrecklich es sei, Weihnachten im Krankenhaus sein zu müssen. Doch dann zeigt sich, dass ihre Befürchtungen nicht eintreten“, sagt Pfarrerin Beckmann. In Einzelfällen lassen sich Patienten auch bewusst vor Weihnachten in die Klinik einweisen, berichtet Dr. Bernhard Deister. „Sie wissen, dass sie Weihnachten im Krankenhaus nicht allein sein werden.“  Weihnachten im Krankenhaus hat die Klinikseelsorge aber auch immer wieder mit Menschen zu tun, die einen schweren Verlust verkraften müssen.  „Wenn Weihnachten ein Mensch stirbt, ist dieser Tag für die Angehörigen mit Tod verbunden“, betont Pfarrerin Bienhaus, die Heilig-Abend schon zu einer Sterbebegleitung gerufen wurde.

Im Kreiskrankenhaus Bergstraße sorgt ein Projektchor dafür, dass Weihnachten auch zu hören ist. Er probt jedes Jahr ab Oktober für den „exklusiven“ Auftritt im Kreiskrankenhaus zur Patientenadventsfeier.

Zu den Gottesdiensten in der Klinik-Kapelle  sind auch Gäste willkommen. Heilig-Abend beginnt der ökumenische Gottesdienst um 14.30 Uhr. Am 1. Weihnachtsfeiertag wird um 10.00 Uhr ein evangelischer und am 2. Weihnachtstag ebenfalls um 10.00 Uhr ein katholischer Gottesdienst gefeiert.

 

Foto von links n. rechts: Pfarrerin Silke Bienhaus, Pastoralreferent Dr. Bernhard Deister, Pfarrerin Steffi Beckmann
Text u. Foto: bet