02.11.11 "Was heißt es für mich, evangelisch zu sein? - Ausstellungseröffnung mit Texten und Musik zu O-Tönen


Was heißt es für mich evangelisch zu sein? Das konnten die zahlreich erschienenen Besucher zur Neueröffnung der gleichnamigen Ausstellung nicht nur auf den großformatigen Plakaten lesen, sondern auch hören.

Bei den Interviews mit Menschen aus allen 34 evangelischen Kirchengemeinden im Dekanat Bergstraße waren auch Tonaufnahmen entstanden. Sie wurden auszugsweise bei der Vernissage im voll besetzten Haus der Kirche in Heppenheim eingespielt.

Zu den Original-Tönen wurden Texte gelesen, die inhaltlich im Zusammenhang mit den Interviewpassagen stehen. So sagte Doris Keuntje aus Mörlenbach, die sich für die Tafel in  Rimbach engagiert: „Es ist für mich wichtig, die Menschen nicht spüren zu lassen, dass sie in einer Notsituation sind“. Dazu wurde eine Passage aus einer Predigt von Margot Käßmann zitiert, in der es heißt: „Nichts ist gut. Erschrecken ist angesagt, wenn es in einer Gemeinschaft so schwer, so beschämend ist, Hilfe anzunehmen bei Jungen und Alten, bei Armen, Kranken und Behinderten. Da braucht es einen tatkräftigen Glauben, der für die Würde jedes Menschen eintritt.“  Diese Passage stammt aus der Käßmann-Predigt in der Dresdner Frauenkirche, die vor fast zwei Jahren für heftige politische Debatten sorgte durch den viel zitierten Satz: „Nichts ist gut in Afghanistan!“

Im Original-Ton zu hören war auch Udo Marker aus Gorxheimertal mit der Aussage: „Die Heppenheimer Erklärung ist ein Weg schwachen Menschen zu helfen“. Dazu wurden Passagen aus der vom Evangelischen Dekanat und den Katholischen Dekanaten im Oktober 2010 gemeinsam verabschiedeten Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung vorgelesen.

Margrit Hechler aus Schwanheim betonte in dem Interview, dass sie in ihrem „Glauben auch zweifeln darf, dass Glauben beten, singen und lachen“ bedeuten kann. Im Anschluss wurde eine Passage aus Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ zitiert, in der es heißt: „Der Teufel ist die Anmaßung des Geistes, der Glaube ohne ein Lachen, die Wahrheit, die niemals vom Zweifel erfasst wird.“

Zu Wort kam auch der Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger aus Rimbach, der von sich sagt, dass er in gewisser Hinsicht auch ein Protestsänger sei. Im Anschluss wurde sein Lied „Bitte freilassen“ gespielt- ein Protest gegen Sonntagsarbeit und ein Plädoyer für den freien Sonntag.

Musik hat für den Glauben von José Rodriguez eine große Bedeutung. Das stellte er mit seinem Gospel-Chor „Light of Hope“ eindrücklich live unter Beweis. Von den Liedern des Gospel-Chores, der den Abend musikalisch gestaltete, waren die Ausstellungsbesucher hingerissen. Es gab lautstarken Applaus.

Dekanin Ulrike Scherf sagte, dass die Ausstellung bewusst mit der bevorstehenden Eröffnung der Eintrittsstelle im Haus der Kirche gekoppelt wurde. „Wer hier bei uns in die evangelische Kirche eintreten möchte, kann an den Plakaten sehen,  wie vielfältig und lebendig unserer Kirche ist“. Die Interviewten seien bei aller Unterschiedlichkeit „Sympathieträger“ für die evangelische Kirche. Erfreut zeigte sie sich auch darüber, dass die Evangelische Kirche in Deutschland das Interviewprojekt als Projekt des Monats Oktober ausgezeichnet hatte - "ohne dass wir uns dafür beworben haben", so die Dekanin.

Ulrike Scherf kündigte zudem eine weitere Überraschung an. Gegen Ende der Ausstellung, die bis zum 27. Januar zu sehen ist, wird die Schriftstellerin Gabriele Wohmann zu einer Lesung ins Haus der Kirche kommen. Die 79jähirge, die aus einer Pfarrersfamilie stammt, hat familiäre Bindungen an die Bergstraße. Ihr Großvater, Johannes Guillot war Pfarrer der Heppenheimer Heilig-Geist-Gemeinde.  Sie wird am 25. Januar (Beginn 19.00 Uhr) im Haus der Kirche aus ihren Werken lesen unter dem  Motto: „Was heißt es für mich, evangelisch zu sein?“

 

 

 

 

 

 


Zu den Fotos:
1. Foto: ein volles Haus der Kirche bei der Eröffnung des Ausstellung
2. Foto von oben: Dekanin Scherf bei der Lesung „Texte zu O-Tönen“
3. Foto: drei von 36 Interviewten neben ihren Plakaten – von links n. rechts: José Rodriguez, Margrit Hechler, Udo Marker
4. Foto: José Rodriguez – diesmal als Chorleiter
5. Foto: der Gospel-Chor „Light of Hope“ aus Birkenau

Text u. Fotos: bet