19.10.11 "Was heißt es für mich, evangelisch zu sein?" - EKD zeichnet Interviewprojekt aus


Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat das Interviewprojekt des Dekanats Bergstraße „Was heißt es für mich, evangelisch zu sein?“ als Projekt des Monats Oktober ausgewählt. Es wurde zugleich in die Reihe „Beispiele guter Praxis“ aufgenommen.

Rat, Kirchenkonferenz und Synode der EKD hatten 2007 eine Steuerungsgruppe eingerichtet. Sie soll den Reformprozess der evangelischen Kirche fördern und begleiten. Unter anderem wählt die Steuerungsgruppe jeden Monat zehn Projekte aus, die als „Beispiele guter Praxis“ zur Nachahmung dienen. Entscheidend für die Auswahl ist nach Angaben der Steuerungsgruppe,  dass die Angebote offen und einladend, innovativ und übertragbar sind. Eines der zehn Projekte erhält die besondere Auszeichnung „Projekt des Monats“. Im Oktober fiel die Wahl auf das Interviewprojekt. „Was heißt es für mich, evangelisch zu sein?“

Zur Begründung führt  die Steuerungsgruppe die – so wörtlich – „innovative, missionarische und reformerische Idee des Projekts“ an. Weiter heißt es auf der Internetplattform „Kirche im Aufbruch“:

„Gemeindeglieder werden ermuntert, über ihren Glauben zu reflektieren und Auskunft zu geben. Da Menschen aus der Region befragt werden und die Ausstellung im Kirchenbezirk gezeigt wird, bekommt Glaube ein lokales Gesicht. Bei der Auswahl der Interviewpartner haben die Organisatoren darauf geachtet, dass alle Altersgruppen und sozialen Schichten sowie Männer und Frauen gleichermaßen berücksichtigt sind.“

In der Begründung wird besonders hervorgehoben, dass die Antworten auf die Interviewfrage insgesamt sehr vielfältig seien. Für viele spiele die Freiheit in der evangelischen Kirche eine maßgebliche Rolle. Als Beispiele werden Interviewpassagen der Konfirmandin Kim Keller aus Viernheim und der Sozialarbeiterin Elke Schulze aus Seeheim zitiert:

„So antwortete die Konfirmandin: ‚In der evangelischen Kirche ist der Glaube nicht so gezwungen. Ohne Zweifel kann es eigentlich auch keinen Glauben geben. (...) Als wir das Glaubensbekenntnis durchnahmen, fand ich es eher langweilig. Viel interessanter war es, als wir die einzelnen Passagen mit eigenen Worten wiedergaben und wir sagen konnten, was wir davon halten. Wichtig ist mir, dass wir im Konfirmandenunterricht frei sind. Wir haben einfach unsere eigene Meinung‘.
Fast scheint es, als würde die ebenfalls interviewte Sozialarbeiterin ihr antworten: ‚Ich bin skeptisch, wenn mir ein Geistlicher sagt: Gott will dieses oder jenes. Woher weiß er, was Gottes Wille ist? Was wahr ist und was nicht, darüber müssen wir immer neu und immer wieder diskutieren. Wir brauchen Gespräche über den Glauben in der Gemeinschaft. Weil ich mir meinen Glauben nicht vorschreiben lasse, bin ich tolerant und gestehe auch anderen die Freiheit zu, anders zu glauben als ich. Ich meine das nicht im Sinne einer Patchwork-Religiosität, bei der sich jede und jeder das für sich Passende heraussucht. Dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist, ist für mich nicht verhandelbar‘.

Mitglieder der von der EKD eingerichteten Steuerungsgruppe sind:

Präsidentin Brigitte Andrae (Kirchenkonferenz), Dr. Peter Barrenstein (Synode), Vizepräses Petra Bosse-Huber (Kirchenkonferenz) , Landesbischof Dr. Ulrich Fischer (Rat), Synodenpräsidentin Margit Fleckenstein (Synode), Präses Katrin Göring-Eckardt (Synode), Dr. Johann Daniel Noltenius (Kirchenkonferenz), Dr. Karl-Heinrich Schäfer (Synode), Präses Nikolaus Schneider (Rat), Direktorin Marlehn Thieme (Rat), Bischof Gerhard Ulrich (Kirchenkonferenz), Professor Gesine Weinmiller (Rat)

Das Projekt des Monats finden Sie auf diesen Internet-Seiten:

http://www.kirche-im-aufbruch.ekd.de/praxis/projekt_des_monats_archiv/18933.html

http://www.ekd.de/aktuell/78623.html

Die Plakatausstellung "Was heißt es für mich, evangelisch zu sein?" wird am Dienstag, den 1. November im Heppenheimer Haus der Kirche (Ludwigstr. 13) wieder eröffnet. Dabei werden auch Original-Töne der Interviewpartner/innen zu hören sein. Zu der Ausstellung ist eine Broschüre und eine CD erschienen. Sie werden gegen eine Spende von fünf Euro (Broschüre) bzw. drei Euro (CD) abgegeben. Kontakt:
E-Mail:  oeffentlichkeitsarbeit@haus-der-kirche.de Tel.: 06252/6733-31

Graphik: EKD-Logo zum Projekt des Monats
Text: bet