17.09.11 Veranstaltungsreihe Armut -  „Die Schere zwischen Arm und Reich“


Wie Arbeitnehmer selbstverantwortlich mit ihren Fähigkeiten umgehen, um beispielsweise im Falle von Arbeitslosigkeitwieder Arbeit zu finden und was Arbeitgeber dazu tun können, war die Ausgangsfrage am Anfang des zweiten Abends in der Reihe „Armut als Herausforderung von Wirtschaft und Kirche“ im Haus der Kirche. Eingeladen hatten das Evangelische Dekanat Bergstraße  und die Industrie- und Handelskammer. Im Laufe der Veranstaltung kristallisierte sich allerdings eine Diskussion um Wissen und Bildung heraus.Die Unterschiede von Faktenwissen und Orientierungswissen und die gegenseitige Ergänzung von Bildung und Wissen waren ein wesentlicher Bestandteil der Diskussion.

Evangelische Erwachsenenbildung gebe in hohem Maße Orientierungswissen weiter, so die Referentin Heike Wilsdorf. Die Pfarrerin, die im Zentrum Bildung den Fachbereich Erwachsenen- und Familienbildung leitet, nannte die Fragen dazu: „Wie orientiere ich mich?“ und “Wie kann ich etwas beurteilen?“

Was die Steigerung des Wissens im Lesezeitungsprojekt des Bergsträßer Anzeiger (BA) bewirke, zeigte Referent Karl-Heinz Schlitt, Chefredakteur der Tageszeitung an dem Beispiel einer Auszubildenden: Sie hatte angegeben, durch das regelmäßige Lesen der Tageszeitung mit den Kunden über regionale Ereignisse ins Gespräch zu kommen. Im Projekt „Klasse Azubis“, das in diesem Schuljahr zum dritten Mal startet, hatten zuletzt 70 Azubis aus 13 Unternehmen ein Jahr lang täglich den BA nach Hause geliefert bekommen. Ihr Wissenstand hatte sich verbessert.

Der jeweils eigene Stellenwert von Wissen und Bildung wurde an der Stelle deutlich, an der die Meinungen der Referenten auseinander gingen. Nach Ansicht von Schlitt nimmt der Mensch vor allem über das Lesen Faktenwissen auf. Wilsdorf hielt dagegen, dass außer dem optischen Lernen auch das akustische, haptische und emotionale Lernen seit langem in den Wissenschaften eine Bedeutung habe, also außer dem Lernen über das Sehen, auch das Lernen über das Hören, das Anfassen und das Gefühl eine wichtige Rolle spiele.

Für die beiden Organisatoren des Abends lautet das Fazit: Arbeitgeber müssten  an beidem Interesse haben:  An Azubis und Arbeitnehmern, die ihre Einfluss- und Mitwirkungsmöglichkeiten erkennen und ihre Interessen formulieren , was laut Martin Proba, Regionalbeauftragter der  IHK für den Kreis Bergstraße, sich durch  tägliches Zeitungslesen entwickeln könne - als auch an Evangelischer Erwachsenenbildung, die  Wertmaßstäbe weiter gibt und das Fragen und Beurteilen einübe, so Barbara Köderitz, Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Bergstraße. Beides sind ihrer Ansicht nach Fähigkeiten, die zwar nicht ausschließlich nur im Falle von Arbeitslosigkeit und Armut nötig sind, aber  in diesen Situationen ganz sicher.

Die nächste Veranstaltung in der Reihe "Armut als herausforderung für Wirtschaft und Kirche findet am Mittwoch, 21. September um 19.00 Uhr im Haus der Kirche, Ludwigstr. 13, Heppenheim statt.


Foto: Heike Wilsdorf und Karl-Heinz Schlitt
Text u. Foto: Barbara Köderitz