08.09.11 "Über den Tellerrand geschaut" - Beedenkirchen verabschiedet Pfarrer Hans-Peter Helbig


Nach 18 Jahren verlässt Pfarrer Hans-Peter Helbig die evangelische Kirchengemeinde Beedenkirchen. Am kommenden Sonntag (11. September) wird Dekanin Ulrike Scherf den 64jährigen im Gottesdienst verabschieden.

Als Hans-Peter Helbig 1993 ins Lautertal kam, war er ein Dorfpfarrer, der immer noch Großstadtluft schnupperte.  In Beedenkirchen, der mit heute rund 500 Mitgliedern kleinsten Kirchengemeinde im Dekanat Bergstraße, hatte er eine halbe Stelle als Gemeindepfarrer und in Frankfurt war er zunächst noch als Schulpfarrer in einem Gymnasium tätig. „Es war anfangs für einige enttäuschend, dass ich nicht, wie mein Vorgänger, voll und ganz nur für Beedenkirchen da sein konnte. Doch insgesamt hat die Gemeinde mich sehr freundlich und herzlich angenommen. Sie wollte Altes und Bewährtes bewahren, hat sich aber auch stets Neuem geöffnet“, betont der Pfarrer.

Zu dem Neuen gehörten zum Beispiel thematische Gottesdienste unter dem Motto „Schau mal über den Tellerrand. “ Hans-Peter Helbig, der sich selbst als politisch denkenden Menschen begreift,  griff dabei Themen auf wie „Christ und Politik“, „Gerechtigkeit und Frieden“, Ausländerfeindlichkeit, Rechtsradikalismus oder den Irak-Krieg. Das sorgte mitunter für Zündstoff. Im Anschluss gab es oft Diskussionsrunden im Gemeindehaus.

An den Beedenkirchenern schätzt Pfarrer Helbig, dass sie nicht Glaubensbesonderheiten betonen, sondern eher Offenheit, Geselligkeit und Gemeinschaft über die eigene Konfession hinaus. „Es gibt immer wieder Katholiken, und auch Nichtkirchenmitglieder, die im Mitarbeiterkreis der evangelische Gemeinde aktiv sind“,  lobt Pfarrer Helbig. „Mein Anliegen war es, Kirche nicht nur für uns selbst zu sein, sondern immer auch Kirche im Dienst an den Menschen und im Gespräch mit Anderen.“

Für ihn selbst ist Seelsorge, insbesondere die intensive Begleitung kranker und trauender Menschen, von großer Bedeutung. Seelsorgerlich war er nicht nur in Beedenkirchen tätig, sondern auch in Elmshausen, Lautern und Reichenbach. In den letzten zehn Jahren war er zudem für alle drei evangelischen Kindergärten im Lautertal zuständig.  „Trotz der Arbeitsbelastung habe ich das wegen der kleinen Kinder als sehr beglückend empfunden“ sagt Pfarrer Helbig. Von den Kindern und den Erzieherinnen verabschiedete er sich bereits in einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche Reichenbach am Sonntag, den 4. September.

Beglückend waren für ihn auch die mehrtägigen Seminare mit den Konfirmanden im fränkischen Bruckberg, bei denen die Jugendlichen die Arbeit mit behinderten Menschen kennen lernen. Aus der Patenschaft mit der diakonischen Einrichtung hatte Pfarrer Helbig eine Partnerschaft gemacht.

Weniger erfreulich war für ihn die wachsende Verwaltungsarbeit. Stark gefordert war er auch bei vielen Baumaßnahmen – etwa beim dem Aus- und Umbau der alten Pfarrscheune zum Gemeindehaus, bei der Orgelsanierung, der Außenrenovierung der Kirche oder der jüngsten Energiesanierung des Pfarrhauses. Das ist zum Leidwesen des Pfarrers derzeit nicht mehr bewohnt. Die ganze Pfarrstelle für die pfarramtlich verbundenen Gemeinden Reichenbach und Beedenkirchen ist  ausgeschrieben. „Dass es noch keine Nachfolge für mich gibt, bedrückt mich sehr“, meint der 64jährige, der jetzt als Vakanz-Vertretung in Ober-Ramstadt tätig ist und gern über sein  Pensionierungsalter hinaus als Pfarrer weiterarbeiten möchte.

Seine persönliche Bilanz der 18 Jahre in Beedenkirchen: „Ich habe der Gemeinde einiges abverlangt, aber die Menschen hier haben mich mit großer Herzlichkeit und verständnisvoll mit getragen und ertragen. Ich wünsche ihnen von Herzen, dass bald wieder ein Seelsorger oder eine Seelsorgerin sein Leben mit ihnen teilen wird“.

Am Sonntag, den 11. September wird Pfarrer Helbig in Beedenkirchen offiziell verabschiedet. Der Gottesdienst in der evangelischen Kirche mit anschließendem Empfang beginnt um 14.00 Uhr.

 

Text u. Foto: bet