16.08.11 "Nicht mit Armut abfinden" - Große Resonanz beim Tafelaktionstag


Mit Tafeln für die Tafel, mit Kaffee und Kuchen, mit Liedern und Luftballons, mit Gottesdiensten und Gospels, mit Singen und Suppe haben die evangelischen Kirchengemeinden im Weschnitztal und Überwald den ersten Tafel-Aktionstag auf die Beine gestellt. Damit wollten sie nicht nur die Rimbacher Tafel unterstützen, sondern auch für  Armut in unserer Gesellschaft sensibilisieren.

„Wir löffeln die Suppe gemeinsam aus“ hieß es vielsagend in Mörlenbach. Die Frauen des ökumenischen Singkreises hatten für rund 70 Personen Suppe gekocht. Die Spenden für das Essen gingen an die Rimbacher Tafel. Auch der Präses des Evangelischen Dekanats Bergstraße, Axel Rothermel, löffelte mit. „Was uns Hartz IV eingebrockt hat, müssen wir auslöffeln. Uns geht es nicht um Armenspeisung. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass trotz Wirtschaftsaufschwung weiterhin viele Menschen in Armut leben“, betonte Präses Rothermel. Er warnte davor, sich mit Armut abzufinden und forderte bessere Sozialgesetze gegen Armut und Ausgrenzung.

In der Gemeinde Reisen, die zugleich ihr 50jähriges Bestehen feierte, war die Kollekte des Sonntagsgottesdienstes ebenso für die Tafel bestimmt wie in Rimbach.  Dort hatte die Kirchengemeinde für ihren Gottesdienst den früheren Leiter des Diakonischen Werks Bergstraße und Initiator der Rimbacher Tafel, Hendrik Raekow,  als Interview-Gast eingeladen. Er berichtete über die Entstehung und Entwicklung der Tafel.

Wegen der unsicheren Witterung hatte die Gemeinde Hammelbach ihren traditionellen Picknick-Gottesdienst in die Kirche verlegt und dort im Mittelgang eine lange Tafel mit mitgebrachten Speisen aufgebaut. Eine Gemeinschaft kann teilen, lautete die Botschaft.

Im Gottesdienst in Birkenau befasste sich Pfarrer Dr. Stefan Volkmann mit dem Thema „Geiz“. Im Anschluss lud die Gemeinde freigiebig und geizfrei zu einem Brunch mit Salonmusik in den idyllischen Kirchgarten ein, der sich bei Jung und Alt großer Beliebtheit erfreute.  Organisatorin Dr. Sybille Zierold zählte 35 Besucher im Alter von zwei bis 103 (!!!) Jahren. Der Erlös war ebenfalls für die Tafel in Rimbach bestimmt.

In der Gemeinde Wald-Michelbach machte Pfarrer Ulrich Halbleib „Unser täglich Brot“ zum Thema seiner Predigt. Heide Haneke, die sich ehrenamtlich für die Tafel  engagiert, berichtete über die Arbeit der Rimbacher Verkaufsstelle. An dem Familiengottesdienst nahmen viele Kinder teil. Ihnen wurde besonders anschaulich geschildert, wie Armut zur Ausgrenzung von Kindern führt. Das Motto des Tafel-Aktionstages  in Wald-Michelbach lautete: „Alle (ob arm oder reich) leben unter einem Himmel“. Passend dazu ließen die Kinder bunte Luftballons steigen.

Den längsten Kuchen im Weschnitztal gab es auf dem Marktplatz in Fürth. „Tafeln für die Tafel“ lautete das Motto. Dazu wurden ca. 40 verschiedene Blechkuchen angeboten, darunter – was die Organisatoren besonders freute – fünf Kuchen vom türkisch-islamischen Kulturverein. Die Tische waren symbolisch in T-Form aufgestellt worden, an denen sich rund 200 Gäste einfanden. Als ehrenamtliche Mitarbeiter informierte das Ehepaar Raum an einem Info-Stand über die Tafelarbeit.

Zum Abschluss des Tafelaktionstages hatte die Evangelische Kirchengemeinde Zotzenbach zur Tafel-Musik in ihre Kirche eingeladen.  Der Evangelische Kirchenchor, der Sängerbund Zotzenbach, die Jugendmusikschule und Solisten begeisterten die gut gefüllte Kirche mit geistlichen Liedern, Opernmelodien, Orgelstücken und "Melodien zum Verlieben".

„Der Tafel-Aktionstag ist auf breite Resonanz gestoßen. Wir freuen uns, dass insgesamt weit über 1000 Menschen zu den Veranstaltungen gekommen sind“, sagte Dekanin Ulrike Scherf. Die beteiligten evangelischen Kirchengemeinden arbeiten seit längerem in der so genannten Tafel-Runde zusammen. Das gemeinsame Engagement gegen Armut und Ausgrenzung wurde mit dem Aktionstag erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

 

Foto (Petra Zeller): Tafelkonzert in Zotzenbach
Text: bet