05.08.11 Neuer Ausbildungskurs Besuchsdienst - Zeit haben für Alte und Kranke


Endlich mal ein Mensch, der Zeit für mich hat!“, sagt die 82-jährige alte Dame. Sie hat sich gefreut auf einem Menschen, der ihr zuhört, dem sie aus ihrem Leben erzählen kann und der auch da bleibt, wenn sie von ihren Sorgen und Ängsten spricht. „Die Besuche bringen Farbe in mein Leben.“ sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin. Sie hat die alte Dame durch den Besuchsdienst der Kirchengemeinde kennengelernt.

Gerade von der Kirche wird erwartet, dass sie sich um ihre alt und krank gewordenen Mitglieder kümmert. Denn wenn das Ende des Lebens in den Blick kommt, brechen oftmals religiöse Fragen auf. Kranke haben plötzlich Zeit zum Nachdenken und kommen zur Besinnung. Da wird zum Beispiel die Bilanz des Lebens gezogen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird gestellt. Klagen über Krankheit und Schmerzen werden laut. Nicht jeder Besucher fühlt sich dieser Aufgabe gewachsen.

Darum bietet das evangelische Dekanat Bergstraße jedes Jahr eine Ausbildung in Besuchs-Seelsorge an. Am 29. 10. beginnt ein neuer Kurs für den Bereich Lindenfels, Weschnitztal und Überwald. Das Angebot richtet sich an Menschen, die lernen wollen, mit alten, kranken und gesunden Menschen seelsorgliche Gespräche zu führen. Langjährige Mitarbeiterinnen im Besuchsdienst sind ebenso willkommen, wie unerfahrene Einsteiger in diese Arbeit. Auch die Frage „Bin ich dafür geeignet?“ wird geklärt.

Wer bereit ist, anderen Menschen zu begegnen, wer in einer Gruppe lernen möchte, wer auch für religiöse Themen aufgeschlossen ist, und wer etwas Zeit hat, der erfüllt bereits die Voraussetzungen für diesen Kurs.Folgende Themen werden bearbeitet: Gesprächsführung, Umgang mit Demenz, Wahrnehmen von Distanz und Einlassen auf Nähe, Umgang mit Alter Krankheit und Tod und die Bedeutung des christlichen Glaubens dabei, Beten und Segnen. Das Thema Sterbebegleitung wird nur gestreift. Wer sich dafür interessiert, möge sich an den Hospizdienst wenden, der eine fundierte Ausbildung anbietet.

Ziel der Ausbildung ist es, mitzumachen im ehrenamtlichen Besuchsdienst in einer evangelischen Kirchengemeinde, Wir suchen dabei die Zusammenarbeit mit Altenheimen, Krankenhäusern, Sozialstationen, Hospizdiensten, der katholischen Kirche und allen Organisationen in unserer Region, die sich um alte, einsame, kranke und behinderte Menschen bemühen.

Jeder Mensch wird, wenn es gut geht, einmal alt werden. Die meisten Menschen wünschen sich für ihr Alter nicht nur, dass sie nicht nur medizinisch gut versorgt werden, sondern vor allem, dass sie im Kreise ihrer Verwandten oder Freunde leben können. Aber nicht immer geht dieser Wunsch in Erfüllung. Durch Krankheit, Tod oder Umzug manchmal auch durch einen ungelösten Konflikt oder  andere Lebensumstände können Familien, wie auch Freundeskreise getrennt werden. Dann wünschen sich die meisten, dass wenigstens irgendein Mensch uns noch zu ihnen hält, auf sie achtet, irgendeiner, mit dem sie Freud und Leid teilen können.

Das Evangelische Dekanat sieht im Besuchsdienst eine soziale und seelsorgliche Aufgabe unserer Zeit, die noch viele Jahrzehnte notwendig sein wird. Der Kurs umfasst insgesamt 50 Stunden, verteilt auf 13 Kursabende und zwei Samstage. Er endet mit einem Gottesdienst am 6. 3. 2012. Die Kursabende finden immer montags von 18.30 Uhr bis 21.30 Uhr im evangelischen Gemeinderaum in Grasellenbach statt. In der Advents- und Weihnachtszeit ist Pause.

In der zweiten Hälfte des Kurses werden die Teilnehmer praktische Erfahrungen in einem Altenheim, Krankenhaus, oder in einer evangelischen Kirchengemeinde machen und dann an den Kursabenden darüber sprechen.

Für Referenten und Materialkosten wird pro Teilnehmer ein Betrag von  € 50,- erhoben. Die Leitung hat Ulrich Halbleib, Pfarrer und Altenheimseelsorger in Wald-Michelbach. Fachkundige ReferentInnen sind angefragt.

Für weitere Informationen können sich Interessierte an  Pfarrer Halbleib, Tel: 06207 606727 E-mail: u.halbleib@hotmail.de wenden.

 

Text: U. Halbleib