31.07.11 Literarisches Sonntags-Café - Für den freien Sonntag und gegen den Sonntags-Kommerz


Mit einer leicht abgewandelten Szene aus Goethes „Faust“(Foto mitte) ist im Heppenheimer Haus der Kirche das literarische Sonntags-Cafè eröffnet worden. Bei Kaffee und Kuchen lasen Mitarbeitende des Evangelischen Dekanats Bergstraße Texte aus verschiedenen Jahrhunderten, die sich mit der Bedeutung des freien Sonntags auseinandersetzen. Immer wieder sonntags und immer wieder um den Sonntag ging es zwischendurch auch bei musikalischen Einlagen.

Von Bismarck, über Romano Guardini und Erich Kästner bis hin zu Sonntagsumfragen des Allensbacher Instituts für Meinungsforschung reichte die Spannbreite der Texte, die den Sonntag als einen besonderen und schutzwürdigen Tag thematisieren. „Für uns bedeutet der Sonntag die Möglichkeit zur Besinnung, zur Ruhe, zur inneren Einkehr;  für uns bedeutet der Sonntag aber auch – frei von Kommerz - die Möglichkeit zur Gemeinschaft, zum Austausch, zur Begegnung wie jetzt beim Sonntags-Café“, sagte Dekanin Ulrike Scherf bei der Begrüßung der Gäste. Sie erinnerte zugleich daran, dass nach den Sommerferien, der hessische Landtag neu über das Ladenöffnungsgesetz entscheiden werde, das die Grundlage für sonntägliche Ladenöffnungen bilde.

Die Dekanin kritisierte, dass die vom Gesetz geforderten „besonderen Anlässe“ für verkaufsoffenen Sonntage im Kreis Bergstraße in vielen Fällen frei erfunden seien - etwa wenn eine Kommune ein Energiesparfest ausrufe oder die symbolische Verbrennung des Winters zum Anlass nehme, um sonntägliche Ladenöffnung zu ermöglichen, „Das sind für uns keine nachvollziehbaren Gründe für verkaufsoffene Sonntage“, so Dekanin Scherf wörtlich.

Auch die Regelung, wonach in so genannten Ausflugsorten mit „erhöhtem Besucheraufkommen“ die Geschäfte sogar an bis zu 40 Sonntagen öffnen können, lehnt das Evangelische Dekanat als zu pauschal ab. „Es wird nirgends definiert, was ein erhöhtes Besucheraufkommen ist. Sind tausend nötig oder genügend schon 20 auswärtige Besucher, um die Läden öffnen zu können? Eine  Überprüfung ist schlicht und einfach nicht möglich. Und deshalb ist der Willkür beim Sonntags-Shopping in Ausflugsorten Tür und Tor geöffnet“, betonte die Bergsträßer Dekanin. Sie appellierte an die Politiker in Land, Kreis, Städten und Gemeinden den Sonntagsschutz nicht zu gefährden und sehr sorgsam mit sonntäglichen Ladenöffnungen zu verfahren.

Das „literarische Sonntags-Cafe“ war die Abschlussveranstaltung der Sommerbegegnungen im Haus der Kirche, zu denen das Evangelische Dekanat erstmals während der hessischen Sommerferien eingeladen hatte.

 


Foto oben: zahlreiche Gäste im Sonntags-Café
Foto Mitte: Faust verschluckt sich an (s))einer Grete
Foto unten: ein Sonntags-Café für Groß und Klein

Text u. Fotos: bet