21.07.11 "Über den eigenen Kirchturm hinaus" Sommerbegegnung mit Kirchentalk


Zwischen den einzelnen Kirchengemeinden ist in Zukunft eine stärkere Kooperation notwendig. Das ist die einhellige Meinung der Bergsträßer Synodalen, die sich bei einer Podiumsdiskussion  im Rahmen der Sommerbegegnungen im Heppenheimer Haus der Kirche zur Zukunft der evangelischen Gemeinden äußerten.

In dem von Präses Axel Rothermel moderierten „Kirchentalk“ wurde deutlich, dass der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) neben dem Rückgang der Mitglieder vor allem die zu erwartende Pensionierungswelle zu schaffen macht. Nach den Prognosen können ab dem Jahr 2016 viele frei werdende Pfarrstellen nicht mehr besetzt werden. „An einer stärkeren Gemeinde übergreifenden Zusammenarbeit führt gar kein Weg vorbei“, betonte die Mörlenbacher Gemeindepfarrerin und Synodale Edith Unrath-Dörsam. Sie warnte zudem davor, Gemeindepfarrstellen gegen Spezialpfarrstellen etwa in der Klinikseelsorge gegeneinander auszuspielen. Beides sei für die evangelische Kirche gleichermaßen wichtig.

Dass Kooperationen zwischen den Kirchengemeinden nicht einfach seien, räumte Anna Maurer, Kirchensynodale aus Affolterbach, ein. „Jede Gemeinde vor allem in der ländlichen Region will natürlich mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin die Kirche im Dorf behalten“.  Bei Gemeinde übergreifenden Pfarrstellen seien vor Ort viele Widerstände zu überwinden.

Der Synodale Erich Nauth aus Zotzenbach sprach sich dafür aus, Kooperationen nicht allein auf das Pfarramt zu beschränken. „Jede Gemeinde liebt den eigenen Kirchturm. Ein Gemeindeleben kann auf Dauer aber nur aufrecht erhalten werden, wenn es auch eine Zusammenarbeit über den Kirchturm hinaus etwa bei Chören oder anderen Einrichtungen gibt. Dazu brauchen wir ein starkes Dekanat, das diesen Prozess unterstützt.“. Er plädierte zudem dafür, künftig stärker auf die Mitarbeit von Ehrenamtlichen zu setzen.

Auch Theologiestudierende könnten nach Ansicht der Synodalen stärker in die Gemeindearbeit eingebunden werden. Derzeit studieren aus Gemeinden im Dekanat Bergstraße elf junge Menschen evangelische Theologie.

Von allen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat die EKHN derzeit die beste Versorgung mit Gemeindepfarrstellen. Auf eine Pfarrerin oder einen Pfarrer kommen derzeit rund 1900 Gemeindeglieder. In anderen Landeskirchen sind es bis zu dreitausend.

Synodale entsprechen auf politischer Ebene Landtagsabgeordneten. Sie sind gewählte Vertreter im „Kirchenparlament“, der Synode der EKHN. Sie  wird demnächst neu über die so genannte Pfarrstellenbemessung entscheiden. Einig waren sich Synodale wie Zuhörer, dass Pfarrstellen auch künftig so ausgestattet werden müssten, dass dem Pfarrer oder der Pfarrerin Zeit für Seelsorge bleibe. Ein Zuhörer warnte davor, Vakanzen zur Dauereinrichtung werden zu lassen. „Auf lange Sicht werde das kirchliche Leben ohne Pfarrer erlahmen“.

Nach langer kontroverser Diskussion hatte die Kirchensynode entschieden, zum Jahresende die Mitgliederzeitung „Echt“ einzustellen, die alle evangelischen Haushalte bislang viermal im Jahr kostenlos erhalten. Erich Nauth weint „Echt“ keine Träne nach: „Die Zeitung hat das gesteckte Ziel, kirchenferne Gemeindeglieder einzubinden, nicht erreicht“. Als “Echt"-Ersatz werden die evangelischen Gemeindeglieder ab dem nächsten Jahr mehrmals im Jahr Post von der Landeskirche jeweils mit einem Themenschwerpunkt bekommen. „Diese Inhalte sind vernetzt mit Plakataktionen oder Vorlagen für die Gemeindebriefe. Darin liegt ein echter Gewinn und darauf können wir uns freuen, “ meinte Edith-Unrath-Dörsam.

Der Kirchentalk war Teil der Veranstaltungsreihe "Sommerbegegnungen im Haus der Kirche".

Die weiteren Sommerbegegnungen:

Mittwoch, 27. Juli 2011  um 15.00 Uhr
Mit dem Haus der Kirche auf (Rad-)Tour. Vom Haus der Kirche geht es zunächst zur Bergkirche nach Auerbach und von dort zum ökumenischen Abendgebet "Iona meets Lorsch" in der Lorscher Königshalle.

Sonntag,  31. Juli um 15.00 Uhr
Literarisches Sonntags-Café für den freien Sonntag. Bei Kaffee und Kuchen im Haus der Kirche gibt es Sonntaggeschichten,  Sonntagsgedichte,  Sonntagstheater und für Kinder ein eigenes Sonntagsprogramm.

Eine vorherige Anmeldung ist nicht zwingend erforderlich, wäre aber für die Planung hilfreich.
Anmeldungen bei:
Ebba Röhrig
Tel.: 06252 / 6733-20
E-Mail: roehrig@haus-der-kirche.de

 

Foto oben: von links n. rechts: Edith-Unrath-Dörsam, Anna Maurer, Axel Rothermel, Erich Nauth
Text u. Fotos: bet