30.06.11 "Was heißt es für mich, evangelisch zu sein?" - Großer Besucherandrang bei Ausstellungseröffnung


Mit großem Besucherandrang hat das Evangelische Dekanat Bergstraße im Heppenheimer Haus der Kirche die Ausstellung „Was heißt es für mich, evangelisch zu sein?“ eröffnet. Dafür sind Menschen aus allen 34 Kirchengemeinden im Dekanat interviewt worden. Die Antworten sind jeweils mit einem Porträtfoto der Befragten auf großformatigen Plakaten zu lesen.

„In Glaubenssachen wird einem nichts abgenommen – das ist für mich evangelisch. Dies ist zum einen eine Bürde, zum anderen bedeutet es Freiheit. Für mich überwiegt die Freiheit, mitdenken und mitentscheiden zu können“, sagt Katja Folk aus Heppenheim. „Die Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung - das sind klare und eindeutige Worte. Ich finde es richtig, dass die evangelische Kirche Dinge offen anspricht, die nicht in Ordnung sind. Da müssen Christen klare Kante zeigen, “ betont Udo Marker aus Gorxheimertal. Für Elke Schulze aus Seeheim ist das „Priestertum aller Gläubigen“ wichtig: „Ob jemand Theologie studiert hat oder nicht, spielt dafür keine Rolle, jede und jeder kann seine und ihre Fähigkeiten gleichberechtigt einbringen. Das ist für mich evangelisch“.

Pfarrer Martin Reinel von der Kirchenverwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) bezeichnete in seinem Grußwort die Interviews als „persönliche Glaubenszeugnisse“,  die deutlich machten, wie vielfältig die evangelische Kirche sei. Dekanin Ulrike Scherf betonte, dass die Evangelische Kirche in Deutschland 2011 zum Jahr der Taufe erklärt hatte. „Dies und die Planungen für eine Eintrittsstelle im Haus der Kirche, die mit dem neuen Kirchenjahr eröffnet werden soll, waren Anlass, nach unserem Selbstverständnis als evangelischer Christ, als evangelische Christin zu fragen“. Wie die Dekanin weiter berichtete, hat das Interviewprojekt bereits vor  Ausstellungseröffnung über das Bergsträßer Dekanat hinaus Beachtung gefunden. Der Kirchenpräsident der EKHN, Dr. Volker Jung hatte in seiner Rede vor der Kirchensynode über die „Kirche der Freiheit“ gesprochen und dabei beispielhaft aus der Interviewreihe zitiert. Zum einen Margit Hechler aus Bensheim -Schwanheim: „Ich habe die große Freiheit, meinen Glauben auszuleben. Niemand schreibt mir vor, wie ich zu glauben habe.“Zum anderen Thomas Büchner aus Alsbach: „Demokratie und Freiheit gehören für mich ganz wesentlich zu meinem Verständnis von evangelischer Kirche. Ich kenne keine andere Glaubensrichtung, die so demokratisch ist wie der Protestantismus.“

Für viele der Befragten ist die Freiheit, in der evangelischen Kirche mitentscheiden und mitgestalten zu können, von großer Bedeutung. Aber auch Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Gnade und Nächstenliebe spielen eine große Rolle. Ramona Bernhardt aus Auerbach, die in der evangelischen Jugend aktiv ist, sagt zum Beispiel: „Die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit dem Glauben, vor allem mit den Geschichten, die Jesus erzählt hat oder die mit ihm zu tun haben, ändern die Grundeinstellung. Das sorgt dafür, dass man auch immer den Anderen im Blick hat.“

Das evangelische Dekanat betont, dass das Interviewprojekt nicht gegen die katholische Kirche gerichtet sei. Das werde dadurch unterstrichen, dass in der Interviewreihe auch zwei Katholiken zu Wort kommen. Auf die Frage, was sie an der evangelischen Kirche schätzen, betonen beide den Wert der Ökumene. „Ökumene sollten wir alltäglich praktizieren etwa bei dem gemeinsamen Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Ökumenische Gottesdienste empfinde ich als etwas Wunderbares“, sagt der katholische Dekan von Bensheim, Thomas Groß. Thomas Zelinger vom katholischen Pfarrgemeinderat St.Peter in Heppenheim erklärt: „Es ist für mich selbstverständlich, dass sich evangelische und katholische Kirche gemeinsam in der Allianz für den freien Sonntag engagieren. Ich fände es eher befremdlich, wenn wir solche Initiativen nicht ökumenisch angehen würden.“

Die Ausstellung ist bis Mitte August im Heppenheimer Haus der Kirche zu sehen. Die Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr sowie von 13.30 bis 16.30 Uhr. Führungen sind nach Absprache möglich. Der Eintritt ist frei.

 

Foto: Annette Siegel
Text: bet