16.06.11 "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" - Informationsabend zum Thema "Grundeinkommen" im HdK


 „Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?“  hieß der Titel der Veranstaltung  am vergangenen Mittwoch mit dem Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Dr. Benedictus Hardorp (Bildmitte)
20 Gäste erlebten einen informativen Abend, der auch nach Ende noch für rege Diskussionen zum Thema Grundeinkommen sorgte.


„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“  Dieses Pauluswort, das möglicherweise gegen ein Grundeinkommen sprechen könnte,  hatte der Mitorganisator des Abends, Siegfried Schwarzer vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN, eintleitend erläutert. Paulus habe dieses Wort in einer Situation gesagt, in der einige Mitglieder der neu entstandenen Gemeinden der Meinung gewesen seien, sie könnten aufhören zu arbeiten, da nach der Ankündigung Jesu das Ende der Welt nahe sei. Eine Auslegung besagt jedoch weiter, so Schwarzer, dass die Übersetzung korrekter heißen müsse: „Wer nicht arbeiten will, der soll nicht essen.“


Als eine Essenz seines Vortrags resümierte Hardorp, dass man durch den Austausch gegenseitiger Dienstleistungen bereits mit einer Art Grundeinkommen lebe. In den letzten 200 Jahren habe sich die Gesellschaft von der Selbstversorgung zur Dienstleistung entwickelt. „Wir erarbeiten nicht Geld, wir erarbeiten Dienstleistung“, so der Referent. „Denn schließlich essen wir nicht das Geld, das wir erhalten, sondern die Lebensmittel, die andere hergestellt haben.“
Der Aspekt, dass ein Grundeinkommen Menschen, die derzeit von Tranferleistungen leben, ihre Würde zurück geben würde, war dem 80-Jährigen ebenfalls ein dringendes Anliegen.


Stellvertretend für das Haus-der-Kirche Team war Barbara Köderitz Gastgeberin dieses Abends. Die Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Dekanats Bergstraße hatte bereits im letzten Jahr mit einem ökumenischen Team in der Reihe „Forum Arbeit im Gespräch“ dm-Chef Götz Werner, der zusammen mit Hardorp eine Form des Grundeinkommens entwickelt hat, eingeladen.
Ein nächster Themenabend in dieser Reihe findet statt mit einem Referenten, der das Grundeinkommen selbst erlebt hat:
Pfarrer Lorenst Kuzatjike, Gießen, hat in seinem Heimatland Namibia das Pilotprojekt Grundeinkommen begleitet. Jede Person bekam dort monatlich einen bestimmten Betrag. Die Menschen konnten sich damit als Kleinunternehmer betätigen, bespielsweise Hühner kaufen und die Eier verkaufen. Die Kriminalität ging zurück.

Über seine Erfahrungen berichtet Pfarrer Lorenst Kuzatjike in seinem Vortrag
„Zwei Jahre Grundeinkommen – ein Erfolg. Praktische Erfahrungen aus Namibia“
am 14. September 2011 um 19 Uhr

in Birkenau, Katholisches Pfarrheim, Hauptstraße 80

 

Foto: Klaus Vock (v.l. Siegfried Schwarzer, Dr. Benedictus Hardorp, Barbara Köderitz)

Text: Barbara Köderitz