10.06.11 Gottes Liebeserklärung an die Welt - Pfingstandacht des Kirchenpräsidenten


„Wir hören sie in unseren Sprachen von den großen Taten Gottes reden.“ Das ist ein Satz aus der biblischen Pfingstgeschichte. Er stammt von Männern und Frauen, die zusammengekommen waren, um miteinander zu feiern: Das jüdische Wochenfest zu Ehren der Zehn Gebote. Aus allen Herrgottsländern stammen sie. Helle und dunkelfarbige Köpfe, wie heute im Kindergarten einer Großstadt. Ein Sprachgewirr, wie auf einem internationalen Flughafen. Plötzlich ein gewaltiges Brausen. Ein Wunder geschieht. Jeder hört Gottes Wort in der eigenen Sprache. In Silben und Sätzen, die vertraut sind. Mit Bildern und Worten, die hängen bleiben. Gott macht Wind und bewegt die Menschen.

Es waren keine Sprachgenies, die sich damals zum Fest in Jerusalem trafen. Und trotzdem verstanden sie auf einmal, was Gott sagen wollte. Das hat seinen Grund. Gott begeistert die Menschen in ihrer Sprache. Gott wendet sich den Frauen und Männern aus unterschiedlichsten Nationen und Kulturen in ihrer Sprache zu – einem der wertvollsten Dinge, die Menschen haben. Indem Gott die verschiedenen Sprachen achtet, achtet er auch die Unterschiedlichkeit der Menschen.

In einer Welt, die immer verworrener wird, ist es nur allzu verständlich, dass sich Menschen nach einfachen Lösungen sehnen. Wie praktisch wäre es, eine einzige Sprache auf dem Globus zu haben. Aber auch wie eintönig. Wie vorteilhaft wäre es, wenn es nur eine Glaubensrichtung gäbe. Aber auch wie erschreckend engstirnig, weil Gott sich so auch nicht annähernd fassen lässt. Wie einfach wäre es, wenn mein Partner oder meine Kinder immer die gleiche Meinung hätten wie ich. Aber auch langweilig, oder?

In der Pfingstgeschichte geht es nicht um Gleichmacherei. Gott achtet die unterschiedliche Herkunft und Individualität der Menschen. Die Pfingstgeschichte ist damit zugleich eine Absage an alle Versuche, den Herausforderungen der Welt mit einfachen Lösungen beizukommen. Gottes Geist gibt die Kraft, die Vielfalt als Reichtum zu verstehen. Er wirkt, indem er Menschen zusammenführt und auf Christus weist, ohne dass sie ihre Unterschiede verleugnen müssen. Pfingsten ist   so gesehen   eine Liebeserklärung Gottes an die Vielfalt der Menschen.

An Pfingsten macht Gott Wind und bewegt die Menschen. Lassen wir uns von diesem Geist bewegen.

 

Kirchenpräsident Dr. Volker Jung