27.04.11 Gemeinsam für den freien Sonntag - Erklärung zum 1. Mai


Kirchen und Gewerkschaften sollten sich weiter gemeinsam für den Schutz des freien Sonntags einsetzen. Das betonte die Dekanin des Evangelischen Dekanats Bergstraße, Ulrike Scherf, in einer Erklärung zum 1. Mai, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt.

Beim Schutz der Sonntagsruhe verfolgten die Kirchen das gleiche Ziel wie die Gewerkschaften. Es gehe um den Schutz des Sonntags als Tag der Besinnung, der Ruhe und der Begegnung. „Der Sonntag ist der Tag in der Woche, der dem Diktat der Ökonomie und des Konsums entzogen bleiben muss. Er muss um der Menschen willen frei bleiben. Sonst laufen wir Gefahr, zu einer Rund-um-die Uhr-Arbeitsgesellschaft zu werden“, sagte Dekanin Scherf.

Sie erinnerte daran, dass die Sonntagsarbeit und auch die sonntäglichen Ladenöffnungen weiter zugenommen hätten. Für immer mehr Menschen gehöre Sonntagsarbeit inzwischen zur Regel.  „Ich habe Verständnis dafür, dass es vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern lieber wäre, wenn der 1. Mai nicht auf einen Sonntag, sondern auf einen Werktag fallen würde. Doch der sonntägliche 1. Mai bietet in diesem Jahr auch die Chance, darüber nachzudenken, was uns der Sonntag wert ist und was uns verloren geht, wenn es nur noch Werktage gibt“, so die Bergsträßer Dekanin. Dazu gehöre auch, aufeinander Rücksicht zu nehmen und Veranstaltungen nicht in die Hauptzeiten der Sonntagsgottesdienste zu legen. Nach Angaben der Dekanin werden in vielen Gottesdiensten am 1. Mai Sonntagsarbeit und Sonntagsschutz thematisiert.

Als Beispiel eines gelungenen Einsatzes für den freien Sonntag bezeichnete Ulrike Scherf die gemeinsame Aktion der Kirchen mit dem DGB-Kreisverband Bergstraße, dem Sportkreis Bergstraße und der Stadt Heppenheim am 3. März dieses Jahres (Foto). Gemeinsam wurde in Heppenheim an den 1690. Jahrestag des freien Sonntags erinnert. Am 3. März des Jahre 321 hatte der damalige römische Kaiser Konstantin den Sonntag zum arbeitsfreien Tag erklärt. Dieses Datum markiert den Beginn des „staatlichen Sonntagsschutzes“.

Dekanin Scherf machte deutlich, dass der freie Sonntag keine Selbstverständlichkeit sei.  Es habe im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung eine Phase gegeben in der sonntags regulär gearbeitet wurde. Erst durch den gemeinsamen Einsatz von Gewerkschaften und Kirchen sei der Sonntag als freier Tag gesetzlich geschützt worden. „Alle, denen der freie Sonntag wichtig ist, sollten sich auch heute öffentlich zu Wort melden und auf einen konsequenten Sonntagsschutz pochen“, appellierte Dekanin Scherf mit Blick auf das hessische Ladenöffnungsgesetz, das  Ende dieses Jahres auslaufe. Nach der derzeit geltenden Regelung können an bis zur vier Sonntagen pro Jahr und in Kommunen mit besonderem Besucheraufkommen sogar an bis zu 40 Sonntagen die Geschäfte geöffnet werden. Der hessische Landtag muss neu über die sonntägliche Ladenöffnung entscheiden.

 

Foto: Für den freien Sonntag - Dekanin Ulrike Scherf und der katholische Dekan Thomas Groß bei der gemeinsamen Kundgebung mit DGB-Kreisverband Bergstraße, Sportkreis Bergstraße und der Stadt Heppenheim am 3. März 2011 vor der Heppenheimer Heilig-Geist-Kirche
Text u. Foto: bet