26.04.11 Demonstration in Biblis - "Atomenergie ist nicht beherrschbar"


Heute jährt sich der Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 25. Mal. An die Opfer des GAU, des „größten anzunehmenden Unfalls“, erinnerte gestern eine Demonstration in Biblis, an der sich nach Veranstalterangaben rund 15.000 Menschen beteiligten.

Die Demonstration war bereits vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima geplant gewesen. Die Veranstalter hatten damals mit maximal 2.000 Teilnehmern gerechnet.  Die Ereignisse in Japan lösten einen regelrechten Mobilisierungsschub aus. In dem Aufruf zur Demonstration heißt es: „Die Atomkraft war und ist eine tödliche und unbeherrschbare Technologie. Deshalb hier in Biblis als auch andernorts: Sofort abschalten!“

Unter den Demonstranten war auch eine Gruppe aus dem  Evangelischen Dekanat Bergstraße und einigen Nachbardekanaten (Foto oben). Der Umweltpfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Hubert Meisinger hielt auf dem eigens eingerichteten Gräberfeld eine viel beachtete Andacht.  Dort hatten Demonstranten für Holzkreuze errichtet und so der Opfer von Tschernobyl gedacht.

In der Andacht ging Pfarrer Meisinger auch auf die aktuelle Diskussion um die Atomenergie ein. Sein Plädoyer: beim Ausstieg dürften wir uns nicht daran orientieren, was die Nachbarländer machten. Deutschland sollte beim Atomausstieg vielmehr mutig und entschlossen vorangehen und daran könnten sich andere ein Beispiel nehmen.

Für viele Beobachter bemerkenswert war, wie offen und interessiert die mehrfach von Beifall unterbrochene Andacht von den Kundgebungsteilnehmern aufgenommen wurde. Für eine Großdemonstration gegen Atomenergie ebenso außergewöhnlich: Die meisten folgten am Ende der Andacht der Aufforderung des Pfarrers, standen auf und beteten gemeinsam das „Vater unser“.

Der EKHN-Kirchenpräsident, Dr. Volker Jung,  meldete sich zur Demonstration mit einer schriftlichen Erklärung zu Wort. Darin heißt es: „Die Atomenergie ist im letzten nicht beherrschbar. Die ihr innewohnende zerstörerische Kraft übersteigt die Fähigkeit des Menschen zur Verantwortungsübernahme… Niemand ist perfekt. Die Technologien, die wir benutzen, können daher auch nicht perfekt sein. Deshalb müssen sie fehlerfreundlich ausgelegt werden. Mögliche Störfälle dürfen bei keiner Technologie der Welt zu unabsehbaren Katastrophen führen, wie das bei der Atomkraft der Fall ist.“

 

 

 

Foto oben: zweiter von rechts EKHN-Umweltpfarrer  Dr. Hubert Meisinger,  in der Bildmitte mit schwarzem Hemd Pfarrer Wolfang Prawitz (Dek. Groß Gerau und Mitglied der EKHN-Kirchenleitung), rechts vorne die Bergsträßer Dekanin Ulrike Scherf neben Irmgard Wagner vom Dekanatssynodalvorstand Bergstraße
Foto Mitte: mit Holzkreuzen wird an die Opfer von Tschernobyl gedacht
Foto unten: Pfarrer Meisinger während der Andacht

Text u. Foto: bet