07.04.11 Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit - "Der freie Sonntag muss erkämpft werden"


Mit einem Aktionstag am 3. März hatte die Allianz für den freien Sonntag in der Region Starkenburg den 1690. Jahrestag des freien Sonntags gefeiert.  Am 3. März des Jahres 321 hatte der damalige römische Kaiser Konstantin den Sonntag zum arbeitsfreien Tag erklärt. Doch seitdem war der Sonntag nicht immer arbeitsfrei. Darauf hat der Sozialethiker Professor Franz Segbers aufmerksam gemacht.

Der Sonntag war in den vergangenen 1690 Jahren nicht durchgängig ein freier Tag. Mit der Industrialisierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde nach und nach auch der Sonntagsschutz ausgehöhlt. Im Jahr 1854 forderte die Innere Mission in einer Denkschrift die Wiedereinführung des arbeitsfreien Sonntags. Doch bis der Sonntag wieder zu dem wurde, was er einst war, dauerte es noch 37 Jahre.  Erst 1891 trat auf Druck der Gewerkschaften ein Arbeitsschutzgesetz in Kraft, das neben Bestimmungen zum Betriebsschutz und der Arbeitsaufsicht  auch die Sonntagsruhe wieder einführte. Und im Jahre 1900 dann regelte das erste Ladenschlussgesetz in Deutschland dass die Geschäfte sonntags geschlossenen blieben.

Aus dem Kampf um den freien Sonntags im 19. Jahrhundert zieht der Marburger Sozialethiker Franz Segbers für die Auseinandersetzung heute  diesen Schluss:  „Wir brauchen eine gesellschaftliche Bewegung, die dafür sorgt, dass die Sonn- und Feiertage erhalten bleiben. Der freie Sonntag musste erkämpft werden wie der Rechts- und Sozialstaat auch. Erst eine Koalition von Kirchen und Gewerkschaften war stark genug, das Humanum einer freien Zeit als Teil der sozialstaatlichen Entwicklung politisch durchzusetzen… Wenn Kirchen und Gewerkschaften nicht gemeinsam kämpfen, werden sie am Ende beide als Verlierer dastehen.“

Anlass darüber nachzudenken, wie der Sonntag gemeinsam geschützt werden kann, bietet in diesem Jahr unter anderem der 1. Mai. Der Tag der Arbeit  fällt diesmal auf einen Sonntag. Der Kirchliche Dienst der Arbeitswelt (KDA) – eine Arbeitsgemeinschaft in der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) – hat dazu eine Arbeitshilfe mit Materialien für Gottesdienste und Aktionen herausgegeben. Der Titel: „Es bleibet dabei – der Sonntag ist frei“.

Kontakt:
KDA Geschäftsstelle
Blumhardtstr. 2
30625 Hannover
Tel.: 0511 / 55474131

 

Text: bet