25.03.11 Leitbilder sind Hinweisschilder - Ausstellung im Haus der Kirche


Was soll mich leiten und begleiten? Was ist eigentlich das richtige Leitbild für mich? Und brauchen wir überhaupt Leitbilder? Diesen  Fragen geht eine neue Ausstellung im Heppenheimer Haus der Kirche nach, die zur Auseinandersetzung mit verschiedenen Leitbildern anregen will.

Sie wollen einzelnen Menschen und Gruppen den Weg weisen. Dabei nehmen sie persönliche und gemeinsame Ziele in den Blick, deren Erreichen noch aussteht, aber wünschenswert erscheint. Auf diese Ziele hin und von diesen Zielen her versuchen sie in Wort und Bild zu erfassen, was für das gegenwärtige Tun und Lassen von Bedeutung ist. So entsteht die Möglichkeit, allein und gemeinsam mit anderen zu fragen: Was soll mich leiten und begleiten? Was ist eigentlich das richtige Leitbild für mich?

In die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat diese Frage bereits in den 1990er Jahren Einzug gehalten. Es war die Zeit, in der die in ihr engagierten Christinnen und Christen angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen zu formulieren suchten, wie ihre Kirche auch im neuen Jahrtausend zukunftsfähig sein und werden kann. Dabei ging es unter anderem um die Verhältnisbestimmung von >Person und Institution< (1990) und die Sichtung und Zusammenfassung >biblischer Leitbilder< (1996). Es entstanden bis heute wirksame Leitmotive wie >Evangelisch aus gutem Grund< (1995) und das >Facettenkreuz< wurde zum Signet der in unserer Kirche wirksamen unterschiedlichen Tätigkeitsfelder.

Wesentlich für diese und andere kirchliche Leitbilder ist, dass alle Beteiligten um die Differenz zwischen Situation und Vision wissen. Sie soll genutzt werden, um Menschen eine Orientierung in Glaubensfragen zu ermöglichen, um sie zum Engagement in Kirche und Gemeinde zu bewegen und um wesentliche Werte der jüdisch-christlichen Tradition nach außen zu tragen. Kein Wunder also, dass sich auch die, die hier im Haus der Kirche arbeiten, zu Beginn ihrer Tätigkeit im 2006 neu gegründeten Evangelischen Dekanat Bergstraße gefragt haben, welches Leitbild zu ihrer Situation und Vision passt. Und sie entschieden sich 2008 für das Bild vom wechselseitigen Dienen, wie es in 1.Petrus 4, 10 formuliert ist: Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushälter der mancherlei Gnade Gottes.
 
Die hier ausgestellten anderen Leitbilder interpretieren diese biblische Aussage auf unterschiedlichste Weise. Zugleich deuten sie an, wie vielfältig die leitbildgesteuerten, kirchlichen Orientierungsangebote für Einzelne und Gruppen sind: Es gibt Institutionsleitbilder wie das >Jahr der Taufe<, es gibt Rollenleitbilder wie den Brief von Bernhard von Clairvaux >Gönne Dich Dir selbst<, es gibt Programmleitbilder wie die Mottos zur Fastenzeit >Sieben Wochen ohne Ausreden< oder >Eigentlich bin ich ganz anders< und es gibt Handlungsmaximen wie den Text >Was keiner wagt< von Lothar Zenetti oder das Gebot >Du sollst Dich unterbrechen< von Dorothee Sölle.

Welche Leitbilder sind für Sie wichtige und wegweisende Hinweisschilder? Was erhoffen Sie sich von Ihrem Glauben, Ihrer Kirche und Ihren Mitmenschen? Oder brauchen wir Leitbilder überhaupt? Die Ausstellung möchte Ihnen Denkanstoß und Reibungsfläche sein - vielleicht auch Entscheidungshilfe, welche Leitbilder Ihnen dienlich sind und welche Sie aussortieren müssen, damit sie entschlossen und fröhlich Ihres Weges ziehen können!

Die Ausstellung ist werktäglich geöffnet zwischen 9.00 Uhr und 12.00 Uhr sowie zwischen 13.30 und 16.30 Uhr. Führungen nach Absprache.


Text: Pfarrerin Dr. Vera-S. Winkler