19.03.11 "Die Katastrophe in Japan muss Konsequenzen haben" - Resolution der Dekanatssynode


Die Dekanatssynode des Evangelischen Dekanats Bergstraße hat sich für den schnellst möglichen, vollständigen und endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. In der Resolution, die das regionale Kirchenparlament mit großer Mehrheit auf seiner Frühjahrstagung in Bensheim verabschiedete, heißt es wörtlich: „Nicht nur die ältesten – in unserer Region die Reaktoren Biblis A und B – sondern alle Atomreaktoren sollen vom Netz genommen und dauerhaft still gelegt werden.“

Der Vorsitzende der Dekanatssynode, Präses Axel Rothermel, hatte die Resolution mit Billigung der Synodalen kurzfristig auf die Tagesordnung genommen. Darin betont die Bergsträßer Synode: „Unsere Gebete, unsere Gedanken, unser Mitgefühl gelten den Menschen, die ihre Angehörigen, ihr Zuhause, ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben und jetzt die radioaktive Verstrahlung fürchten müssen.“ Die Nutzung der Atomenergie habe unbeherrschbare und tödliche Folgen, heißt es in der Resolution weiter. Was Restrisiko bedeute, das theoretisch nur alle 10.000 Jahre zu einem atomaren Unfall führe, hätte die Menschheit innerhalb von nur 25 Jahren zweimal erleben müssen. Am 28. April 1986 mit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und jetzt in Japan.

Schwerpunkt der Frühjahrstagung der Dekanatssynode war die Partnerschaft mit der Moravian Church in Süd-Tansania. Dr. Jochen Tolk (auf dem Foto links mit Dekanin Scherf und in der Mitte Präses Rothermel), Dekan im Ruhestand in der württembergischen Landeskirche, der jahrelang beruflich in Tansania tätig war, hatte das vom Dekanat Bergstraße unterstützte Hilfsprojekt für die Aids-Waisen intensiv beobachtet und über 50 betroffene Kinder interviewt. Seine zentrale Aussage: Das Projekt läuft erfolgreich und die Unterstützung kommt an. Das Dekanat Bergstraße fördert die Aids-Waisen jedes Jahr mit 14.000 Euro. Es handelt sich um Kinder, die in Pflegefamilien untergebracht sind, weil ihre Eltern an der Immunschwächekrankheit gestorben sind.

Der  frühere Pfarrer für Ökumene und Mission im Evangelischen Dekanat Bergstraße, Dr. Hansjürgen Günther (Foto unten) , war Initiator der Partnerschaft mit der Kirche in Süd-Tansania. Präses Axel Rothermel und Dekanin Ulrike Scherf dankten ihm für seine langjährige Tätigkeit für die Partnerschaft, die er noch im Ruhestand fortsetzte und jetzt offiziell beendete.

Sein Nachfolger, Pfarrer Renatus Keller, kündigte an,  dass im September voraussichtlich eine sechsköpfige Delegation der Moravian Church an die Bergstraße kommen werde. Zugleich berichtete er den Synodalen von einem geplanten großflächigen Uranabbau im Süden Tansanias. Bei Probegrabungen der Investoren aus Australien, Russland  und Kanada sei Uranstaub freigesetzt worden. Dies hätte bereits jetzt schädliche Folgen für die Gesundheit der ortsansässigen Bevölkerung. Mit der Atomkatastrophe in Japan bekomme das umstrittene Vorhaben zusätzliche Brisanz.

In ihrem Bericht an die Synode hob Dekanin Ulrike Scherf insbesondere die Aktivitäten zum Sonntagschutz hervor. Der Sonntag sei für Christen ein Geschenk des Himmels. „An diesem Tag erfahren wir den Wert des Lebens als Geschenk – ganz ohne eigene Leistung“, so die Bergsträßer Dekanin. Vor dem Hintergrund der Ende des Jahres anstehenden Neuregelung des hessischen Ladenöffnungsgesetzes kündigte sie an, dass sich die Kirche auch gegenüber der Politik weiter für den freien Sonntag einsetzen werde.

Die Dekanatssynode befasste sich auch mit der angestrebten Neuregelung der Pfarrstellenbemessung. Nach den Plänen soll das Dekanat bei der Verteilung des Pfarrstellenanteils für die jeweiligen Kirchengemeinden größere Befugnisse erhalten und  dadurch Besonderheiten der einzelnen Gemeinden stärker als bislang berücksichtigen können.  Wie sich das Dekanat Bergstraße bei der geplanten Neuregelung innerhalb der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) positioniert, soll im Sommer auf einer Sondersynode ausführlich diskutiert werden. Darauf hatten sich die Synodalen auf Vorschlag von Präses Rothermel verständigt.

 

Den Wortlaut der Resolution "Die Katastrophe in Japan muss Konsequenzen haben" finden Sie hier

 

Text u. Fotos: bet