10.02.11 Arbeitslosentreff Kompass - Neustart in Mörlenbach


Der Arbeitslosentreff Kompass Weschnitztal-Überwald ist umgezogen. Ab kommenden Montag (14. Februar) trifft sich der Kompass in Mörlenbach in der Evangelischen Kirchengemeinde. Zwei Mal im Monat gibt es dort montags vormittags bei einem kostenlosen Frühstück Information, Beratung und Austausch.

„Es hilft, beim Kaffee zu sitzen und sich zu unterhalten“, sagt Hans-Jürgen Gramlich, einer der Gäste beim Arbeitslosen-Frühstück, das das Team Kompass seit fast zwei Jahren in Wald-Michelbach angeboten hatte. Mehr noch. Was sich so unauffällig anhört, bedeutet gegenseitige Beratung bei Fragen zu Anträgen und Bescheiden, Hilfestellung bei dem Weg zur Tafel nach Rimbach und die Weitergabe von Ideen für den Alltag. Engelbert Renner vom Team Kompass ergänzt auf der Pressekonferenz: „Für manche ist es das einzige Gespräch, was sie innerhalb von 14 Tagen führen“. Renner ist Referent im Katholischen Dekanat Bergstraße Ost.

Regelmäßig referieren Expertinnen und Experten zu aktuellen Themen. Bei Fragen zum ALG-II-Antrag wird ein direkter Kontakt zu den Beratern des Caritasverbandes oder des Diakonischen Werkes hergestellt.  Wie nötig das Treffen für Menschen ohne Erwerbsarbeit ist, auch in Zeiten von statistischen fünf Prozent Arbeitssuchenden im Kreis Bergstraße, fasst Bruno Schumacher vom Team Kompass  in Zahlen:  Im Januar waren im Kreis 7299 Menschen ohne Erwerbsarbeit. Dem gegenüber standen 852 offene Stellen. Arbeitslos gemeldet haben sich im Januar nach den offiziellen Arbeitsmarktzahlen 2117 Menschen. Im monatlichen Schnitt, sagt der katholische Betriebsseelsorger Schumacher, machen 1700 Menschen neu die Erfahrung von Arbeitslosigkeit im Kreis. Prekär sei für die Betroffenen, dass ihre Nachbarn sie fragen würden: „Was, du hast immer noch keine Arbeit, alle reden doch vom Aufschwung?“ Ein Arbeitslosentreffen wie der Kompass sei also nötiger denn je.

„Die Idee von Kompass ist, Menschen nicht auf ihre Arbeitslosigkeit zu reduzieren, sondern sie als mündige Menschen ernst zu nehmen. Dazu gehört es, ihre Begabungen zu sehen, aber ihnen auch einen Ort der Begegnung und des Austauschs zu bieten“, erläutert Frank Meessen vom Team Kompass. Er sehe als Leiter des Katholischen Bildungswerks Bergstraße/Odenwald seine Aufgabe darin, Menschen, die unfreiwillig in eine schwere Lebensphase geraten sind, zu befähigen, mit ihrer Situation gut umzugehen.

Die Motivation für den Umzug des Kompass nach fast zwei Jahren in Wald-Michelbach ergab sich aus der besseren Erreichbarkeit  mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch aus dem ganzen Weschnitztal, der Nähe zur Rimbacher Tafel und der direkten Nachbarschaft zum Jobcenter, erläutert Barbara Köderitz vom Team Kompass. Die Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Bergstraße ist beim Kompass Weschnitztal-Überwald für die Pressearbeit zuständig. Allerdings werde organisiert, dass die bisherigen Teilnehmer – auch die, die kein Auto haben – weiterhin zum Kompass kommen können.

Wesentliche Stütze für die Treffen und jedes Mal dabei ist die Ehrenamtliche Heide Haneke. Die Pensionärin hatte vor zwei Jahren eine Aufgabe gesucht und sie bei Kompass gefunden. Sie kauft für das Frühstück ein und bereitet es vor. „Für mich ist die Arbeit beim Kompass eine wertvolle Erfahrung. Ich lerne viel“, sagt die aktive Wald-Michelbacherin.

Auch Familienfrauen und -männer und Alleinerziehende, die sich mit dem Thema Erwerbsarbeit beschäftigen, sind im Treff willkommen. Für Kinder unter drei Jahren gibt es montags vormittags eine kostenlose Kinderbetreuung in der Katholischen Kirchengemeinde um die Ecke, wie Engelbert Renner berichtet.

Das Team weiß die Unterstützung der politischen wie auch der kirchlichen Gemeinden sehr zu schätzen. Reiner Helferich, Geschäftsbereichsleiter Soziales, Kultur und Sport in Mörlenbach, weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Betroffene beispielsweise mit den Bescheiden überfordert sind. Er würdigte Kompass als wichtigen Baustein im sozialen Netzwerk für das Weschnitztal und den Überwald.
In beiden Kirchengemeinden hatte das Team das Angebot, einen Raum kostenfrei zu nutzen, was nicht selbstverständlich ist. Wegen der Lage im Erdgeschoss hatte sich das Team für die Evangelische Kirchengemeinde entschieden. Eingeladen ist jede und jeder, ganz gleich von wie weit her sie oder er kommt. Weitere Ehrenamtliche sind herzlich willkommen. Flyer liegen in den Rathäusern, Sparkassen, Banken und den Kirchengemeinden der Region aus.

Das aktuelle Kompass-Programm finden Sie hier

Foto von links n. rechts: Dr. Frank Meessen (Katholisches Bildungswerk Bergstraße/Odenwald), Hertalotte Everling (Kirchenvorsteherin Ev. Gemeinde Mörlenbach), Pfarrerin Edith Unrath-Dörsam (Ev. Gemeinde Mörlenbach), Heide Haneke (Team Kompass, Ehrenamtliche), Martin Huber (Diakon katholische Kirchengemeinde), Bruno Schumacher (Team Kompass, Katholische Betriebsseelsorge Bistum), Engelbert Renner (Katholisches Dekanat Bergstraße Ost), Barbara Köderitz (Evangelisches Dekanat Bergstraße), Reiner Helferich (Geschäftsbereichsleiter für Soziales, Kultur und Sport der Gemeinde Mörlenbach).

Text:  bk
Foto: Ev. Dekanat