01.02.11 "Niemand ist so arm, dass er nichts mehr geben kann" - Vorbereitung auf den Weltgebetstag der Frauen


 „Volles Haus“ hatte das Vorbereitungsteam, als es alle aktiven Mitarbeiterinnen der Kirchengemeinden zu einem Tagesseminar nach Rimbach einlud. Sie kamen aus den Gemeinden des Weschnitztals, des Überwaldes und aus Viernheim.

Das Land Chile, seine Geschichte, die Menschen und ihr Vertrauen in Gott waren Anreiz für alle, noch mehr über das Land zu erfahren, aus dem in diesem Jahr die Liturgie für den Weltgebetstag kommt. Die Teilnehmerinnen hatten sich den ganzen Tag reserviert und wurden ausführlich über Land und Leute, Kultur und Alltag informiert. Sie verarbeiteten anschließend in Arbeitsgruppen Fantasie und Ideenreichtum der Frauen aus Chile, mischten sie mit eigenen Vorstellungen ihrer Kirchengemeinden und suchten nach Parallelen im Leben und Glauben der Chilenen und der Deutschen. All dies wollen sie dann am 4. März im Weltgebetstagsgottesdienst in ihren Kirchengemeinden an die Besucher weitergeben.

Es wurden die klimatischen Verhältnisse des Landes Chile, das von Norden nach Süden 4.500 km misst, die Lebensbedingungen und Wertstellung der Frauen, das lockende Lebensziel aller jungen Chilenen in der fast europäisch anmutenden Hauptstadt Santiago und die verheerenden Vulkanausbrüche und Wirbelstürme in großen Teilen des Landes im vergangenen Jahr diskutiert. Breiten Raum nahm die Zuversicht und der Glaube der von Naturkatastrophen heimgesuchten Menschen ein, die nach der Devise leben: heute teile ich das, was ich noch habe, mit anderen – morgen hilft Gott weiter...

Viele Länder der Erde brauchen unsere Hilfe. Trotzdem soll sich am 4. März, dem Weltgebetstag, alles um die Menschen in Chile drehen. Sie zeigen uns mit ihrer Gebetsordnung, wie sie mit Hunger, Armut, Naturkatastrophen und Tod umgehen, und machen uns Vorschläge, wie auch wir in den anderen Teilen der Welt Solidarität neu definieren könnten.

Wie seit Jahren schon bewährte Praxis, fand sich auch bei diesem Treffen sofort wieder eine Gruppe musikalisch begabter Frauen um Gabriele Forrester aus Unter-Schönmattenwag, die den musikalischen Teil des Gottesdienstes mit Liedern in spanischer Sprache und den temperamentvollen Rhythmen dazu übten und auch vortrugen. Der den Leitgedanken des Gottesdienstes zugrunde liegende Bibeltext: „die wunderbare Brotvermehrung“ und die Bibelstelle in den Königen: „Elija bittet eine arme Witwe um Wasser und Brot“ wurde in einzelnen Gruppen so spannend interpretiert, dass am Ende der Tagung bei einer „Generalprobe“ eines Weltgebetstagsgottesdienst jede Teilnehmerin aus einem großen Angebot ansprechender Ideen für den eigenen Gottesdienst schöpfen konnte. Wie ein roter Faden ziehen sich die Fragen und Antworten der Chileninnen durch das von ihnen erarbeitete Konzept: Wie viele Brote hast Du? Was kannst Du teilen? Und - Niemand ist so arm, dass er nichts mehr geben kann, und niemand ist so reich, dass er nichts mehr annehmen kann.

Sehr schnell wurde klar: die Einstellung jedes Einzelnen zu Solidarität, zum „Füreinander-Einstehen“ und zum „Teilen-bis-es-wehtut“ bleibt oft auf der Strecke. Sie ist deshalb immer wieder Thema des Gottesdienstes und soll damit neu belebt werden. Für die Mittagsverpflegung mit einer Suppenauswahl, zubereitet von Frauen des Evangelischen Frauenkreises Rimbach und dem obligatorischen Kaffee mit Blechkuchen am Nachmittag, bedankten sich die Teilnehmerinnen bei den beiden Helferinnen in der Küche, Ina Vock und Medy Matthäi ganz herzlich, die den Dank an die Spenderinnen weiterleiteten.

Renate Drevensek, die dieses Seminar begleitete, ist verantwortlich für den Arbeitsbereich Frauen, Bildung und Spiritualität beim Landesverband Evangelischer Frauen in Darmstadt. Sie dankte am Ende des ereignisreichen Tages den Teilnehmerinnen für ihr Kommen und wünschte allen die notwendige Inspiration, um in den heimischen Kirchengemeinden den Weltgebetstag zum großen Tag des Gebetes und des Dankes für die Menschen in Chile, aber auch für alle Menschen unserer Welt, werden zu lassen.

Die genauen Gottesdienstzeiten und -orte am Weltgebetstag in der Region werden rechtzeitig bekannt gemacht. Ein weiterer „Länderabend“, der traditionell von der Kirchengemeinde Wald-Michelbach vor dem eigentlichen Termin veranstaltet wird, findet am 15.02.2011 um 19.30 Uhr im Ev. Gemeindezentrum statt. Hierzu ergeht herzliche Einladung an alle Interessierten..

 

Foto: beim Einüben eines folkloristischen Tanzes nach der Melodie „Gracias a la vida“ („Ich danke dem Leben“)

Text: Edith von Hunnius
Foto: privat