20.01.11 "Der Wahrheit eine Chance geben" - Verabschiedung von Pfarrer Dieter Bauer


Ein Kreis schließt sich. In der evangelische Gemeinde Auerbach hatte Pfarrer Dieter Bauer einst sein Vikariat absolviert. Am kommenden Sonntag wird er dort in den Ruhestand verabschiedet -  einen Tag nach seinem 65. Geburtstag.

Dieter  Bauer ist ein  Pfarrer mit zwei „halben“ Stellen. Neben seiner Tätigkeit in Auerbach und Hochstätten ist er auch  in der Kirchengemeinde Reichenbach für die Ortsteile Elmshausen und Lautern zuständig. Dort wird er gesondert am 30. Januar verabschiedet.  Ob Predigt („nicht nur von der Kanzel herab“), Besuche bei Kranken, Konfirmandenunterricht, die Frauenhilfe in Lautern oder der Meditationskreis in Auerbach:  „an der einen oder andere Stelle habe ich versucht,  der Wahrheit eine kleine Chance zu geben und sie persönlich glaubwürdig zu vertreten“, bilanziert Dieter Bauer seinen Pfarrberuf. Besonders wichtig ist ihm stets die Arbeit mit Kindern gewesen. „Sie haben einen unbekümmerten und unverstellten Blick auf die Welt“, sagt der Geistliche und erinnert daran, dass Kinder auch in den Augen von Jesus einen hohen Stellenwert haben („Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“)

Evangelische Theologie hatte Dieter Bauer  in Marburg, Bethel, bei einem Gastsemester in Zürich und schließlich in Heidelberg studiert. Das war im studentenbewegten Jahr 1968 und mit den demonstrierenden Studenten war auch der spätere Pfarrer politisch in Bewegung. Doch manchmal blieb die Bewegung auch stecken. Eine Demonstration gegen die griechische Militärdiktatur, an der Dieter Bauer teilnehmen wollte, kam nicht zustande. Das erwies sich im Nachhinein als Segen. Denn an diesem Tag konnte er das Private dem Politischen vorziehen. Er  lernte seine spätere Frau kennen. Ein politischer Mensch, so betont der Vater von zwei erwachsenen Kindern,  sei er bis heute insofern geblieben, als er weiterhin versuche, die Realitäten kritisch zu hinterfragen.

In Auerbach initiierte Dieter Bauer einen Literaturkreis. Die Beschäftigung mit Texten, das intensive Lesen sind ihm wichtig. „Lesen ist finden. Obwohl  ich in der Bibel schon so häufig gelesen habe,  mache ich dabei immer wieder neue Entdeckungen“. Texte am Bildschirm würde Dieter Bauer nicht oder nur ungern lesen. Bücher müssen für ihn „begreifbar“ sein. Seine eigenen Texte schreibt er übrigens auch nicht auf dem Computer, sondern mit der Hand. „In dieser Hinsicht bin ich konservativ“,  bekennt er.

Nach seinem Vikariat in Auerbach war Dieter Bauer 24 Jahre Pfarrer in Worms. Dann kehrte er wieder an die Bergstraße zurück und übernahm die Pfarrdienste in Auerbach und Reichenbach. Auch im Ruhestand will er in den Kirchengemeinden ehrenamtlich aushelfen und unter anderem den Literaturkreis weiter betreiben.   Und noch etwas ganz anderes hat sich Dieter Bauer vorgenommen: „Ich will von Handwerkern lernen,  mit meinen Händen arbeiten und ansonsten gucken, welche Träume ich noch habe“.

Pröpstin Karin Held und Dekanin Ulrike Scherf werden Dieter Bauer am kommenden Sonntag (23.Januar) verabschieden. Der Gottesdienst in der Auerbacher Bergkirche beginnt um 10.00 Uhr.

 

Text u. Foto: bet