19.01.11 Bürgermeisterwahl in Heppenheim Folge 3 - Die Bewahrung der Schöpfung


Letzter Teil der Befragung der Bürgermeisterkandidaten in Heppenheim. Dort wird zeitgleich mit den Kommunalwahlen  am 27. März ein neuer Rathaus-Chef gewählt. Der „ökumenische Pfarrertreff“ - ein Zusammenschluss der katholischen Pfarrer und der evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern der Kreisstadt – hat die fünf Kandidaten  befragt. Heute zum Abschluss geht es um die Bewahrung der Schöpfung. Außerdem dokumentieren wir die Aussagen zur Kinderbetreuung und zur Synagogengedenkstätte

Rainer Burelbach (CDU)
Schöpfungsbewahrung meint ja verantwortungsvollen Umgang mit der Welt, ihren Ressourcen und ihrem Leben. Hier sehe ich mich in der Verantwortung, diese Schöpfung für unsere Kinder und die nachfolgenden Generationen zu bewahren und zu schützen und erkenne ausdrücklich die Leistungen der Kirchengemeinden in diesem Bereich an. Auf Heppenheim übertragen heißt das einerseits sorgsam und sparsam mit knappen Ressourcen aller Art umzugehen. Dies gilt unter anderem für die Finanzen, für den Energieverbrauch, den Flächenverbrauch und für den Naturschutz. Andererseits gehört zum Leben ebenso das Wachstum. Deshalb setze ich mich für ein ressourcenschonendes Wachstum ein. Ich will Familien die Möglichkeit geben, in Heppenheim zu arbeiten und zu bauen, ohne pendeln zu müssen. Heppenheimer Unternehmen sollen hier in die Zukunft investieren können und Arbeitsplätze schaffen. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien will ich Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Heppenheim schaffen. Dies spart Erdölimporte aus fernen Ländern. In der Summe bringt dies Einnahmen für die Stadt und verhindert, dass wir der nächsten Generation einen Schuldenberg hinterlassen. Denn nur mit ausreichenden finanziellen Mitteln können wir dem Ziel der sozialen Gerechtigkeit und der Generationengerechtigkeit näher kommen.

Gerhard Herbert (SPD)
Bewahrung der Schöpfung bedeutet für mich an erster Stelle die Achtung der Mitgeschöpfe und ihrer Bedürfnisse. Im Umgang mit den Mitmenschen heißt das für den Bereich der Kommunalpolitik, im Dialog mit den Betroffenen an der ständigen Verbesserung der Lebensbedingungen in unserer Stadt zu arbeiten. Beispiele sind unsere Anstrengungen im Bereich der Kinderbetreuung, bei der Jugendpflege, aber auch generell bei der Beseitigung von Barrieren, die Älteren oder Behinderten im Alltag das Leben schwer machen. Über diese auf das menschliche Miteinander bezogenen Vorstellungen hinaus bedeutet Bewahrung der Schöpfung, den Gedanken der Nachhaltigkeit in der täglichen Praxis umzusetzen. Auch dies tun wir bereits an vielen Stellen, etwa durch Maßnahmen in den Bereichen Naturschutz, Energieeinsparung und Abfallvermeidung, Möglichst oft das Gespräch mit den interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern zu führen, statt lediglich die Mindestvorgaben der bestehenden Normen und Vorschriften zu berücksichtigen, ist mir auch hier wichtiger als einzelne Vorzeigeprojekte.

Christopher Hörst (FDP)
Wir alle sind dazu aufgerufen uns täglich mit der Wahrung unsrer Umwelt zu befassen. Insofern ist eine Stadt wie Heppenheim auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Ich möchte zusammen mit der Stadtverwaltung, aber auch mit den Mitgliedern der städtischen Gremien daran arbeiten, dass Heppenheim alle Möglichkeiten ausschöpft, eine ökologische Stadt zu werden. Eine zentral eingerichtete Anlaufstelle im Rathaus soll hier Anregungen und Ideen aufnehmen, diese prüfen und den Gremien und der Verwaltung zur Umsetzung vorlegen. Die in Heppenheim ansässigen Umweltverbände und die lokale AGENDA-Gruppe möchte ich dabei ebenso einbinden wie die Heppenheimer Kirchengemeinden.

Peter Janßen
Der Schöpfungsbegriff ist für mich  umfassend und betrifft auch das menschliche Miteinander; die Bereiche Gebäudeenergieeffizienz, die Bewahrung und Schaffung zusammenhängender Landschafts- und Naturschutzräume unter Einbeziehung von Naherholungsräumen für den Menschen, die Veränderung der Verkehrsinfrastruktur zugunsten von Fahrrad- und Fußgängerfreundlichkeit, Erhaltung und Schaffung von innerstädtischem ‚Grün‘ und eines lebenswerten Umfeldes. Die systematische, sinn- und konzeptionslose Vernichtung von Stadtgrün durch Magistrat und Bgm. G.Herbert will ich beenden. Im Hinblick auf soziale Einrichtungen, die einen Austausch und Miteinander ermöglichen, werde ich Vorschläge in Abstimmung mit der Bürgerschaft erarbeiten und umsetzen. Als Stichpunkte:
● Aufwertung der Naherholungsund Naturschutzräume Bruchsee, Jochimsee/Tongruben, Weschnitzinsel, Schloßberg und Stadtwald.
● Umgestaltung von ‚Abstandsgrün‘ zu Extensivflächen, die z.B. als Bienenweide dienen können, etc..
● Energieeffizienssteigerung städtischer Liegenschaften durch Modernisierung der Haustechnik und Dämmung.
● Renaturierung der im Stadtraum befindlichen Fließgewässer - Stadtbach, Erbach, Hambach.
● durchgängige, ansprechende und sichere Rad- und Fußwegeverbindungen in Ost- West- (z.B. entlang Stadtbach) und Nord-Südrichtung (z.B. entlang Grüngürtel), auch als schnelle direkte Verbindung zwischen den umliegenden Orten, und in den umgebenden Landschaftsraum.
● Innerstädtische Treffpunkte für die verschiedenen Altersgruppen, auch generationenübergreifend.
● Anstatt Vermehrung, wie zuletzt z.B. in der Hermannstraße, Verminderung von Lichtverschmutzung.
● durch Aufwertung des innerstädtischen Wohnumfeldes,  Interesse am Wohnen im Zentrumwecken, um der weiteren Zersiedelung entgegenzuwirken.

Gerhard Kasper
Hier handelt es sich um eine äußerst anspruchsvolle Materie. Schließlich führen Fragen zur Bewahrung der Schöpfung oftmals zu kontrovers diskutierten Einzelfragen. Fast alle fahren wir zum Beispiel mit dem Auto,´besitzen ein Handy, nutzen die schnellen Kommunikationswege des Internets und fliegen mit riesigen Flugzeugen von einem Punkt zum anderen. Wir leben in einem weltlichen Tempo, in dessen Druck der Gegenwartsmensch immer mehr überfordert ist. Soll das alles im Sinne der Schöpfung
sein? Aber lassen Sie mich das Thema aus meiner Sicht als bekennender Christ an zwei wesentlichen Elementen festhalten.
● Umweltschutz
Der Umweltgedanke spielt bei der Bewahrung der Schöpfung mehr denn je eine zentrale Rolle. Dazu brauchen wir ein ökologisches Konzept, müssen uns mit erneuerbaren Energien befassen und vor allem: Wir müssen mit allen Dingen des Alltags sorgfältig umgehen (z. B. angefangen vom Plastikmüll bis hin zu energetischen Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen sowie Umweltfreundlichkeit im behördlichen Betrieb. Hier muss die Behörde als Vorreiter fungieren. Ein gutes Umweltmanagement ist ein bedeutender Erfolgsfaktor einer Stadt. Somit komme ich zum zweiten maßgebenden Element:
● Die Menschen in unserer Stadt Heppenheim
Der Mensch ist ein Teil der Schöpfung und unsere Stadt besteht aus Menschen. Als Heppenheimer für Heppenheim habe ich es mir daher schon vor vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, auf die Menschen dieser Stadt zu setzen; auf ein Miteinander und auf die Gestaltung eines Wir-Gefühls. Ich lege besonderen Wert darauf, dass die Bevölkerung an dem „Unternehmen Stadt“ mitwirkt. Heppenheim soll eine echte Heimat seiner Bewohner sein. Keine Entscheidungen, weil sie politisch gefärbt sein sollen, sondern weil sie dem Wohl der Menschen, die in dieser Stadt ihre jeweilige Rolle einnehmen, zu Gute kommen. Wie soll eine Stadt auf Dauer bestehen, wenn die Bürger dieser Stadt kein Vertrauen mehr in diese Stadt, in deren Politik und Mitbewohner hat? Wir brauchen ein Miteinander und ein Gefühl des Vertrauens, wir brauchen gegenseitige Achtung, Anerkennung und Akzeptanz. Und ich brauche sie, ich brauche die Menschen, die im Miteinander motiviert sind, die glauben und hoffen können und in der Stadt Heppenheim ihre Heimat erfahren können.

Die Bürgermeisterkandidaten haben außerdem Stellung bezogen zur Kinderbetreuung und der Synagogengedenkstätte in Heppenheim. Alle Antworten auf die Fragen des "ökumenischen Pfarrertreffs" können Sie in einer Synopse nachlesen. Klicken Sie bitte hier

Foto: Das Heppenheimer Rathaus –  „Ich will hier rein“, sagen sich vier Kandidaten.,“Und ich will hier drin bleiben“, sagt sich der amtierende Bürgermeister, der wieder kandidiert.