17.01.11 Bürgermeisterwahl in Heppenheim Folge 1 - Kirchen stellen die "Sonntagsfrage"


Am 27. März sind in Hessen Kommunalwahlen. In einigen Städten und Gemeinden finden zugleich Bürgermeisterwahlen statt- so auch in Heppenheim. Der „ökumenische Pfarrertreff“ - ein Zusammenschluss der katholischen Pfarrer und der evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern der Kreisstadt – hat den Bürgermeisterkandidaten im Vorfeld der Wahl einige Fragen gestellt . Die Antworten dokumentieren wir in mehreren Folgen, weil sie auch über Heppenheim hinaus von Interesse sind. Heute geht es um die „Sonntagsfrage“.

„Heppenheim ist der Allianz für den freien Sonntag beigetreten. Wie stehen Sie zu dem verkaufsoffenen Sonntag?“ lautete die Frage des ökumenischen Pfarrertreffs. Hier die Antworten der Bürgermeisterkandidaten:


Rainer Burelbach (CDU)
„Der freie Sonntag ist sowohl aus historischer Sicht als auch aus christlicher und ökonomischer Sicht ein hohes Gut und dies gilt es zu schützen. Er dient den Menschen, gemeinschaftlich zu handeln, das Familienleben zu stärken und Kraft für die Woche zu tanken. Die bisherige Regelung der verkaufsoffenen Sonntage in Heppenheim halte ich für sinnvoll und vertretbar. Es gilt anzuerkennen, dass viele Menschen für uns am Sonntag wertvolle und unverzichtbare Dienste vor allem im Sozial- und Gesundheitswesen leisten.




Gerhard Herbert (SPD)

Den Beitritt zur Allianz für den freien Sonntag habe ich betrieben, weil ich denke, dass wir in unserer Gesellschaft dringend eine Lobby für die Sonntagsruhe brauchen. Regulierungen wie bei den Ladenschlusszeiten abzuschaffen, das gilt ja manchen automatisch als gut, weil es als Zuwachs an Freiheit betrachtet wird. Wir müssen aber sehen, wessen Freiheit wozu wir damit erweitern und was das kostet. Der Freiheit des Konsumierens steht hier die religiös, kulturell und sozial begründete sonntägliche Freiheit, von den Anforderungen des Werktags verschont zu sein, gegenüber. Ich denke, diese Freiheit verdient es, verteidigt zu werden. Nun kann ich von einem im Wettbewerb stehenden Unternehmen schlecht erwarten, dass es auf Einnahmemöglichkeiten verzichtet, die von den Konkurrenten wahrgenommen werden. Deshalb braucht es hier bundesweit gültige Regelungen, die greifen und die nicht immer mehr mit Ausnahmegenehmigungen unterlaufen werden.

Christopher Hörst (FDP)
Als Vorsitzender der Heppenheimer Wirtschaftsvereinigung weiß ich ob der schwierigen Konstellationen bei verkaufsoffenen Sonntagen. Insbesondere gilt es dabei auch den Betriebsinhabern und ihren Mitarbeitern Respekt und Anerkennung zu zollen, denn auch hier wird eine „normale“ 5- oder 6- Tagewoche für Familienmütter und -väter. Damit Heppenheim im Wettbewerb mit umliegenden Gemeinden und Städten nicht weiter ins Hintertreffen gerät, muss an den im Moment geplanten vier verkaufsoffenen Sonntagen von 52 Sonntagen im Jahr mit besonderen Veranstaltungen festgehalten werden. Die geltenden Gesetze sind dabei für uns Richtschnur, so auch der Respekt vor den Gottesdiensten in Heppenheim.

Peter Janßen
Geld kann nur einmal ausgegeben werden. Die Einbeziehung des Sonntags bedeutet nur eine Verlagerung bzw. Verteilung der Umsätze auf einen zusätzlichen Tag und führt damit zu einer unnötigen Belastung der Einzelhändler und deren Angestellten und einer Ökonomisierung der Gesellschaft. Bedenklich ist, dass inzwischen viele, besonders junge Menschen ‚Shopping‘ als Freizeitbeschäftigung oder Hobby angeben. Viele Einzelhändler beugen sich dem Druck der Konkurrenz, oder wie hier in Heppenheim der Wirtschaftsvereinigung, nur widerwillig, zumal sie hierfür Werbe- oder Ladenöffnungsabgabe leisten müssen, die teilweise die Tageseinnahme übersteigt. Zumindest für abhängig Beschäftigte sollte einmal in der Woche ein Tag zum Innehalten und die Möglichkeit mit Familie und Bekannten zu gemeinsamen Unternehmungen in freier Gestaltung bestehen. Insoweit ist die Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage zu verringern bzw. ganz abzuschaffen.

Gerhard Kasper
Den Beitritt der Stadt Heppenheim zur Allianz für den freien Sonntag kann ich nur begrüßen und unterstützen. Auch ich bin der Meinung, dass ein wirksamer Sonn- und Feiertagsschutz der humanen Qualität unserer Gesellschaft dient. Das Ehrenamt, das gerade in letzter Zeit innerhalb unserer Gesellschaft so hoch bewertet wird, ist auf jeden Fall auf freie Sonn- und Feiertage angewiesen. Die verkaufsoffenen Sonntage sollten nicht grundsätzlich auf 4mal im Jahr pro Gemeinde festgelegt werden, sondern nur in Verbindung mit einer Veranstaltung, die dem Gemeinwohl dient, genehmigt werden. Somit hätten alle Einwohner etwas davon.

 

Morgen geht es um die Meinung der Bürgermeisterkandidaten zur „Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung“

Foto: Das Heppenheimer Rathaus –  „Ich will hier rein“, sagen sich vier Kandidaten.,“Und ich will hier drin bleiben“, sagt sich der amtierende Bürgermeister, der wieder kandidiert.