29.12.2010 Flagge zeigen für den Sonntag und gegen Armut - Bilanz 2010 und Ausblick 2011

Mit der Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung sowie dem Engagement für den Sonntagsschutz hat das Evangelische Dekanat Bergstraße Akzente gesetzt und ist weit über die Kirche hinaus öffentlich wahrgenommen worden, erklärten Dekanin Ulrike Scherf und Präses Axel Rothermel bei ihrer Jahresbilanz 2010. Beide Themen werde die Evangelische Kirche auch im neuen Jahr beschäftigen.

„Wir wollten gemeinsam mit den katholischen Dekanaten Bergstraße eine Diskussion über Menschenwürde und Gerechtigkeit anstoßen. Das ist mit der Heppenheimer Erklärung gelungen“, sagte Dekanin Scherf. Die Erklärung war unter anderem Thema einer Podiumsdiskussion mit den Bergsträßer Bundestagesgeordneten und hatte auch über die Region hinaus Beachtung gefunden. Ermutigend sei auch, wie viele Menschen sich ehrenamtlich für die Tafel in Rimbach engagieren und wie die  Kirchengemeinden im Weschnitztal und im Überwald mit der so genannten „Tafelrunde“ ein unterstützendes Netzwerk knüpften. “Der Einsatz für Gerechtigkeit und gegen Armut ist für uns keine Eintagsfliege, sondern fester Bestandteil unseres christlichen Selbstverständnisses“, betonte Präses Axel Rothermel. Er kündigte an, dass sich das Evangelische Dekanat im nächsten Jahr weiter für die Tafel des Diakonischen Werks engagieren werde. Auch das Projekt „Ohne Moos was los“, das Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien die Teilnahme an Ferienfreizeiten ermöglicht, solle 2011 fortgesetzt werden. „Dabei schauen wir auch über den eigenen Tellerrand zu unserer Partnerkirche in Süd-Tansania. Wir haben das Projekt für die Aids-Waisenkinder in Isoko mit 14.000 Euro unterstützt und wollen dieses Engagement langfristig sichern“, kündigte Axel Rothermel an. Das Aids-Waisenprojekt stehe deshalb im Frühjahr auch der Tagesordnung der Dekanatssynode. 2010 hatte das Evangelische Dekanat die 20jährige Partnerschaft mit der Moravian Church in Süd-Tansania gefeiert.

Mit der Wander-Ausstellung „Mein Sonntag“, dem gleichnamigen Fotowettbewerb, einem Sonntags-Brunch im Heppenheimer Haus der Kirche und dem Sonntags-Kalender für 2011 hat das Evangelische Dekanat den Wert und die Bedeutung des freien Sonntags unterstrichen. „Wenn wir uns gegen sonntägliche Ladenöffnung engagieren, geht es uns nicht darum, Menschen den Spaß zu verderben. Im Gegenteil! Wir wollen zeigen, wie wichtig der freie Sonntag ist für Besinnung, Erholung und gemeinsame freie Zeit für Freunde und Familie“, meinte Dekanin Scherf. Sie betonte, dass 2011 für den Sonntagschutz ein bedeutendes Jahr werde. Der hessische Landtag müsse das geltende Ladenöffnungsgesetz, das vier verkaufsoffene Sonntage vorsieht, überprüfen. Der Sonntagschutz bleibe deshalb auch im nächsten Jahr auf der Tagesordnung, kündigte die Bergsträßer Dekanin an. Gemeinsam mit den Partnern der Allianz für den freien Sonntag werde das Evangelische Dekanat daran erinnern, dass sich der arbeitsfreie Sonntag am 3. März 2011 sich zum 1690mal jährt.

Als beachtlich werteten Dekanin und Präses die aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der evangelischen Kirche. So hätten am Dekanatskinderkirchentag in Bensheim-Gronau 150 Kinder aus 19 Kirchengemeinden  teilgenommen. Rund 60 Erwachsen hatten sich dafür als ehrenamtliche Helfer zur Verfügung gestellt. Auch der große Jugendgottesdienst mit über 200 Teilnehmern auf dem Auerbacher Schloss habe große Beachtung gefunden. Dort wurde die neu gewählte Dekanatsjugendvertretung eingeführt.

Neu gewählt wurde 2010 auch der Dekanatssynodalvorstand, das 11köpfige  Leitungsgremium des Evangelischen Dekanats. „Wir haben dort eine konstruktive Zusammenarbeit und eine gute Mischung aus alten Mitgliedern mit langjährigen Erfahrungen und  neuen, die frische Ideen mitbringen“, meinte Präses Rothermel. Einen Wechsel gab es zudem an der Spitze der Dekanatsstiftung. Der frühere Leiter des Diakonischen Werks Bergstraße Hendrik Raekow wurde Nachfolger des verstorbenen Professors Heinz Ufer, dessen Tod für die evangelische Kirche ein großer Einschnitt war.

Der Wechsel bei der Leitung des Diakonischen Werks bedeutet für das Evangelische Dekanat bewährte Kontinuität. „Die neue Leiterin Brigitte Walz-Kelbel versteht wie ihr Vorgänger Diakonie als festen Bestandteil der Kirche. Beides gehört zusammen, “ so Dekanin Scherf.

Mit der Mehrgenerationenarbeit im Überwald und im Weschnitztal hat das Dekanat nach eigenen Angaben auch einen wichtiges Zukunftssignal gesetzt. Die Pilotstelle sowie die Wiederbesetzung der lange vakanten Kirchenmusikerstelle in Wald-Michelbach machten  zudem deutlich, dass sich die evangelische Kirche nicht aus der Region zurückzieht, erklärte Präses Rothermel.

Im Mai 2011 wird die Notfallseelsorge im Kreis Bergstraße einen runden Geburtstag feiern. Seit zehn Jahren leisten dann Ehrenamtliche in akuten Fällen erste Hilfe für die Seele. Im September 2011 werden die Pfarrerinnen und Pfarrer des Partnerkirchenkreises Sömmerda-Eisleben in Sachsen-Anhalt zu einer gemeinsamen Rüstzeit mit dem Evangelischen Dekanat im Kloster Höchst erwartet.

Anfang des Jahres hatte das Evangelische Dekanat „Vollbeschäftigung“ gemeldet. Alle Pfarrstellen konnten besetzt werden. Aktuell gibt es nach dem Wechsel von zwei Pfarrern in Nachbardekanate wieder Vakanzen. Die Pfarrstelle in Bickenbach wird im Januar neu ausgeschrieben. Die Pfarrstelle in Zwingenberg kann bereits im Februar wieder besetzt werden. In der Kirchengemeinde Fürth ist eine halbe Pfarrstelle derzeit noch unbesetzt. „Insgesamt sind wir damit aber gut aufgestellt“,  blicken Dekanin und Präses optimistisch in das neue Jahr.

 

 

Text u. Foto: bet