10.12.2010 "Mehr Männer in die Kitas" - Gleichstellungsbeauftragte organisierten Impulstagung

Zu einer Impulstagung mit dem Titel „Neue Männer braucht das Kita-Land“ hatten  die beiden Gleichstellungsbeauftragten der vier Dekanate Groß Gerau, Ried, Bergstraße und Rüsselsheim nach Gernsheim eingeladen. Elke Reese und Jörg Wilhelm, die sich als Gender-Team verstehen, wollten mit dieser Tagung ein erstes Zeichen setzen,  um dem  Thema „Männer in Kitas“ öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.

„Vor dem Hintergrund der bereits bestehenden Personalprobleme, die sich in den kommenden Jahren noch wesentlich verstärken werden, aber auch aus pädagogischen Gründen und aus Sicht des Gleichstellungsauftrags ist es unerlässlich, einerseits aktiv zu versuchen, mehr männliche Fachkräfte in die Kitas der Dekanate zu bekommen und andererseits für den Beruf insgesamt unter Jungen und jungen Männern Werbung zu machen“, sagte Jörg Wilhelm.

Das beides nicht einfach ist, wurde bereits bei dem einführenden Sketch deutlich, den Elke Reese, die selber als Erzieherin tätig ist, zusammen mit einer Kollegin vorführte. „Das Problem ist nicht nur, dass es derzeit wenig Erzieher gibt, ein Problem sind auch die Befindlichkeiten und Unsicherheiten der Erzieherinnen“, so Elke Reese.

Der Wunsch, männliche Fachkräfte beschäftigen zu können, wird in der Mehrheit der Einrichtungen geäußert. Die Umsetzung scheitert dann aber in der Regel daran, dass sich keine Männer bewerben. In den Diskussionen wurde jedoch deutlich, dass dies nicht der alleinige Grund ist, warum in den vier Dekanaten der Anteil männlicher Erzieher lediglich bei 5,5% liegt. Als Beispiel wurde genannt, dass die Stellenausschreibungen in der Regel Männer nicht ansprechen würden. Zudem sei es leichter für Erzieher, sich bei Einrichtungen zu bewerben, die bereits Männer beschäftigen, als sich in eine klassische Frauendomäne zu begeben. Das Problem Generalverdacht wurde ebenfalls andiskutiert, so wie die Rolle der Väter, die Professionalität und Wertschätzung des Berufs, die Frage der Finanzierung der Ausbildung oder Aktionen wie der Boys-Day.

Den zentralen Vortrag der Tagung hielt Wolfgang Englert, Diplom-Soziologe und zertifizierter Jungenarbeiter und damit bundesweit seit Jahren einer der führenden Köpfe in der Diskussion um Männer in Kitas. Er berichtete von der Elementar-AG in Frankfurt, deren Entwicklung und Probleme. Die in Frankfurt gewonnenen Erfahrungen seien in vielfacher Hinsicht übertragbar. Die Probleme seien nicht nur in Frankfurt zu finden. Eine wesentliche Schlussfolgerung seines Vortrags war die Erkenntnis, dass es nicht ausreicht, nur passiv auf Männer zu warten. Einrichtungen, die männliche Fachkräfte möchten, müssten sich aktiv auf die Suche begeben. In Frankfurt ist liegt der Männeranteil in Kitas im zweistelligen Bereich. Bei einigen privaten und freien Trägern wurde sogar Parität erreicht.

Elke Reese und Jörg Wilhelm sagten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung zu, in den kommenden knapp 2 Jahren weitere Veranstaltungen durchzuführen. Gleichzeitig soll versucht werden, in Kooperation mit anderen Stellen wie der Fachberatung Kita, einen „Arbeitskreis Erzieher“ auf Dauer zu etablieren  oder im Rahmen anderer Kooperationen Werbung bei Jungen für den sozialen Beruf Erzieher zu betreiben -  als Beruf mit Zukunft und als hochqualifizierten Beruf abseits gängiger Vorurteile (Frauenberuf, Kinder beaufsichtigen kann doch jedeR…).  Schließlich soll versucht werden, mit innerkirchlichen Kreisen und Einrichtungen ins Gespräch zu kommen. Angedacht sind Trägerkonferenzen, Dekanatskonferenzen, Pfarrkonvente, Leitungstreffen…

„Der geäußerte Wunsch nach Erziehern reicht nicht aus, es bedarf aktiver Schritte, auf die gewünschte Zielgruppe zuzugehen und es braucht mittelfristige Perspektiven mit dem Ziel, Jungs und junge Männer in die Ausbildung zu bekommen,“ so das Fazit von Jörg Wilhelm. Das Stichwort Quereinsteiger dürfe in diesem Zusammenhang natürlich nicht fehlen, obwohl es mit vielen Vorurteilen belastet sei und die Skepsis überwiege.

 


Foto: Es muss nicht immer die Formel 1 sein - Die Kitas brauchen Männer

Text:jw
Foto: pixelio

 

 




 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text u. Fotos: bet