29.11.2010 "Gerechtigkeit als Alltagshaltung" - Empfang zum neuen Kirchenjahr


Die beiden evangelischen Dekanate Bergstraße und Ried haben den Beginn des neuen Kirchenjahres gefeiert. Am Vorabend des 1. Advents waren über 200 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft zum traditionellen Empfang in die Lorscher Nibelungenhalle gekommen. Den Festvortrag hielt der Chefredakteur des evangelischen Magazins „chrismon“, Arnd Brummer.

Der Journalist und Buchautor (Foto oben) forderte dazu auf, Gerechtigkeit nicht bloß zu fordern, sondern als Alltagshaltung zu praktizieren. Dazu bedürfe es einer „Radikalität, die Menschen so anzunehmen wie sie sind“. Brummer kritisierte die fortschreitende Parzellierung der Gesellschaft, in der Menschen nur noch unter Ihresgleichen seien. Das treffe auch auf die evangelische Kirche zu, die nach ihrem Selbstverständnis einladend für andere sein wolle, aber zum Beispiel Menschen, die arm und ausgegrenzt sind, oft nur als „Objekte unserer Wohltätigkeit“ betrachte. Der Journalist berief sich auf den „Radikalinski der Nächstenliebe“, Jesus Christus und betonte: „Der Entfernteste ist der Nächste. Es gibt kein Ranking, wonach erst die Familie, dann die Verwandtschaft und schließlich die eigene Gemeinde oder Stadt komme. Nach dem dicken Buch (=die Bibel) haben wir keine Alternative: Der Nächste ist ein Superlativ.“

In der Mitte der Nibelungenhalle hing ein großes Transparent mit dem Wortlaut der Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung, mit der das evangelische und die katholischen Dekanate Bergstraße gemeinsam Stellung bezogen hatten. Für viele wirkte Brummers Rede wie ein Appell, den in der Heppenheimer Erklärung geforderten „Mut für Gerechtigkeit“ auch im persönlichen Alltagsverhalten zu praktizieren.

In seinem Grußwort würdigte der Leiter der Kirchenverwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Oberkirchenrat Heinz Thomas Striegler,  die Heppenheimer Erklärung und forderte dazu auf, wach und sensibel zu sein, wenn arm und reich auseinanderklaffe. Striegler lobte in diesem Zusammenhang das Projekt des Evangelischen Dekanats Bergstraße „Ohne Moos was los“, das Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien die Teilnahme an Ferienfreizeiten ermöglicht. Landrat Mathias Wilkes sagte in seinem Grußwort, dass Bildung der „beste Schutzschild“ in Wirtschaftskrisen sei. In Bildung investieren sei deshalb ohne Alternative.

Für seine Verdienste um die Diakonie wurde der langjährige Leiter des Diakonischen Werks Bergstraße Hendrik Raekow ausgezeichnet. Der Dekan des Evangelischen Dekanats Ried, Karl Hans Geil, bezeichnete in seiner Laudatio Hendrik Raekow als „soziales Gewissen des Kreises Bergstraße“. Er habe das Miteinander von Kirche und Diakonie gelebt. Raekow war bis zu seinem Ruhestand vor sechs Monaten  34 Jahre für das Diakonische Werk Bergstraße tätig und hatte zahlreiche Hilfsprojekte wie die Wohnungslosenhilfe initiiert. Dekanin Ulrike Scherf und Präses Axel Rothermel vom Evangelischen Dekanat Bergstraße überreichten die Urkunde und die Starkenburg-Medaille (zweites Foto links).




Die Jahreslosung für 2011 aus dem Römerbrief des Apostel Paulus „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“ (Römer 12,21) erläuterte die Starkenburger Pröpstin Karin Held (Foto links). Diese Mahnung sei für sich genommen keine spezifisch christliche Lehre. Spezifisch christlich werde sie erst durch die Begründung, dass es durch die Liebe Gottes möglich sei, Gutes zu tun. Die Pröpstin wörtlich: „Für Christen gilt, weil du Gottes Liebe erkannt hast, deshalb kannst du Böses mit Gutem überwinden“.

 

 

 

Den Empfang zum neuen Kirchenjahr hatten die Kantorei Ried (Leitung Heike Ittmann) sowie der von Alfred Rettig dirigierte Posaunenchor Schlierbach musikalisch gestaltet. Der Empfang war der erste, der ohne den im April dieses Jahres verstorbenen Ehrenpräses des Evangelischen Dekanats Bergstraße, Professor Heinz Ufer, stattfand. Daran erinnerte Präses Axel Rothermel bei der Begrüßung. Er würdigte Heinz Ufer, der auch maßgeblich den kirchlichen Neujahrsempfang etabliert hatte, als Quer- und Vordenker.


Zur Tradition des Empfangs gehört es auch, dass alle Anwesenden sich erheben (Foto unten links ) und gemeinsam das wohl bekannteste Adventslied singen: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Wie das beim Empfang zum neuen Kirchenjahr klang, kann – exklusiv auf der Homepage des Evangelischen Dekanats Bergstraße – gehört werden. Klicken Sie bitte hier



 

Text u. Fotos: bet

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 




 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text u. Fotos: bet