24.11.2010 "Keine Kirche ohne Diakonie" - Starkenburg-Medaille für Hendrik Raekow


Er hat das Diakonische Werk Bergstraße zu dem gemacht, was es heute ist: mit über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines der größten regionalen Werke in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Für sein jahrzehntelanges Engagement als Leiter des DW Bergstraße zeichnet das Evangelische Dekanat Bergstraße Hendrik Raekow mit der Starkenburg-Medaille aus.

34 Jahre hatte Hendrik Raekow für das Diakonische Werk gearbeitet. Vor einem halben Jahr ging er in den Ruhestand. „Ich habe mich seitdem bewusst herausgehalten und nicht mehr eingemischt, sonst hätte meine Nachfolgerin nie eine Chance gehabt“, betont der 60jährige, dem Diakonie und Kirche eine unauflösliche Einheit sind. „Kirche ohne Diakonie gibt es nicht und Diakonie ohne Kirche kann man vergessen“, so sein Credo. Das hat er selbst vorgelebt. Er war neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit beim Diakonischen Werk ehrenamtlicher Präses des damaligen Dekanats Bergstraße-Süd und später stellvertretender Präses im fusionierten Dekanat Bergstraße. Hendrik Raekow legt Wert darauf, dass diakonische Hilfe für Kranke, Schwache und Ausgegrenzte nicht allein von den „Profis“, den Festangestellten geleistet werde, sondern auch von Ehrenamtlichen. Die Tafel sei das beste Beispiel dafür. „Ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre die Tafel gar nicht denkbar“.

Hendrik Raekow gehörte zu jenen, die auch Probleme angepackt haben, die andere nicht wahrhaben oder wegschieben wollten. Z.B. den Umgang mit Wohnungslosen. Als Leiter des Diakonischen Werks sorgte er für eine Anlaufstelle. Das Zentrum für Wohnungslosenhilfe in Bensheim bietet heute Übernachtungsmöglichkeiten, Beratung  und Wiedereingliederungshilfen. Ein anderes Beispiel ist das Mutter-Kind-Projekt in Rimbach. Hendrik Raekow setzte sich für die Kinder von psychisch kranken Müttern ein und sorgte dafür, dass sie nicht ins Heim abgeschoben werden, sondern bei ihren Müttern bleiben können.

Für Hendrik Raekow ist soziale Gerechtigkeit kein Lippenbekenntnis. Wer ihn kennt, weiß, dass ihn Ungerechtigkeiten innerlich umtreiben. Er selbst sagt von sich, dass er nachempfinden könne, wie sich Menschen fühlen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Mit seiner Mutter war er 1956 aus der DDR nach West-Berlin geflüchtet. Mitbringen konnten sie nur das, was sie am Leibe trugen. In einer Kleiderkammer des Roten Kreuzes versorgten sie sich mit dem Nötigsten. Die Wohnungseinrichtung holten sie sich von einer sozialen Einrichtung, die Gebrauchsmöbel zur Verfügung stellte. Erfahrungen, die prägen und sensibel machen für das Schicksal sozial Schwacher.

Von Berlin an die Bergstraße zog Hendrik Raekow die Liebe. 1974 lernte er seine aus Lampertheim stammende Frau kennen. Bald darauf bewarb er sich beim Diakonischen Werk. Bei seinem Dienstantritt in Zwingenberg 1976 waren nur 1,5 Stellen für die gesamte diakonische Arbeit vorgesehen. Heute ist das Diakonische Werk Bergstraße über den ganzen Landkreis verteilt mit Dienststellen in Bensheim, Lampertheim, Rimbach, Mörlenbach, Wald-Michelbach und Hirschhorn. Die Arbeitsschwerpunkte liegen neben der psychosozialen Betreuung und der Wohnungslosenhilfe  bei der Tafelarbeit, der Jugendmigrationsarbeit, der Schulsozialarbeit, der Senioren- und Schuldnerberatung und der sozialpädagogischen Familienhilfe.

Am Vorabend des 1. Advents beim Empfang zum neuen Kirchenjahr, den die beiden evangelischen Dekanate Bergstraße und Ried traditionell gemeinsam veranstalten, wird Hendrik Raekow mit der Starkenburg-Medaille ausgezeichnet. „Ich nehme die Medaille nur deshalb entgegen, weil ich weiß, dass damit alle Mitarbeitenden geehrt werden und die Arbeit des Diakonischen Werks gewürdigt wird“, so Hendrik Raekow, der Anfang Mai dieses Jahres in den Ruhestand verabschiedet wurde.

„Freunde haben mir gesagt, die ersten sechs Monate ohne Berufstätigkeit sind wie Urlaub. Danach wird es schwierig. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt und lass es auf mich zukommen“, sagt das „diakonische Urgestein“, wie der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, Pfarrer Dr. Wolfgang Gern ihn einmal bezeichnete. Doch bei zwei ehrenamtlichen Tätigkeiten hat sich Hendrik Raekow bereits festgelegt. Er wird als Prädikant weiter Gottesdienste halten und er rückt an die Spitze der Dekanatsstiftung.

 

Text u. Foto: bet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




 

 





 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 




 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text u. Fotos: bet