04.11.2010 "Soziale Gerechtigkeit als Auftrag einer engagierten evangelischen Kirche" - OKR Schwindt zu Gast im HdK


 „Eine gesellschaftlich engagierte Kirche kennt eine klare Option für Menschen, die keine Stimme und keine Lobby haben“, sagte Oberkirchenrat Christian Schwindt, neuer Leiter des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau,  gestern in seinem Vortrag „Soziale Gerechtigkeit als Auftrag einer engagierten evangelischen Kirche“.

Im Haus der Kirche hatte sich im Rahmen des Begleitprogramms zur Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung eine kleine, aber interessierte Runde eingefunden.

Das sich die evangelische Kirche überhaupt mit Fragen der Gesellschaftlichen Verantwortung beschäftigt, hat mit dem Selbstverständnis der Kirche zu tun. In der Nachfolge Jesu existiert die Kirche nicht für sich selbst, und sie darf sich auch nicht nur mit sich selbst beschäftigen. Sie hat eine Sendung für alle Menschen und alle Völker, die in Gott selbst begründet liegt. Die Kirche vollzieht ihre Sendung dabei in doppelter Weise: zum einen durch lobendes und dankendes Handeln in Gottesdiensten, Andachten und liturgischen Zusammenhängen. Sie widerspricht damit dem Missbrauch des Gottes-Namens in der Welt, wenn etwa Geld, Macht oder Idole zu Ersatzgöttern und damit „Schein-Riesen“ der Orientierung gemacht werden. Zum andern vollzieht sich die Sendung der „Gemeinschaft der Gläubigen“ durch konkretes gesellschaftliches Engagement: sozial-ethische Reflexion, politischer – nicht parteipolitischer Einsatz und Handel in Seelsorge, Diakonie und Bildungsarbeit.

Wenngleich der Begriff „Soziale Gerechtigkeit“ in der Bibel nicht vorkommt, so Pfarrer Schwindt, ist er der Sache nach vielfältig präsent. Nach biblischem Verständnis sind alle geschaffenen Glieder einer Gesellschaft aufgefordert an der Gestaltung von gerechten Beziehungen und Verhältnissen teilzuhaben. Allen muss es möglich sein, ihren eigenen Gemeinwohlbeitrag zu leisten. Die Suche nach Gerechtigkeit muss aber dann eine Bewegung zu denjenigen sein, die als Arme und Machtlose am Rande des sozialen und wirtschaftlichen Lebens existieren und ihre Teilhabe und Teilnahme an der Gesellschaft nicht aus eigener Kraft verbessern können. Soziale Gerechtigkeit hat insofern den Charakter der Parteinahme für alle, die auf Unterstützung und Beistand angewiesen sind.

Noch bis zum ersten Advent ist die Bilderausstellung des Künstlers „Saase“ aus Gorxheimertal im Haus der Kirche zu sehen. Die Ausstellung gehört zum Begleitprogramm der Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung und ist werktags von 8 bis 17 Uhr im Haus der Kirche, Ludwigstraße 13, geöffnet.