27.10.2010 Evangelische Christen feiern den Reformationstag - Bildung als Auftrag der Reformation


Das Evangelische Dekanat Bergstraße ruft zur Teilnahme an den Veranstaltungen zum Reformationstag am kommenden Sonntag (31. Oktober) auf. Neben Gottesdiensten in allen Gemeinden finden Konzerte, Vorträge und Lesungen statt. Dabei wird auch an den Reformator Philipp Melanchton erinnert, der vor 450 Jahren starb.

Neben Martin Luther verkörpert vor allem sein Mitstreiter Philipp Melanchton  den Bildungsanspruch der Reformation. Melanchton war am Aufbau vieler Schulen - von der Volksschule bis zum Gymnasium und der Universität - beteiligt. Wegen seiner pädagogischen Impulse für das gesamte Bildungswesen wurde er „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) genannt.

„Die Reformation hat sich für ein Thema eingesetzt, das bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat: Bildung als Voraussetzung zur Teilhabe an der Gesellschaft, “ sagte Dekanin Ulrike Scherf. Nur wer Zugang zur umfassenden Bildung habe, könne eigenes Urteilsvermögen entwickeln, mitreden und mitentscheiden. „Wir haben deshalb der Bildung von Kindern in unserer Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung eine zentrale Bedeutung eingeräumt“, betonte die Bergsträßer Dekanin. In der Heppenheimer Erklärung, die Anfang Oktober  gemeinsam mit den katholischen Dekanaten Bergstraße veröffentlicht wurde,  heißt es wörtlich: „Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, allen Kindern unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern die gleichen Bildungschancen einzuräumen“.

Die Reformatoren hatten für sich für umfassende Bildung der Menschen aller Schichten engagiert. Dekanin Scherf erinnerte zum bevorstehenden Reformationstag an Luthers leidenschaftlichen Appell „An die Ratsherren aller Stände deutscher Lande, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“. Heute komme es darauf an, dass jedes einzelne Kind die gleichen  Möglichkeiten bekomme, zu lernen, sich zu bilden und einen guten Schulabschluss zu machen. Damit dies nicht allein von den Voraussetzungen im Elternhaus abhänge, seien gute Kindertagesstätten, frühzeitige Sprachförderung und Ganztagsschulen mit individueller Förderung notwendig, betonte Dekanin Scherf.

Den Reformationstag feiern die evangelischen Christen jedes Jahr am 31. Oktober. Sie erinnern damit an die 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach im Jahr 1517 an die Türen der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat. Damit leitete er die Reformation ein.


Text und Foto: bet