26.10.2010 Zwölf Plädoyers für den freien Sonntag - Mit dem Sonntagskalender durch das Jahr 2011


Das Evangelische Dekanat Bergstraße hat einen Farbkalender in DIN-A3-Format herausgeben, der die Bedeutung des Sonntags in den Blick rückt. Dafür wurden zwölf Porträts von Menschen aus der Region ausgewählt, die ihre persönliche Sonntagsgeschichte, ihre Sonntagserlebnisse oder ihre Sonntagsgedanken erzählen.

Dazu gehört z.B. das Sonntagsporträt des Unternehmers Bernd Herbert. Er bedauert, dass er aus wirtschaftlichen Gründen hin und wieder zur Sonntagsarbeit gezwungen sei, betont aber, dass er die Arbeit am Sonntag nicht suche.  „Ein Kunde wollte, dass wir von Heilig-Abend bis Neujahr einen größeren Auftrag ausführen. Das war finanziell sehr verlockend. Wir wären fürstlich bezahlt worden. Ich habe den Auftrag im Interesse meiner Mitarbeiter abgelehnt. Ab einem bestimmten Punkt muss man ‚Nein‘ sagen!“, so der Bensheimer Unternehmer.

Für den Lehrer Stefan Römer aus Zotzenbach spielt am Sonntag Musik eine wichtige Rolle. „Wenn ich bei besonderen Gottesdiensten singe, entsteht eine Atmosphäre, die ich nicht missen möchte. Mein Sonntag hat allerdings auch noch ganz andere Noten. Es ist manchmal bedrückend für mich, wenn ich sonntags Arbeiten  korrigieren oder den Unterricht für den nächsten Tag vorbereiten muss.“

Martina und Thomas Egner aus Heppenheim  arbeiten beide als Pflegekräfte in Krankenhäusern und haben oft sonntags Dienst. Sie betonen: „Ob man sonntags frei hat oder an einem Wochentag, das ist für uns nicht das gleiche. Unsere Freunde arbeiten in der Regel sonntags nicht. Der Sonntag ist der einzige Tag, an dem wir gemeinsam etwas unternehmen können. Wenn es geht, sollte man ihn von allen Alltagsdingen freihalten. Eine geöffnete Autowaschanlage brauchen wir sonntags jedenfalls nicht.“

Die Kirchenvorsteherin Irmela Prolingheuer aus Alsbach sagt: „In dem kleinen Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, war der Sonntag der „Tag des Herrn“. Das Gebot ‚Da sollst du kein Werk tun‘ wurde in meiner Familie strikt befolgt. So schenkten uns unsere Eltern etwas Kostbares: Zeit. Das habe ich als jüngste von vier Kindern sehr genossen.“

„Wir haben uns bewusst dafür entschieden, einen Sonntagskalender für das kommende Jahr herauszugeben, weil 2011 ein ganz entscheidendes Jahr für den Sonntagsschutz ist“, sagte die Bergsträßer Dekanin Ulrike Scherf.  Ende des nächsten Jahres laufe das Hessische Ladenöffnungsgesetz aus. Der Landtag müsse neu darüber entscheiden, ob und gegebenenfalls an wie vielen Sonntagen die Geschäfte geöffnet haben dürfen. „Wir wollen uns dafür einsetzen, dass der Sonntag für  Besinnung, Erholung, Familie und Freunde frei bleibt“, erklärte Dekanin Scherf. Sie betonte zugleich, dass sich am 3. März 2011 zum 1690mal der Tag jährt, an dem der damalige römische Kaiser Konstantin den Sonntag zum arbeitsfreien Tag erklärte. Der 3. März des Jahres 321 markiere den Beginn des staatlichen Sonntagsschutzes. Das wollen die Kirchen an der Bergstraße am 3. März  des nächsten Jahres mit einer gemeinsamen Aktion in Erinnerung rufen, kündigte die Dekanin an.

Die Kalenderporträts waren zuvor bereits im Großformat in der vom Evangelischen Dekanat konzipierten Ausstellung „Mein Sonntag“ zu sehen.  Das Besondere an dem Kalender:  jeweils ein Tag im Monat ist mit einem Sternchen gekennzeichnet. Es verweist darauf, dass der betreffende Tag in der Auseinandersetzung um den Sonntagschutz von Bedeutung ist. Im Juli ist zum Beispiel der erste Tag markiert. Die Erläuterung findet sich unter dem Kalendarium: „Am 1. Juli 2009 gründet sich in Bensheim die Allianz für den freien Sonntag in der Region Starkenburg“.

Der Sonntagskalender ist ab sofort im Heppenheimer Haus der Kirche, Ludwigstraße 13, erhältlich. Er wird gegen eine Spende von sechs Euro abgegeben. Der Erlös kommt der Tafel des Diakonischen Werks in Rimbach zugute.  Der Kalender kann auch bestellt werden.   
E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@haus-der-kirche.de 
Tel.: 06252/6733-31

 

Foto: Die Fotocollage ist das Deckblatt des Sonntagskalenders
Text: bet