14.10.2010 Ernährung mit Hundefutter? - Ausstellung zeigt viele Facetten der Armut


„Armut und Gerechtigkeit dürfen keine Randthemen sein, sondern sollen in die Mitte unserer Wahrnehmung gerückt werden“. So beschrieb Pfarrerin Dr. Vera Winkler von Fachstelle Bildung des Evangelischen Dekanats das Ziel einer neuen Ausstellung im Heppenheimer Haus der Kirche. Dort sind ab sofort Bilder des in Gorxheimertal lebenden Künstlers Udo Marker zu sehen, der sich unter dem Künstlernamen Saase für soziale Gerechtigkeit engagiert.

Udo Marker stehe in der Tradition der Neuen Sachlichkeit. Er greife soziale Themen auf und stelle sie realitätsnah dar, beschrieb Pfarrerin Dr. Winkler die Bilder des heute 71jährigen Künstlers. Auf einem Bild ist eine ältere Frau zu sehen, die aus einer Dose isst. Bei näherem Hinsehen erkennt der Betrachter eine Dose mit Hundefutter. Realitätsnah oder nicht doch überzogen? „Das habe ich in Mannheim erlebt.  Ein Mann mit einer kümmerlichen Rente hat sich immer wieder Hundefutter gekauft und sich davon ernährt“, sagt Udo Marker, der lange Jahre für die Stadt Mannheim in der Jugend- und Sozialarbeit tätig war. Er räumt ein, dass seine Bilder polarisieren und zum Teil als drastisch wahrgenommen werden.  “Man muss drastisch sein, sonst bewegt man nichts“, so das Credo des Künstlers.


Die Ausstellung steht im Zusammenhang mit der Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung, die das Evangelische Dekanat gemeinsam mit den katholischen Dekanaten Bergstraße veröffentlicht hatte. Darin kritisieren die Kirchen eine soziale Schieflage in der Gesellschaft. Sie sprechen sich dafür aus, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Einkommen in vollem Umfang am gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilhaben können und fordern, dass beim  Sparen Gerechtigkeit und Menschenwürde nicht auf der Strecke bleiben dürfen.



Die Bilder von Udo Marker werden ergänzt durch aktuelle Porträts von Menschen aus der Region Bergstraße, die von Armut bedroht sind oder in Armut leben. Unter anderem kommt eine 26jährige Arbeitslose aus Heppenheim zu Wort, die als Alleinerziehende mit spitzen Bleistift rechnen muss „“Als ich meine Tochter wieder einmal eine Bitte abschlagen musste, sagte sie: ‚Steck doch die Karte da rein und hol Dir Geld‘. Sie meinte den Bankautomaten“. Eine 56jährige Bensheimerin, die vor zehn Jahren ihren letzten Job gehabt hat, betont: „Ich gehe kaum noch aus der Wohnung. Was soll ich in der Fußgängerzone bummeln, wenn ich ohnehin  nichts kaufen kann.“

Zur Eröffnung der Ausstellung spielte Miguel auf dem Akkordeon. Er stammt aus Bulgarien, lebt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland und bestreitet seinen Lebensunterhalt durch Straßenmusik.

Die Ausstellung, die ganz unterschiedliche Facetten von Armut widerspiegelt, ist noch bis Ende November im Heppenheimer Haus der Kirche, Ludwigstraße 13 zu sehen.   Die Heppenheimer Erklärung wird am Freitag, 15. Oktober mit den beiden Bergsträßer Bundestagsabgeordneten Christine Lambrecht (SPD) und Dr. Michael Meister (CDU) diskutiert. Die Veranstaltung im Diakoniezentrum, Rimbach, Schlossstr. 52a ist öffentlich und beginnt um 19.00 Uhr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text u. Fotos: bet