30.09.10 Mehr Männer in die Kindertagesstätten - Gleichstellungsbeauftragte starten Initiative


Die Gleichstellungsbeauftragten in den evangelischen Dekanaten Bergstraße, Ried, Groß Gerau und Rüsselsheim wollen mehr männliche Erzieher für die Kindertagesstätten werben. Dazu wird es eine Impuls-Tagung in Gernsheim geben.

Der Anteil männlicher Erzieher in den Kitas sei verschwindend gering, berichtet Jörg Wilhelm, Gleichstellungsbeauftragter in den Dekanaten Ried, Groß Gerau und Rüsselsheim. Bundesweit seien es nur 2,4 Prozent. In den evangelischen Dekanaten liege der Anteil durchschnittlich zwar etwas höher, doch seien Männer auch dort nach wie vor die Ausnahme.

In den 32 evangelischen Kindertagesstätten im Dekanat Bergstraße sind insgesamt 245 Erzieherinnen und drei Erzieher tätig. Nur in den Kindergärten in Auerbach, Viernheim und Birkenau arbeitet jeweils ein Mann im Erzieherberuf. Ähnlich sieht es in den benachbarten Dekanaten aus. In den 11 evangelischen Kindertagesstätten des Dekanats Ried sind es zum Beispiel 142 Erzieherinnen und vier Erzieher.

„Für Kinder ist es wichtig, dass sie Bezugspersonen beiderlei Geschlechts kennenlernen“, meint die Gleichstellungsbeauftrage im Evangelischen Dekanat Bergstraße Elke Reese. Dies sei für die  Beziehungsfähigkeit und Rollenfindung wichtig. Sie erinnerte zugleich daran, dass der Anteil  der Alleinerziehenden größer geworden sei. „Umso wichtiger ist es, dass Kinder im Kindergartenalter  mitbekommen, was Frauen und was Männer können und wie sie miteinander umgehen“, so Elke Reese, die selbst als Erzieherin im Kindergarten tätig ist.

Die Bergsträßer Dekanin Ulrike Scherf unterstützt das Vorhaben, mehr Männer für die Kitas zu werben: “Die pädagogische Wirkung kann nicht hoch genug geschätzt werden, wenn die Kinder in den Kindertagesstätten Frauen wie Männer erleben“. 

Bereits in fünf Jahren werden nach den Prognosen viele Stellen in den Kindertagesstätten nicht mehr besetzt werden können, weil viele Erzieherinnen in den Ruhestand geben. Die Gleichstellungsbeauftragten legen nach eigenen Angaben Wert darauf, dass Männer keine Notlösung für die Personalprobleme, sondern aus pädagogischen Gründen für Kinder wichtig seien.

Die Gleichstellungsbeauftragten wollen vor allem kirchliche Entscheidungsträger für die Thematik sensibilisieren. „Wir brauchen den politischen Willen in der evangelischen Kirche, sich für Männer im Erziehungsberuf einzusetzen“, meint Gleichstellungsbeauftragter Jörg Wilhelm. Dazu dient die Impuls-Tagung am  18. November im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Gernsheim, Zwingenberger Straße 11.

Neben Männern, die sich für den Erzieherberuf interessieren, sind Pfarrerinnen und Pfarrer, Kirchenvorstände, Vertreter/innen der EKHN-Kirchenverwaltung in Darmstadt, Dekaninnen und Dekane sowie die Pröpstinnen der Propsteien Rhein-Main und Starkenburg zu der Tagung eingeladen.  Für die Veranstaltung konnte auch der Frankfurter Diplom-Soziologe Wolfgang Englert als Referent gewonnen werden, der als Experte in der Jungenarbeit und der systemischen Familientherapie gilt.

Anmeldeschluss für die Tagung ist der 8. November. Anmeldungen und weitere Informationen bei Jörg Wilhelm:
Tel.: 06142/8369 916;  E-Mail;: joerg.wilhelm.dek.ruesselsheim@ekhn-net.de

 

Foto: die Gleichstellungsbeauftragten Elke Reese und Jörg Wilhelm
Text u. Foto: bet