24.09.10 Der Sonntag in Indien - Die Geschäfte sind nicht immer, aber immer öfter geschlossen


Auf Initiative des Ev. Dekanats Bergstraße wurde im Juli 2009 die „Allianz für den freien Sonntag in der Region Starkenburg“ gegründet. Seitdem gibt es vielfältige Aktivitäten gegen Sonntagsarbeit und für den Sonntagsschutz. Doch der Blick geht auch immer wieder über den eigenen Tellerrand. Anlässlich des Partnerschaftsjubiläums mit der Moravian Church in Süd-Tansania beschäftigten wir uns mit der Frage, wie der Sonntag in dem ostafrikanischen Land gefeiert wird (siehe Eintrag vom 17.09. auf dieser Homepage). Jetzt geht es um den Sonntag in Indien.

Indien ist ein hinduistisch geprägtes Land. Doch vor allem im Süden gibt es eine relativ starke christliche Minderheit. Im südindischen Bundestaat Kerala zum Beispiel sind 25 Prozent der Bevölkerung Christen – jeweils zur Hälfte katholisch und evangelisch. Die christlichen Kirchen haben enormen Zulauf. Allein die evangelische Church of South India (CSI), die mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) partnerschaftlich verbunden ist, hat in den vergangenen zehn Jahren 250 neue Gemeinden gegründet. Diese Aufbruchsstimmung ist insbesondere sonntags spürbar. „Der Sonntag ist für uns ein großer Tag und eine große Freude“, meint Bischof John Wilson Gladstone. Das Oberhaupt von 3,8 Millionen evangelischer Christen in Süd-Indien berichtet, dass die Gottesdienste zwei oder zweieinhalb  Stunden dauern, dass die Kirchen überfüllt sind, dass die Gläubigen vor der geöffneten Tür stehen, weil sie drinnen keinem Platz mehr finden, dass die Predigt mit Lautsprechern nach draußen übertragen wird. Davon können Christen hierzulande nur träumen. In Südindien ist das jeden Sonntag so.

Die christlichen Kirchen in Indien haben vor allem auch deshalb an Attraktivität gewonnen, weil sie Bildung und Erziehung einen hohen Stellenwert einräumen. Sie betreiben viele Schulen, die einen guten Ruf genießen, und sind auch in der Erwachsenenbildung und Familienhilfe aktiv.
Auffallend ist, dass man den indischen Sonntag inzwischen auch außerhalb der Kirchen spürt. Viele Geschäfte bleiben geschlossen,  selbst wenn der Ladenbetreiber bekennender Hindu ist. „In Indien gibt es ein Gesetz, wonach an einem Tag in der Woche der Laden geschlossen haben muss. Immer mehr entscheiden sich dabei für den Sonntag“, so Bischof Gladstone.

 

Bischof Gladstone, der Ende dieses Jahres in den Ruhestand verabschiedet wird, hat übrigens als junger Mann einige Semester in Hamburg evangelische Theologie studiert. Er spricht aber lieber englisch,  mit der deutschen Sprache, so sagt er, sei er aus der Übung. Für den indischen Sonntag allerdings hat er sich – exklusiv für die Homepage des Evangelischen Dekanats Bergstraße - auf Deutsch ins Zeug gelegt.
Was Bischof Gladstone über den Sonntag sagt, können Sie hören. Klicken Sie bitte hier

 

 

 

Hinweis: Die zwölfteilige Porträtreihe "Mein Sonntag", die in verschiedenen Ausstellungen zu sehen war,  hat das Evangelische Dekanat Bergstraße jetzt als Jahreskalender für 2011 herausgegeben. Der Farbkalender im DIN-A3-Format ist im Heppenheimer Haus der Kirche, Ludwigstraße 13 erhältlich. Er wird gegen eine Spende von sechs Euro abgegeben. Der Erlös kommt der Tafel in Rimbach zugute.
Bestellungen bitte per E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@haus-der-kirche.de oder telefonisch unter: 06252 / 6733-31

 

Foto oben: Bischof John Wilson Gladstone
Foto Mitte: Sonntagsgottesdient in Trivandrum, der Hauptstadt Keralas - Frauen rechts, Männer links
Foto unten: Bischof Gladstone beim Sonntags-Interview
Text u.Fotos: bet