23.09.10 "Arme Kinder in einer reichen Gesellschaft" - Predigt des Kirchenpräsidenten


Armut hat viele Gesichter – und immer mehr Kindergesichter. Mindestens 11,5 Millionen Menschen in Deutschland leben unter der Armutsgrenze. Und arme Leute haben arme Kinder: es sind inzwischen drei Millionen Kinder und Jugendliche, die von Armut betroffen sind. Dazu äußerte sich der Kirchenpräsident der EKHN, Dr. Volker Jung  am Diakonie-Sonntag.

In seiner Predigt bezeichnete Dr. Jung Sparbeschlüsse zu Lasten von Familien,  die Transferleistungen beziehen, als „falsches Signal“. Wörtlich sagte er: „Armut grenzt aus. Armut verhindert Teilhabe an den Chancen und Möglichkeiten, die es in dieser Gesellschaft gibt. Für viele ist Armut ein Teufelskreis. Armut verhindert Bildung. Mangelnde Bildung verschließt den Weg in gut bezahlte Arbeit. Schlechte bezahlte Arbeit oder keine Arbeit bedeutet wieder Armut.“

Christinnen und Christen seien herausgefordert, sich für den Schutz und die Rechte von Kindern und Jugendlichen einzusetzen. Dazu gehöre eine an den Bedürfnissen der Kinder orientierte Berechnung der Hartz IV-Regelsätze und ein Bildungssystem, das nicht nur eine theoretische Chancengerechtigkeit, sondern auch eine reale Teilhabegerechtigkeit biete.

Ausgehend von dem Jesuswort, „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, dann werdet ihr das Reich Gottes nicht empfangen“, rief der Kirchenpräsident in seiner Predigt dazu auf, die Welt mit den Augen der Kinder zu sehen. Dies sei „kein sozialromantisch verklärter Blick“. Es sei „der Blick für das wirkliche Leben mit seinen Herausforderungen und Härten“, aber auch auf „das großartige Gottesgeschenk des Lebens inmitten einer wunderbaren Welt“.  Kinder hätten Erwachsenen etwas voraus: „Vertrauen ins Leben und damit auch Vertrauen auf Gott.“, betonte Jung. Es verletze sie tief, wenn dieses Vertrauen zerstört werde, etwa durch sexuelle Gewalt insbesondere von Menschen, zu denen die Kinder Vertrauen gehabt hätten.

Viel Vertrauen in Menschen und in Gott sei auch bei Kindern in der Heimerziehung bis in die 70er Jahre hinein zerstört worden, auch in Einrichtungen von Kirche und Diakonie. Heute werde das „mit großem Erschrecken und Entsetzen“ festgestellt. „Warum wurde so wenig nach dem Wohl der einzelnen Kinder gefragt? Warum war die Wertschätzung, die Jesus den Kindern entgegenbrachte, so wenig im Blick?“, fragte Jung. Es sei gut, dass dies nun aufgearbeitet werde. Das schärfe den Blick für alles, was Kindern das Vertrauen raube.

Der gemeinsame Gottesdienst der beiden Evangelischen Kirchen in Hessen und ihrer Diakonischen Werke stand unter dem Motto „Arme Kinder in einer reichen Gesellschaft“

 

Text: Stephan Krebs/Red

 

 

 

 

 

 

Text u. Fotos: Arik Janssen