15.09.10 Gedenken an Johannes Guyot - Heilig-Geist-Gemeinde erinnert an Gründer des Hessischen Diakonievereins


Die Heilig-Geist-Gemeinde in Heppenheim hat an ihren ersten Pfarrrer Johannes Guyot erinnert, der vor 100 Jahren gestorben war. Guyot war zugleich Gründer des Hessischen Diakonievereins (HDV).

Zahlreiche Gemeindeglieder und der evangelische Posaunenchor standen um den weißen Grabstein von Pfarrer D. Johannes Guyot vor der roten Backsteinkirche der Heppenheimer Heilig-Geist-Gemeinde, als Steinmetz Michael Schmitt am „Tag des Denkmals“ auf die handwerklichen Besonderheiten des spröden, aus Frankreich stammenden Kalkgesteins (Savorriares oder Chauvigny genannt) hinwies. Schmitt hatte das Kenotaph (Scheingrab) mit dem gusseisernen Medaillon seines Angesichtes vor sieben Jahren überarbeitet, als der Grabstein des ersten Pfarrers der evangelischen Christen vom Heppenheimer vom Friedhof St. Peter am Ostermontag 2003 an die Südmauer von Heilig-Geist versetzt wurde.

Dirk Römer, der bis Frühjahr 2008 Pfarrer in Heilig-Geist war, erläuterte zudem die Inschrift des am 2. Juni 1910 unerwartet an einer Lungenentzündung verstorbenen Geistlichen. Unter dem Bibelvers des Apostel Paulus „Ich halte dafür, dass dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbart werden“. So sind neben Guyots Namen aufgeführt, der seiner Ehefrau Lina, seines im 1.Weltkrieg verstorbenen Sohnes Hans, sowie der Tochter Helene, die als Chemikerin promoviert war. Sohn Paul Daniel Guyot führte über vierzig Jahre den Hessischen Diakonieverein (HDV, Darmstadt), den sein Vater 1907 gegründet hatte.

Guyots gegenwärtiger Nachfolger im Amt des  Vorsitzender des HDV, Pfarrer Dr. Martin Zentgraf hatte bereits im vorlaufenden Gottesdienst auf Guyots vermittelnde Position in der Diakonie hingewiesen. So habe der Gründer in den Anfangsjahren die HDV-Schwestern bei den Freimaurern in Hamburg ausbilden lassen, so wie er auch eher evangelisch-konservative Mitarbeiterinnen des Marburger Bundes in Stellung nahm.

Römer seinerseits brachte in seiner Festtagspredigt Johannes Guyot und Albert Schweitzer zusammen, die über die gleiche Bibelstelle im Markus-Evangelium „Gleichnis vom Wachsen der Saat“ 1904 und 1910 gepredigt hatten. Für Römer betonen sowohl Schweitzer wie Guyot „die Unverfügbarkeit, ob aus der Saat in der Reichgottes-Arbeit eine Ernte entspringen wird“. Warten können und Geduld seien ihre Schlüsselwörter, wenn es um den Ertrag der Arbeit als Eltern, Pädagogen oder Kirchengemeinde geht.

Der von Pfarrer Frank Sticksel geleitete Gottesdienst wurde musikalisch umrahmt von dem Flötenensemble der städtischen Musikschule unter der Leitung Judith Portugall und dem Posaunenchor, der schon vor 20 Jahren das 80. Gedenken an Guyots Todestag am damals noch bestehenden Grab mit begleitet hatte.

 

Foto von links n. rechts: Pfarrer i.R. Dirk Römer, Pfarrer Frank Sticksel; Pfr. D. Martin Zentgraf (Vorsitzender des HDV)
Text: Dirk Römer
Foto: Heilig-Geist-Gemeinde