16.08.10 "Rezepte gegen Ohnmacht" - Von Anti-Ohnmachtskeksen bis zum Hartz-IV-Familieneintopf


„Rezepte gegen Ohnmacht“ – unter diesem Motto veranstalteten das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), das Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck und die Katholische Betriebsseelsorge Mainz in Heppenheim ein Kreativ-Seminar für Erwerbslose. Was die 23 Arbeitslosen angerührt und an Rezepten entwickelt hatten, präsentierten sie verblüfften Besuchern am Ende der dreitägigen Veranstaltung im Haus am Maiberg.

Ein Rezept für Anti-Ohnmachtskekse hat Sybille ausgetüftelt. Sie ist arbeitslos und kennt das Ohnmachtsgefühl aus eigener Erfahrung. Als Zutat für ihre speziellen Kekse empfiehlt sie unter anderem 200 Gramm Charakterstärke, zwei Prisen Glaubenssalz in Kraftbrühe und vier Tropfen Demut.

Andere Teilnehmer erarbeiteten ein Rezept für den richtigen Umgang mit der freien Zeit bei Erwerbslosigkeit. Ihr Zubereitungstipp für die Zeitroulade: unbedingt neue oder wieder entdeckte Talente unterrühren. Als Rezept gegen Isolation wurde die Teilnahme am Arbeitslosentreff Kompass oder einer anderen Arbeitsloseninitiative als schmack- und nahrhaft empfohlen. In einem weiteren Rezept, das sich ausdrücklich an die „Drückeberger“ unter den Arbeitslosen wendet,  heißt es ironisch: wer das Pech habe zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, müsse dabei nur nach dem Betriebsrat fragen – den Job bekäme dann garantiert ein anderer.

Einen Hartz-IV-Familieneintopf tischte Johanna auf. Weil davon auch Kinder essen, sollte die Vor- und Zubereitung stets mit Vorlesen, Hausaufgabenhilfe. Museumsbesuchen oder Spielen verbunden sein – dazu dürfe ein kräftiger Schuss Humor auf keinen Fall fehlen.

Alle Rezepte wurden in einem großen Kochbuch zusammengebunden – zum Nachlesen und als Anregung, eigene Rezepte zu entwickeln. Marion Schick vom Zentrum gesellschaftliche Verantwortung der EKHN,  der Kunstpädagoge Holger Wilmesmeier und die Kunsttherapeutin Martina Bodenmüller, die das Seminar gemeinsam leiteten, machten deutlich, dass es im Falle der Erwerbslosigkeit kein Patentrezept gegen Ohnmacht gebe. Es gebe aber viele kleine Hilfen, die einem das Leben als Erwerbsloser erleichtern könnten. Das Kreativ-Seminar sollte dazu Anregungen geben. Die vielleicht wichtigste: Rezepte gegen Ohnmacht sind umso wirkungsvoller und raffinierter, wenn sie nicht allein, sondern gemeinsam entwickelt werden.

Für den Nachtisch hatte Johanna das Rezept für ein „Bärendessert“ parat. Man nehme: „ein Bärenfell, eine bequeme Haltung, geschlossene Augen und positive Energie. Nimm anschließend Deinen Alltag an und würze ihn mit Deiner Zufriedenheit.“


Text u. Foto: bet