12.08.10 Fußball-WM der Wohnsitzlosen - Nationaltorwart kommt vom Diakonischen Werk Bergstraße


Er hat 18 Jahre auf der Straße gelebt, seit zwei Monaten hat er eine vorübergehende Bleibe im Wohnheim des Diakonischen Werks Bergstraße und schon bald wird er für Deutschland spielen.  Steven Duda wurde in die Fußballnationalmannschaft berufen, die im September bei der WM der Wohnsitzlosen, dem Homeless World Cup, in Brasilien antreten wird.

„Ich war total überrascht, völlig sprachlos“,  sagt der 41jährige. Die Nationalmannschaft hatte er überhaupt nicht auf der Rechnung, als er mit dem Straßenfußballteam „Panther Soccer“ des Diakonischen Werks Bergstraße bei der Deutschen Fußballmeisterschaft der Wohnsitzlosen in Hamburg antrat. Bei dem Turnier mitten auf der Reeperbahn hatte Bundestrainer Stefan Huhn die Spieler beobachtet und Steven Duda als Torwart für die WM vom 17. bis 27. September in Rio de Janeiro nominiert.  „Das Grinsen bekomme ich seitdem gar nicht mehr aus dem Gesicht“, sagt der Keeper, der in Brasilien seinen Kasten nach Möglichkeit sauber halten will. Stolz sind auch die übrigen Spieler der Panther Soccer, die „ihrem“ Nationaltorwart den Erfolg und die große Reise gönnen. Steven Duda selbst gibt sich bescheiden: „Ohne die Mannschaft wäre ich gar nicht so weit gekommen!“

Für die Nominierung in die Nationalauswahl ist nicht allein entscheidend, wer am besten Fußball spielen kann „Es kommt auch auf Teamfähigkeit und psychische Stabilität an“, betont Björn Metzger. Er ist Streetworker des Diakonischen Werks Bergstraße und „Manager“ der Panther Soccer, also so etwas wie der Uli Hoeness des Diakonischen Werks Bergstraße. Doch wenn Steven Duda in Rio des Janeiro im Tor steht, kann Björn Metzger ebenso wenig  dahinter stehen wie die Trainerin der Panther Soccer Sabine Reiner. Ein Trip an die Copacabana ist  finanziell einfach nicht drin. „Ich habe Bundestrainer Huhn gesagt, dass Steven Duda ohne mich nicht fahren will. Aber das hat er einfach ignoriert“, sagt Trainerin Reiner augenzwinkernd. Sie leitet beim Diakonischen Werk den Bereich Grünpflege, für den auch Steven Duda vier Stunden täglich arbeitet. Die Grünpflege ist der Talentschuppen der Panther Soccer. „Wer dort anfängt, wird als erstes gefragt, ob er Fußball spielen kann“, erklärt Trainerin Reiner und lacht. Bis zum Beginn der WM hat sie für Steven Duda verschärftes Lauftraining angesetzt. „Mit meiner Kondition hapert es noch ein wenig“, meint der angehende National-Keeper.

Bis zu seinem 19. Lebensjahr spielte Steven Duda in einem Verein Fußball, danach nur noch auf der Straße. Er war „auf Trebe“, blieb nirgendwo lange, hat keine feste Bleibe, ab und an arbeitete er als Dachdecker. Im Wohnheim des Diakonischen Werks, so sagt er, wolle er bleiben, um wieder Halt zu finden. Die Arbeit in der Grünpflege ist erster Schritt dazu. Die Nominierung in die Nationalmannschaft der Wohnsitzlosen ist zugleich Balsam für die Seele und stärkt das Selbstbewusstsein. Wie für die Elf von Jogi Löw wird für die wohnsitzlosen Kicker beim Homeless World Cup vor jedem Spiel ebenfalls die Nationalhymne gespielt. „Wie bekommen auch Trikots mit dem Bundesadler und allem drum und dran“, betont Steven Duda.  

Geld ist für die wohnsitzlosen Nationalspieler das größte Problem. Die Reise nach R io des Janeiro bekommen sie bezahlt. Doch für die Fahrt zu den beiden vorbereitenden Trainingslagern in Gifhorn und in Hamburg muss Steven Duda selbst aufkommen. Doch wer von der Straße kommt, kann so etwas nicht aus der eigenen Tasche finanzieren. Deshalb werden Sponsoren gesucht. Wer Steven Duda mit Geld oder die Panther Soccer z.B. mit einem Satz Trikots unterstützen möchte, kann sich mit dem Diakonischen Werk Bergstraße in Verbindung setzen:

T06251 / 85402 – 22
E-Mail: streetwork.bensheim@diakoniebergstrasse.de
Trainerin Sabine Reiner ist auch über ihr Dienst-Handy erreichbar: 0171 4194073

 

Text u. Foto: bet