27.07.10 „Die Päpstin“??? – Recherchen nach einem Zeitungsbericht


„Die Einmaligkeit des Sonntages in Bildern“ lautet die Überschrift eines Artikels in der heutigen Ausgabe der Odenwälder Zeitung über die Sonntags-Ausstellung in der evangelischen Kirche Wald-Michelbach. Doch aufmerksame Leser/innen rieben sich verwundert die Augen: Konnte das wahr sein? Hat es über Nacht etwa einen Durchbruch im ökumenischen Dialog gegeben - mit reformatorischen, ja revolutionären Folgen?  

Schwarz auf weiß steht in dem Zeitungsbericht ein Satz, den man zweimal, dreimal lesen muss, um ihn richtig zu begreifen:

„Päpstin Karin Held bringt es in ihrem Ausstellungsbild auf den Punkt: Der Sonntag ist unersetzlich“ (zitiert nach OZ vom 27. Juli 2010)

Wir sind Päpstin! Eine Päpstin aus der Region Starkenburg!? Kann das wahr sein? Der gerade aus dem Urlaub zurückgekehrte Gemeindepfarrer aus Zotzenbach, Hermann Birschel,  meldete sich heute bereits um 6.51Uhr per Mail und fragte: "Die heutige OZ zur Sonntagsausstellung in WaMiBa enthält in Bezug auf Pröpstin (?) Held eine Information, deren Grundlage mir wohl urlaubshalber entgangen ist („Päpstin“!). Können Sie mich aufklären?“

Die Kirchenvorstandsvorsitzende der evangelischen Gemeinde Wald-Michelbach, Ute Gölz meldete sich ebenfalls per Mail: „Frau Held wurde Päpstin!!!“

Im Heppenheimer Haus der Kirche, dem Sitz des Evangelischen Dekanats Bergstraße, stand das Telefon nicht mehr still. Zahlreiche Anrufer verlangten Aufklärung: Was ist dran an der „Päpstin“? Blitzrecherchen des Dekanats konnten alle Spekulationen rasch beenden. Das sind die Fakten: Karin Held ist Starkenburger Pröpstin und will es bleiben. Karin Helds Dienstort ist Darmstadt, ein Umzug nach Rom ist nicht vorgesehen. Karin Held ist und bleibt aus gutem Grund evangelisch.

Damit die Aufregung um die „Päpstin“ nicht von der Sonntags-Ausstellung ablenkt und Interessierte auch wissen,  was die evangelische Pröpstin Karin Held in der Ausstellung zum Sonntag sagt. Hier der Wortlaut:

Der Sonntag ist unersetzlich
Auch am Sonntag möchten wir uns alle auf unsere Polizei verlassen können und auf unsere Krankenhäuser, auf den Notarzt und das Pflegepersonal  - besonders auf den Intensivstationen. Wir möchten von Piloten, Eisenbahnern und Taxifahrern gefahren werden, und wir genießen es, beim Sonntagsausflug vom Gastronomiepersonal gut bedient zu werden. Musiker musizieren im Sonntagsopernabend. Nachrichtensprecherinnen verlesen uns die neuesten Informationen zum Tage.
Und am Sonntag wird von uns Pfarrerinnen und Pfarrern die Predigt erwartet und die Feier des Gottesdienstes; dort spielen Organisten und die Kantorin und die Küsterin versehen ihre Aufgaben.
Wir sehen: viele Berufsgruppen „dienen“ mit ihrem Tun der Gemeinschaft. Sie tun es, weil es ihr Beruf ist, sie tun es selbstverständlich und gerne.
Die kritische Frage der Kirche lautet: ist dies ein wirklich notwendiger Dienst für uns und unsere Gesellschaft? Was ist überflüssig und dient anderen Interessen?
Denn gerade wer auf den „richtigen“ Sonntag verzichtet (aus beruflichen Gründen und im Dienst für uns alle), der weiß, wie unzureichend ein anderer freier Wochentag den Sonntag ersetzen kann.
Karin Held, Pröpstin

 

Das Foto zeigt Pröpstin (!!!) Karin Held
Text: bet
Foto: ekhn