02.07.10 "Ein Haus des Lebens" - Erstes Hospiz in Südhessen eröffnet


Ein Traum des Hospiz-Vereins Bergstraße wurde Wirklichkeit. Das stationäre Hospiz Bergstraße in Bensheim ist eröffnet. Gemeinsam mit ihrem katholischen Kollegen Dekan Thomas Groß segnete Dekanin Ulrike Scherf das „Haus des Lebens und des Hoffens“ ein, wie es  der Vorsitzende des Hospiz-Vereins Bergstraße, Dr. Wolfgang Nieswandt, bezeichnete.

Dekanin Scherf bedankte sich bei allen, die das Hospiz durch finanzielle oder ideelle Unterstützung möglich gemacht haben, und betonte:  „Wir brauchen die Hospizbewegung, um das Sterben und den Tod als eine Wegstrecke unseres Lebens, die wichtig und Teil unserer ganz einmaligen Lebenszeit ist, neu zu entdecken. Und wir brauchen ein stationäres Hospiz, um einen Raum zu schaffen, auf die ganz persönlichen körperlichen, seelischen und geistlichen Bedürfnisse eines Sterbenden eingehen zu können.

„Der Segen Gottes ruht auf diesem Haus. Das spüren wir. Menschen setzen sich hier für das Leben ein,“ sagte Dekan Groß. Dekanin Scherf betonte, „dass jedem Menschen, selbst wenn er am Ende seiner Kräfte ist und den Tod vor Augen hat, eine unverbrüchliche Würde inne wohnt. Sie ist ihm als einmaligem, kostbarem Geschöpf Gottes geschenkt. Er ist und bleibt wertvoll, wie auch immer es um ihn steht.“

Gottes Ja über unserem Leben mache Wert und Würde unseres Daseins aus, erklärte die Dekanin und wies darauf hin, dass dies auch für Sterbende gelte, was in unserer Gesellschaft lange vergessen worden sei, „als ob man den Tod aus dem Leben drängen könne“.  Menschen müssten ihren je eigenen letzten Weg gehen können - „mit Menschen an ihrer Seite, die für sie da sind, die ihnen ihre Schmerzen lindern, ihnen zuhören, ihre Hand halten, ihre Seele trösten, mit ihnen beten, lachen oder weinen.“

Dr. Wolfgang Nieswandt, Mitinitiator der Hospizbewegung an der Bergstraße und Visionär des stationären Hospizes, betonte, dass es in der letzten Lebensphase eines Menschen nicht darum gehe, dem Leben noch weitere Tage hinzufügen, sondern diese Tage mit Leben zu erfüllen. „Deshalb ist dieses Haus als Haus des Lebens geplant und gebaut und nicht als ein Sterbehaus“. Er verwies darauf, dass es zunehmend Situationen gebe, „wo eine Betreuung und Begleitung zuhause nicht möglich ist. Die Krankheit kann in ihrem Verlauf so schwer sein oder es ist einfach kein Platz zuhause oder es gibt keine Angehörigen oder Freunde, die sich um einen Sterbenden kümmern könnten.“ Eindringlich beschwor Nieswandt, dass es in unserer Gesellschaft nicht sein dürfe, „dass sich Kranke den Tod herbeisehnen müssen, weil keine Menschen da sind, die Schmerzen lindern oder  quälende Symptome dämpfen“.

Der Bergsträßer Bundestagsabgeordneter Dr. Michael Meister erklärte, dass der Staat nicht dafür sorgen könne, „dass in den letzten Tagen eines Menschen dessen Würde gewahrt wird. Das können nur Menschen für Menschen leisten.“

Für Landrat Wilkes ist die Eröffnung des Hospizes ein „Freudentag im Angesicht des Todes“. Der Wert einer Gesellschaft ließe sich nicht daran messen, wie viel Geld verdient oder umgesetzt werde, „sondern wie mit den Armen, Kranken und Schwachen umgegangen wird. Es ist eine gelebte Form von Nächstenliebe, die hier praktiziert wird.“

Bensheims Bürgermeister Thorsten Hermann würdigte die Arbeit und Ausstrahlung des Hospiz-Vereins Bergstraße. „Ich habe in den vergangenen Jahren keine andere Bürgerbewegung wahrgenommen, die so erfolgreich gearbeitet hat.“

Das Hospiz kann gleichzeitig zehn Patienten aufnehmen. Die mit 30 Quadratmetern und Loggia großzügig bemessenen Zimmer, können individuell ausgestattet werden. Insgesamt kostete der Neubau rund 2,9 Millionen Euro. Der Betrieb wird jährlich rund 180.000 Euro Verlust bescheren, der von der Bevölkerung des Kreises Bergstraße aufgebracht werden muss. Deshalb werden längerfristige Paten gesucht, die als Dauerspender jährlich mindestens 120 Euro leisten, oder Zustifter für die Hospiz-Stiftung Bergstraße, die dafür sorgen, dass das Stiftungskapital wächst – unangetastet bleibt -, und aus den Erlösen die Hospizarbeit gefördert wird.
 

Text:Rüdiger Bieber
Foto: Hospizverein