12.05.10 Auf nach München - Pressegespräch im Haus der Kirche


Das Evangelische Dekanat Bergstraße bewertet den ökumenischen Kirchentag als großes Aufbruchsignal für mehr Gemeinsamkeit zwischen den Konfessionen. 78 katholische und evangelische Christen von der Bergstraße sind heute zu der fünftägigen Großveranstaltung nach München gefahren. Sie steht unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“.

Das katholische und evangelische Dekanat hatten die Fahrt erstmals gemeinsam organisiert. Die Teilnehmer/innen hatten sich darauf gemeinsam vorbereitet, sie fahren gemeinsam nach München, sind dort gemeinsam untergebracht und besuchen gemeinsam verschiedene Veranstaltungen. „Auch wenn wir aus Rom ganz andere Signale hören, so ist der Kirchentag gelebte Ökumene von unten“, sagte die Bergsträßer Dekanin Ulrike Scherf bei einem Pressegespräch im Heppenheimer Haus der Kirche. Der Präses des Evangelischen Dekanats, Axel Rothermel ergänzte: „Wir haben die Hoffnung, dass mit dem Kirchentag wieder etwas zusammenwächst  und die Kirchentagsbesucher danach in ihren Kirchengemeinden weiter Ökumene praktizieren“. Beide, Dekanin und Präses, sind zwischenzeitlich selbst zum Kirchentag nach München gefahren.  Axel Rothermel nimmt dort an einer Podiumsdiskussion teil.

Zuvor hatten sich die beiden Vertreter der evangelischen Kirche an der Bergstraße kritisch über die Neubaupläne der Vitos-Klinik in Heppenheim geäußert. Das 32 Millionen teure Neubauprojekt sieht keinen eigenen Andachtsraum mehr vor, sondern lediglich einen Raum der Stille, der auf 23 Quadratmeter begrenzt ist. „Der Raum ist für Gottesdienste viel zu klein“, sagte Dekanin Scherf. Sie verwies auf die Klinikkapelle in dem bestehenden, alten Psychiatrie-Krankenhaus, die stark genutzt werde. „Seelisch kranke Menschen halten sich viel länger in der Psychiatrie auf als Patienten im Kreiskrankenhaus. Sie haben gerade mit Blick auf  Gottesdienst und seelischen Zuspruch ganz eigene Bedürfnisse.“ Die Dekanin  betonte, dass sowohl die katholische Kirche mit einem Pastoral-Referenten wie auch die evangelische Kirche mit einer Gemeindepädagogin und einer Pfarrerin für Psychiatrie-Seelsorge in der Vitos-Klinik präsent seien.

Den geplanten Raum der Stille um ein benachbartes Büro zu erweitern, hatte die Vitos-Klinik bislang abgelehnt.  „Dass mit kaltem Herzen zwölf zusätzliche Quadratmeter verweigert werden, ist im Grunde ein Skandal“, sagte Präses Axel Rothermel. Es gehe um die seelischen Belange von Menschen in der Psychiatrie. Angesichts des Gesamtbauvolumens dürften allein Kostengründe für einige Quadratmeter mehr zugunsten eines Andachtsraums nicht ausschlaggebend sein.

Erfreuliches konnten Dekanin und Präses über ein innovatives Vorhaben berichten, das Modellcharakter bekommen könnte.   Das Evangelische Dekanat Bergstraße hat entschieden, das von der Kirchengemeinde Birkenau geplante Projekt KU3 finanziell zu unterstützen. Das Kürzel steht für Konfirmandenunterricht in der 3. Klasse. Derzeit werden die Konfis in der 7. und in der 8. Klasse unterrichtet. Künftig soll dies in Birkenau in der 3. und dann in der 8. Klasse geschehen. „Die Drittklässler sind offener und empfänglicher für Themen wie Abendmahl,. Taufe oder Schöpfung“ sagte Gemeindepädagogin Anke Thürigen, die für das Projekt mitverantwortlich ist. Dekanin Scherf meinte, dass der Konfirmandenunterricht ab der 7. Klasse oft auf nichts mehr aufbauen könne, weil in vielen Familien Glaube und Religion keine große Rolle mehr spielten. Diese Lücke könnte mit dem früheren Beginn des Konfirmandenunterrichts ausgefüllt werden. Die dritte Klasse hält auch die Dekanin für ideal. „Die Kinder sind in einem Alter, wo sie von sich ganz forsch fragen, nachhaken und alles wissen wollen über Gott und die Welt“

 

 

 

Foto: von links n. rechts: Dekanin Ulrike Scherf, Präses Axel Rothermel, Gemeindepädagogin Anke Thürigen mit dem Kirchentagsplakat
Text u. Foto: bet