03.05.10 Leitungswechsel im Diakonischen Werk Bergstraße - Verabschiedung von Hendrik Raekow


Nach 34 Jahren als Leiter des Diakonischen Werks (DW) Bergstraße ist Hendrik Raekow in den Ruhestand verabschiedet worden. Als Zeichen der Anerkennung wurde ihm das Goldene Kronenkreuz, die höchste Ehrung der Diakonie, verliehen.

Der gebürtige Potsdamer setzte sich über drei Jahrzehnte lang tatkräftig dafür ein, Menschen am Rande der Gesellschaft Chancen auf ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu eröffnen. Dabei wuchs das Werk auf über 100 Mitarbeitende an. Brigitte Walz-Kelbel, die fünf Jahre das DW Odenwald geleitet hatte, wurde als seine Nachfolgerin eingeführt.

„Ein in Berlin großgewordener engagierter Sozialarbeiter hat an der Hessischen Bergstraße seinen Platz gefunden: mit Einsatz für die Schwachen, mit Blick für beschädigtes Leben und mit Tatkraft für Menschen am Rande – das ist Hendrik Raekow. Mit ihm verabschieden wir ein diakonisches Urgestein in den Ruhestand.“ So fasste im Gottesdienst in der Bergkirche in Bensheim-Auerbach Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau e.V., seine Anerkennung zusammen. In seiner Dienstzeit initiierte und etablierte Hendrik Raekow eine Vielzahl sozialer Projekte und Angebote im Raum Bergstraße.

Die Bergsträßer Dekanin Ulrike Scherf erinnerte in ihrer Predigt daran, dass für Hendrik Raekow die enge Verbindung von Kirche und Diakonie kennzeichnend war. Sie dankte ihm für die Fähigkeiten und Begabungen, die er in Kirche und Diakonie eingebracht hatte. „Es spricht Bände, wenn wir uns vor Augen führen, dass er damals, vor 34 Jahren mit zwei kleinen Räumen mit Ölofen und Toilette über dem Hof in der Schunkengasse anfing, unser Diakonisches Werk aufzubauen und heute sieht, welch großes Werk mit den verschiedensten Standorten und Arbeitsgebieten daraus entstanden und gewachsen ist – das vom Budget her gesehen zweitgrößte, von den Arbeitsgebieten her gesehen größte regionale Diakonische Werk in unserer ganzen Landeskirche.“, sagte Dekanin Scherf.  Als Leiter der Diskonischen Werkes arbeitete Hendrik Raekow eng mit den beiden Evangelischen Dekanaten Bergstraße und Ried zusammen. Im Bergsträßer Dekanat war er selbst  Präses und stellvertretender Präses. Den Gottesdienst gestalteten auch der Dekan des Evangelischen Dekanats Ried, Karl Hans Geil sowie der Gemeindepfarrer von Auerbach, Karl Michael Engelbrecht mit.

Hendrik Raekow hatte sich besonders für Menschen mit psychischer Erkrankung eingesetzt.  Die Eröffnung des Psychosozialen Zentrums in Rimbach 1990, in dem sowohl psychisch Kranken als auch ihren Angehörigen Beratung, Unterstützung bei Behördengängen und Freizeitaktivitäten angeboten werden, war ein erster Meilenstein. 2007 konnten Appartements für alleinerziehende psychisch kranke Mütter und Väter mit ihren Kindern gebaut werden. Den Familien soll dieses Projekt so viel Normalität wie möglich gewährleisten. Neben den gemeindepsychiatrischen Hilfen für die Eltern liegt der Schwerpunkt in der sozialpädagogischen Begleitung der Kinder. Ziel des Projekts ist es, die Erziehungskompetenz der Eltern so weit zu fördern, dass sie längerfristig die Verantwortung für die Kinder ohne professionelle Unterstützung wahrnehmen können.

Für Hendrik Raekow war die Wohnungslosenhilfe immer eine Herzensangelegenheit. So konnte im Jahr 2000 in Bensheim ein Wohn- und Übernachtungsheim für Wohnungslose errichtet werden. Hier finden Wohnungslose nicht nur einen Platz zum Schlafen und Duschen, sondern auch Beratung bei Behördengängen, Vermittlung zu niedergelassenen Ärzten und Unterstützung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche.
„Zur Verwirklichung meiner Projekte und Anliegen hatte ich in den entscheidenden Momenten immer engagierte Unterstützer an meiner Seite“, resümiert der 60-jährige studierte Sozialarbeiter. Bei seinem Dienstantritt in Zwingenberg 1976 waren nur 1,5 Stellen für die diakonische Arbeit vorgesehen. Heute sind im Diakonischen Werk Bergstraße in den sechs Dienststellen Bensheim, Lampertheim, Rimbach, Mörlenbach, Wald-Michelbach und Hirschhorn 106 Mitarbeitende beschäftigt. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Psychosozialen Beratung, der Wohnungslosenhilfe, der Jugendmigrationsarbeit, der Schulsozialarbeit, der Senioren- und Schuldnerberatung und der sozialpädagogischen Familienhilfe.

Die Nachfolge Hendrik Raekows tritt seine erfahrene Kollegin Brigitte Walz-Kelbel an. Nach fünf Jahren als Leiterin des DW Odenwald wurde die Diplom Religionspädagogin am 15. April 2010 in Bad König aus ihrem Amt verabschiedet. Seit Anfang April ist sie bereits als Leiterin in Bensheim tätig.


Foto von links n. rechts: Pfarrer Karl Michael Engelbrecht, Dekanin Ulrike Scherf, Hendrik Raekow, Brigitte Walz-Kelbel, Dr. Wolfgang Gern und Dekan Hans Geil
Text: dwhn/red
Foto:Gustav Förster