30.04.10 Trauer um Professor Heinz Ufer


Das Evangelische Dekanat Bergstraße trauert um Professor Heinz Ufer aus Gorxheimertal. Der langjährige Präses verstarb in der Nacht zum 30. April im Alter von 76 Jahren. Er hinterlässt seine Frau, vier erwachsene Kinder und sieben Enkel.

Die Nachricht erreichte die evangelische Kirche an der Bergstraße völlig unerwartet. Bis zuletzt hatte sich Heinz Ufer für das Dekanat engagiert. „Er war mitten in den Vorbereitungen für unseren Empfang zum neuen Kirchenjahr“, sagte Dekanin Ulrike Scherf. „Professor Ufer hatte sich nicht aufs Altenteil zurückgezogen. Er befand sich eher im produktiven Unruhestand mit einer schier unerschöpflichen Vorrat an Tatkraft und Ideen“, so die Bergsträßer Dekanin.

Präses Axel Rothermel bezeichnete Professor Ufer als „väterlichen Freund“, der ihm stets Rat und Tat zu Seite stand.  „Er war eine faszinierende Persönlichkeit mit einem außerordentlichen Ideenreichtum“, sagte Präses Rothermel.

Heinz Ufer war über 20 Jahre Präses des damaligen Evangelischen Dekanats Bergstraße-Süd. Mit seinem Einsatz für das Haus der Kirche in Heppenheim hatte er einem wichtigen Baustein für den Zusammenschluss der beiden Bergsträßer Dekanate Süd und Mitte zu dem einen Evangelischen Dekanat Bergstraße gelegt. Von 1986 bis 1992 und von 1998 bis 2004 war Ufer Mitglied der Kirchensynode der EKHN. Dessen Verwaltungsausschuss leitete er bis zu seiner Wahl in die Kirchenleitung, der er von 2001 bis 2005 angehörte. Zudem war Heinz Ufer Kuratoriumsvorsitzender der Ehrenamtsakademie der EKHN.  Bis zu seinem Tod war Heinz Ufer Vorsitzender der Dekanatsstiftung Bergstraße. Er war außerdem jahrelang Mitglied im Kuratorium des Gerhart-Hauptmann-Hauses in Scharbach

Der frühere langjährige Dekan des Dekanats Bergstraße-Süd, Helmut Steigler, würdigte seinen langjährigen Weggefährten als Quer- und Vordenker: „Kirche bedarf immer der Reformation -  dafür war Heinz Ufer das lebende Beispiel“. Nach Ansicht des Alt-Dekans gehörte Geduld nicht zu den herausragenden Charaktereigenschaften von Heinz Ufer „Er wollte unsere Kirche immer in Bewegung halten und nicht nur über Neuerungen nachdenken, sondern sie auch praktisch umsetzen“, betonte Helmut Steigler.

Professor Ufer erhielt für sein vielfältiges Engagement  zahlreiche  Ehrungen. 1973 wurde ihm das Verdienstkreuz der Republik Italien für seinen Einsatz bei der Errichtung eines italienischen Kulturzentrums in Mannheim verliehen. 1983 zeichnete ihn der Deutsche Politologenverband, dessen Präsident er lange war, mit der silbernen Ehrennadel aus. 1985 wurde er Träger des Bundesverdienstkreuzes. 2003 bekam er den Ehrenbrief des Landes Hessen .2004 machte ihn der Verein Kurpfalzring zum fünften Träger des Ehrenrings. 2006 erhielt er die Martin-Niemöller-Medaille  - die höchste Auszeichnung, die die EKHN zu vergeben hat.

Heinz Ufer wurde 1934 in Langensteinbach im nördlichen Schwarzwald geboren. Er widmete sich zunächst der Musik und studierte später Jura, Politik und Religionswissenschaften in Berlin. Ab 1960 arbeitete er in der  Erwachsenenbildung in Mannheim. Zwei Jahre später wurde er dort Direktor der Abendakademie, die Fortbildungsangebote für Berufstätige anbietet. Das erstmalig in Deutschland erarbeitete Konzept ermöglichte weiterführende Schulabschlüsse während der Berufstätigkeit. Es wurde in Ungarn, Kolumbien und China übernommen, wo Ufer 1996 Professor an der Nationalen Elite-Universität der südchinesischen Stadt Hangzhou und Ehrendirektor des von ihm gegründeten Instituts für Weiterbildungsforschung wurde.

In Mannheim gründete Heinz Ufer die Fachhochschule für Sozialwesen, Deutschlands erste Abendrealschule und Baden-Württembergs erste Hauptschule mit Abschlussexamen sowie eine Spielschule. Außerdem initiierte er Anfang der 80er Jahre in Mannheim Deutschlands erste Musikschule für Erwachsene. Darin gründete Ufer ein eigenes Streichorchester. Neben seinem Lieblingsinstrument, der Bratsche, spielte er verschiedene weitere Instrumente.

Von 1973 bis 1981 war er Bergsträßer Kreistagsabgeordneter und Mitglied des Raumordnungsverbands Rhein-Neckar. Außerdem gehörte er von 1981 bis 1993 dem Rundfunkrat des Süddeutschen Rundfunks an.

 


Text: bet
Foto:ekhn