30.04.10 Kein Tag wie jeder andere - Ausstellung "Mein Sonntag" eröffnet


Der Sonntag ist kein Tag wie jeder andere. Das macht das Evangelische Dekanat Bergstraße mit der Ausstellung „Mein Sonntag“ deutlich, in der Menschen aus der Region porträtiert werden. Sie äußern sich über ihre Sonntagserlebnisse, ihre Sonntagsgedanken und Sonntagsgeschichten.

„Für die Porträtreihe sind bewusst ganz unterschiedliche Menschen ausgewählt worden, um deutlich zu machen, dass der freie Sonntag für jeden einzelnen von Bedeutung ist“, betonte Dekanin Ulrike Scherf bei der Eröffnung der Ausstellung.

Zu Wort kommt und ins Bild gesetzt wurde zum Beispiel der Bensheimer Unternehmer Bernd Herbert. Er räumt ein, dass er im Interesse seiner 340 Mitarbeiter nicht umhin komme, ganz auf Sonntagsarbeit verzichten zu können. Er betont aber, er suche die Arbeit am Sonntag nicht: „Ein Kunde wollte, dass wir von Heilig-Abend bis Neujahr einen größeren Auftrag ausführen. Das war finanziell sehr verlockend, wir wären fürstlich bezahlt worden. Ich habe den Auftrag im Interesse meiner Mitarbeiter abgelehnt. Ab einem bestimmten Punkt muss man ‚Nein‘ sagen“, so Bernd Herbert.

Martina und Thomas Egner aus Heppenheim arbeiten als Krankenpfleger/in in zwei unterschiedlichen Bergsträßer Kliniken und haben sonntags oft Dienst. In ihrem Porträt sagen sie über den Sonntag: „Ob man sonntags frei hat oder an einem Wochentag, das ist für uns nicht das gleiche. Die Atmosphäre am Sonntag ist eine ganz andere als an einem Werktag. Wenn es geht, sollte man ihn von allen Alltagsdingen freihalten. Eine geöffnete Autowaschanlage etc. brauchen wir sonntags jedenfalls nicht.“

Die insgesamt 15 Porträts zeigen keine heile Sonntags-Welt. So kommen auch ein Strafgefangener und eine obdachlose  Frau zu Wort, die aufgrund ihrer Situation einen ganz anderen Blick auf den Sonntag haben. Der Strafgefangenen Wilhelm Bruno S., zu dem die evangelische Kirche über ihren Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt Kontakt aufnehmen konnte, sagt: „Am Sonntag hat das Gros der Justizvollzugsbeamten frei. Das bedeutet für uns Gefangene, dass wir früher eingeschlossen werden. Die Gefangenen unterhalten sich nach dem Einschluss lautstark durch die Fenster. Es wird ständig geschrien. Das zerrt an den Nerven. Ein Lichtblick am Sonntag ist der Gottesdienst, der alle 14Tage stattfindet. Es ist schön, dass er in der Gefängniskirche gefeiert wird. So sieht man mal was anderes als nur seine Zelle.“

In der Ausstellung kommt auch eine Ladeninhaberin zu Wort. Manuela Ganz betreibt  in Grasellenbach einen Hofladen, in dem landwirtschaftliche Erzeugnisse verkauft werden. Sie sagt in ihrer Sonntagsgeschichte: „Die Direktvermarktung ist zum wichtigen Standbein unseres Bauernhofes geworden. Die Hotelbetreiber in unserem Ort haben uns immer wieder aufgefordert, wegen der Wochenend-Gäste auch sonntags zu öffnen. Doch ich meine, die Kunden können auch am Samstag einkaufen oder am Montag, bevor sie wieder wegfahren. Sonntags ist bei uns geschlossen.“

Das Evangelische Dekanat will nach eigenen Angaben mit der Ausstellung auch zeigen, was uns verloren geht, wenn Sonntagsarbeit und sonntägliche Ladenöffnung weiter zunehmen. Dekanin Scherf erinnerte daran, dass in Kommunen mit besonderem Besucheraufkommen laut Gesetz  Geschäfte an bis zu 40 Sonn- und Feierträge im Jahr Waren des touristischen Bedarfs verkaufen dürfen. „Einzelne Kommunen waren offenbar der irrigen Ansicht, dass auch eine Waschmaschine oder ein Sofa etwas ist, was Touristen am Sonntag dringend benötigen“. Die Bergsträßer Dekanin begrüßte bei der Ausstellungseröffnung, dass nach der Allianz für den freien Sonntag in der Region Starkenburg  jetzt auch eine hessenweite Allianz vorbereitet werde. Dieser Zusammenschluss könne politischen Einfluss nehmen, wenn im nächsten Jahr der Wiesbadener Landtag neu über das hessische Ladenöffnungsgesetz  entscheiden werde.

Die Ausstellung im Heppenheimer Haus der Kirche, Ludwigstraße 13  ist werktäglich  von 8.30 bis 12.00 Uhr und von 13.00 bis 16.30 Uhr zu sehen. Führungen nach Vereinbarung. Die Ausstellung  wird am 13. Juni (ab 11.30 Uhr) mit einem Sonntags-Brunch abgeschlossen, bei dem auch die Preise für den zeitgleich stattfindenden Fotowettbewerb „Mein Sonntag“ verliehen werden.

 

Das Foto zeigt den jüngsten Teilnehmer der Porträtreihe Christian Vock (Rimbach), 15 Jahre gemeinsam mit der ältesten Teilnehmerin Irmela Prolingheuer (Alsbach) , 73 Jahre
Text u. Foto: bet