24.02.10 Auftakt für die neue Dekanatssynode - Bergsträßer "Kirchenparlament" für 75.000 evangelische Christen


Die Dekanatssynode ist das regionale "Kirchenparlament" der evangelischen Kirche an der Bergstraße. Sie ist neu gewählt worden und kommt am 6. März in Heppenheim zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Die Synodalen vertreten rund 75.000 evangelische Christen in insgesamt 34 Kirchengemeinden. Welche Aufgaben die Dekanatssynode hat, mit welchen Themen sie sich beschäftigt und wie es mit der Streit- und Diskussionskultur im Kirchenparlament bestellt ist, darüber sprachen wir dem Vorsitzenden des Dekanatssynode, Präses Axel Rothermel.

Herr Rothermel, erst vor vier Jahren fusionierten die Evangelischen Dekanate Bergstraße-Mitte und Bergstraße-Süd. Ist das eine, gemeinsame Dekanat Bergstraße inzwischen bei allen akzeptiert?

Kritik an der Fusion ist an mich nicht mehr herangetragen worden. Es ist sicherlich so, dass Mitte und Süd unterschiedliche Streit- und Diskussionskulturen mitbrachten. Aber das hat die Dekanatssynode eher bereichert. Wenn es Auseinandersetzungen gab, dann waren es Auseinandersetzungen um die Sache. Am Ende gab es dann aber meist einen breiten Konsens - etwa bei der Entscheidung, die vom Diakonischen Werk Bergstraße betriebene Tafel in Rimbach auch finanziell zu unterstützen.

Mit welchen Themen beschäftigt sich ein regionales Kirchenparlament?

In der letzten Synode haben wir einheitliche Konzeptionen für die Gemeindepädagogik und die Kirchenmusik entwickelt. Es ging auch um die Pfarrstellenbemessung, also um die Frage, wie unser Pfarrstellenbudget auf die einzelnen Gemeinden verteilt wird. Aber wir haben auch das Profil der Evangelischen Kirchen in der Region geschärft, indem wir Themen besetzt haben wie Armut und Gerechtigkeit. Ohne der neuen Synode vorgreifen zu wollen, denke ich, dass wir uns damit auch in Zukunft beschäftigen werden. Mit dem Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist die Diskussion um den Sozialstaat neu entbrannt. Für uns als evangelische Kirche kann es bei der Armutsbekämpfung nicht nur darum gehen kann, dass Menschen nicht hungern und frieren. Es geht auch um gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe. Die Dekanatssynode greift also wichtige Themen auf, mit denen einzelne Kirchengemeinden allein überfordert wären. Und das ist uns in der Vergangenheit gut gelungen.

Gibt es auch etwas, was der Synode nicht gut gelungen ist?

Wir sind sehr diskussionsfreudig und haben oft unser Zeitbudget nicht einhalten können. Falls ich wieder zum Vorsitzenden der Dekanatssynode gewählt werde und weiter Verantwortung trage, werde ich sagen: das darf, das kann und das muss besser werden.

Werden wir  in der neuen Synode viele neue Gesichter sehen oder überwiegt eher die personelle Kontinuität?

Das hält sich in etwa die Waage. Unter den 115 Synodalen  sind viele, die zum ersten Mal in  die Synode gewählt worden sind und wir haben zugleich etliche, die schon länger dabei sind. Das ist gut so. Wir brauchen die richtige Mischung aus neuen Gesichtern, die für frischen Wind sorgen,  und alten Hasen, die Erfahrung haben und wissen, wie es läuft. In der Synode gibt es auch keine Regierungsfraktionen oder Oppositionsfraktionen wie in den politischen Parlamenten. Es geht uns um Dialog und Vertrauen zwischen alten und neuen Synodalen. Wir ziehen alle gemeinsam an einem Strang und wollen miteinander einen Weg suchen und diesen Weg gemeinsam gehen.


Wer kann eigentlich Synodaler werden?

Unter den Synodalen  sind die Nicht-Theologen, die Laien in der Mehrheit. Sie stellen  etwa zwei Drittel der Synodalen, ein Drittel sind Pfarrerinnen und Pfarrer. Die evangelische Kirche baut sich von unten auf. Die Gemeindemitglieder wählen ihren Kirchenvorstand. Der Kirchenvorstand wählt aus seinen Reihen Vertreter in die Dekanatssynode. Die Dekanatsynode wählt dann aus ihren Reihen die Bergsträßer Vertreter für die Kirchensynode auf landeskirchlicher Ebene. Also wer Kirchenvorstand oder Kirchenpräsident, wer Präses oder Dekanin wird, das bestimmen letztlich die Gemeindemitglieder.